A7V-U im Maßstab 1:72 von ModellTrans MT 72824

In Veldhoven war er ausverkauft, aber auf der Ausstellung der IPMS Nederland in Houten hatte ich dann Glück: Nicht nur, dass unser Stand „um die Ecke“ des Verkaufsstandes von ModellTrans war – Peter Paul Przybylka hatte auch den A7V-U wieder vorrätig!
Ein flehentlicher Blick und einige Euro später war er mein …

Weil gewiss viele diesen deutschen Weltkrieg I Panzer überhaupt nicht kennen, hier kurz einige Hintergrundinfos:
Der A7V-U ist, wenn man es einmal technikorientiert betrachtet, nichts Anderes als die Kombination des deutschen A7V-Panzers mit einem Laufwerk à la Mark I bis Mk. IV der Briten. Wahrscheinlich wollten die Deutschen mit diesem Entwurf die Grabenüberschreitfähigkeit des ansonsten im Gelände doch sehr unbeholfenen A7V verbessern und so wurde 1917 bei Daimler in Berlin ein Prototyp mit Geschützerkern, wie sie von den britischen Rhomboidtanks bekannt waren, gebaut.
Allerdings war dieser Panzer viel zu groß geraten und mit einem Gewicht von knapp 40 Tonnen war er nicht gerade dazu prädestiniert, in schwierigem Gelände voranzukommen.
Das Projekt wurde deshalb im Herbst 1918 nach nur einem einzigen Exemplar wieder aufgegeben.

In der bei ModellTrans üblichen überaus stabilen Kartonage …
… finden sich drei wiederverschließbare Tütchen mit allem, was man benötigt, um diesen Exoten auf die Laufwerke zu stellen:
Der einteilige Panzerkasten ist ziemlich schwer, da aus dem Vollen gegossen:

Die Strukturen sind ganz ordentlich gemacht …… weisen allerdings am Heck einige Unsauberkeiten auf! Ich würde das Montieren einer Abschleppkette empfehlen, um die Stelle zu kaschieren!
Der Boden des A7V-U hat einige rudimentäre Details angegossen:Die beiden einteiligen Laufwerke mit den Seitenerkern sowie der Kuppel für die Bug-MG-Schützen:Die Laufwerke sind ganz in Ordnung, aber die Gussstruktur könnte etwas besser sein:

Die umlaufende Kette – einige Niete fehlen auf den Kettengliedern und die Anschlüsse zwischen den geraden und den gebogenen Elementen sind nicht immer einwandfrei:Die Montage zwischen Panzerkasten und Laufwerken ist dank einer V-förmigen Schiene idiotensicher:

Die Kuppel der beiden MG-Schützen …

… sowie die beiden Seitenerker für die 5,7cm Bewaffnung_

Hier noch die heckseitige Lüfterpanzerung sowie die beiden Kanonen, MGs und Abschlepphaken:

Vorsicht mit den extrem dünnen (vorbildgerechten!) Abschlepphaken – sie brechen schnell ab (siehe oben!) und gehen ebenso schnell verloren!
Die beiden 5,7cm Kanonen würde ich bei meinem nächsten A7V-U gegen gedrehte Rohre tauschen – die Bausatzgussqualität ist nicht wirklich berauschend!
Die nicht existierende Bauanleitung finde ich persönlich nicht wirklich schlimm: Die Montage der einzelnen Bausatzkomponenten ist eigentlich selbsterklärend! Dennoch wäre eine kurzer Hinweis zum Beispiel auf die Farbgebung des einzigen Prototypen hilfreich! Ich habe daher meinen A7V-U schlicht in Feldgrau lackiert:

Wie immer, ist nicht nur das äußere Erscheinungsbild von entscheidender Bedeutung bei der Beurteilung des Modells, sondern auch seine Maßhaltigkeit!
Bezüglich der Abmessungen beziehe ich mich auf die WaffenRevue Nr. 5 vom Juni 1972.
Länge des Originals: 8400mm (= 116,6mm in 1:72)
Länge des Modells: 115mm
Breite des Originals: 4700mm (= 65,27mm in 1:72)
Breite des Modells: 65mm
Höhe des Originals: 3200mm (= 44,44mm in 1:72)
Höhe des Modells: 41mm
Der Bausatz ist also in der Breite mit Erkern maßhaltig; in der Länge (inkl. Abschlepphaken) ein wenig untermaßig und in der Höhe finden wir die größte Abweichung von immerhin drei Millimetern!
Nichtsdestotrotz denke ich, dass der ModellTrans-Bausatz das Erscheinungsbild des A7V-U ganz gut wiedergibt und -ganz ehrlich- wer geht schon mit dem Messschieber auf Ausstellungen?

Mein Fazit: Mit knapp 40 Euro ist dieser Bausatz nicht unbedingt ein „Schnäppchen“ und einige Gussfehler trüben ein wenig den insgesamt positiven Eindruck. Aber Alles in Allem eine lohnenswerte Anschaffung für alle WW I Interessierten und mithin der einzige Bausatz im Maßstab 1:72!

Erhältlich direkt im online-shop des Herstellers.
Als Literatur empfehle ich die beiden WaffenRevue-Hefte Nr. 5 vom Juni 1972 mit einer kurzen zweiseitigen historischen Information inklusive der technischen Parameter sowie Heft Nr. 21 vom Juni/August 1976 mit Photos des A7V-U während des Baus, die einige Details sehr gut wiedergeben!

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen