Antonov An-225 MRIJA in 1:144 von Revell 04958

Kurz vor Weihnachten überraschte uns REVELL mit der Auslieferung des Bausatzes der Antonov An-225 „Mrija“ im klassischen Airliner-Maßstab 1:144.
Ein Riesenkarton!
Was sich darin befindet, hat Florian Hölzel für uns photographisch festgehalten ..
ANTONOV – der Inbegriff für überdimensionierte Luftfahrzeuge!

Neben der AN-2 – einem der größten Doppeldecker der Welt, der AN-124 – das riesen Transportflugzeug und selbstverständlich der AN-225, dem Koloss der Luftfahrt, stellt dieses ukrainische Konstruktionsbüro alles andere in den Schatten.

Ihren Erstflug hatte die Antonov AN-225 am 21. Dezember 1988, vielleicht auch deswegen hat sich Revell dafür entschieden den Bausatz zum 30 jährigen Jubiläum auf den Markt zu bringen.

Der Nato-Codename lautet „Cossack“, wobei ihre eigentliche Firmenbezeichnung -Mrija- auf deutsch „Traum“ heisst, der jedoch kein Traum bleiben sollte. Insgesamt wurden 2 Exemplare gebaut, wovon allerdings nur eins in die Luft gekommen ist. Insgesamt hat die AN-225 106 unterschiedliche Weltrekorde inne. Bekannt wurde sie jedoch erst mit der Flugerprobung der Raumfähre „Buran“, die sie auf ihrem Rücken trug. 6 Triebwerke, 84m Länge und eine Spannweite von 88,4m helfen diesem Riesen zu seinen enormen Maßen. Erst seit 2008 fliegt diese Maschine in ihrem jetzigem Farbkleid.

Es ist schon etwas verwunderlich, dass ausgerechnet Revell – eine deutsche Modellbaufirma – diesen Giganten der Luftfahrt im Maßstab 1/144 auf den Markt bringt und nicht ein ukrainischer oder gar russischer Hersteller. Dies ist nicht abwertend, sondern positiv gemeint.

227 Teile, 587mm Spannweite und eine Rumpflänge von 612mm sind schon beeindruckend.

Alle Teile, bis auf die 13 Klarsichtteile kommen in weißem Kunststoff daher. Alles ist gewohnt und sauber in einem Stülpkarton mit den Maßen 60x40cm verpackt.
Da aber genug Luft im Karton ist, kann es durch aus passieren, dass sich das ein oder andere Teil vom Gußrahmen löst.
Die Oberfläche des Modells weist eine sehr feine, mit versenkten Gravuren versehene Struktur auf:

Der Innenraum der AN-225 ist sehr gut wiedergegeben. Der Laderaumboden ist fein detailliert und auch die restlichen Innenteile weisen Spanten und Stringer auf:

Die beiden Kräne sind vorhanden …
… und die Treppe kann im eingeklappten, oder ausgeklappten Zustand dargestellt werden. Lediglich der Handlauf ist etwas zu grob geraten:
In den Tragflächeninnenseiten findet man eine Führungshilfe für den „Querträger“.
Dieser soll für mehr Stabilität der Tragflächen zum Rumpf sorgen. Aufgrund seiner stabilen Aufmachung sollte dies auch kein Problem darstellen:

An den Flügelspitzen gibt es je einen Ausschnitt für die Positionslichter …
… welche als Klarsichtteil beiliegen, hier muss man allerdings nacharbeiten, indem man die Öffnung für den Stift des Lichtes öffnet, da dieser leider geschlossen ist:
Weitere Versäuberungsarbeiten sind an dem großen Teil notwendig, welches den Rumpfrücken schließt und den Übergang zu den Tragflächen bildet:
Hier haben sich rechts und links kleine Fischhäute gebildet:

Die Bauanleitung ist auf dem neuen Revellstandard und führt in insgesamt 90 Bauabschnitten zum Lackieren, bzw. dem Anbringen der Decals.

Gebaut werden kann die An-225 in 4 verschiedenen Optionen:
Option 1-grau: im Flug (mit eingefahrenem Fahrwerk)
Option 2-grün: auf der „Runway“ (Fahrwerk ausgefahren)
Option 3-rot: Bug offen (Rampe noch oben)
Option 4-blau: Bug offen, herabgelassen (Rampe heruntergefahren)

Sehr schön gestaltet ist die farbliche Optionsvariante zu erwähnen, die in einer eigenen Farbe und der Seitenansicht die gewählte Option in den diversen Baustadien wiederspiegelt.

Der Innenraum ist sehr detailreich gestaltet, jedoch wird der ein oder andere, insofern er sich für einen offene Version entscheidet hier und da noch nachbessern:

Das Cockpit, mit den angegossenen Sitzen ist spartanisch gehalten, für diesen Maßstab und dem Umstand, dass man nachher nicht sehr viel bis gar nichts mehr sehen wird, ausreichend gestaltet:
Das Fahrwerk – bestehend aus 32 ! Reifen – ist sehr schön detailliert. Das feine Profil der Reifen ist gut wiedergegeben, jedoch sollte man den Überstand, welcher der Formtrennnaht geschuldet ist, entfernen:
Für die Version 2 und 3 sind die Fahrwerkstreben anders gestaltet als für Version 4, bei der das Luftfahrzeug hydraulisch nach vorn unten geneigt ist:

Leider finden sich, gerade in dem sehr filigran gestalteten Fahrwerksstreben, einige Fischhäute die es gilt zu entfernen, was sich etwas schwierig erweisen soll. Da auch die Löcher für die Achsen der Räder nicht alle gleichmäßig sauber sind, kann es hier auch zu kleinen Ausbesserungsarbeiten kommen.

Jedes der sechs Triebwerke besteht aus 8 Einzelteilen, die auch sehr gut detailliert sind, hier ist man von anderen Herstellern jedoch etwas feineres gewohnt:

Die Auswurfmarken verschwinden fast gänzlich, bis auf eine, die nachgearbeitet werden sollte. Positiv zu erwähnen ist, dass die Lufteinlässe in einem gegossen wurden und man somit keine Klebenaht hat, die es gilt zu versäubern, leider sind auch hier stellenweise Fischhäute vorhanden:
Vorsicht sollte man walten lassen, wenn man die Pitotrohre vom Gußast löst, da diese sehr klein sind und der Anguss teilweise zu groß ist.

Die Klarsichtteile sind sauber und schlierenfrei gegossen, was man eigentlich nur an der Kanzel sieht:

Ein Klappmechanismus für die Nase gibt es leider nicht, somit muss man sie festkleben, schade, aber kleine Abstriche muss man ja immer machen, so war es bei der AN-124 ja auch schon der Fall.

Die Decals stammen von Daco Products, ein Belgischer Modellbau– und Decalhersteller der sehr schöne Decals für Airliner und die Belgische Luftwaffe anbietet:
Sie sind versatzfrei und scharf gedruckt und überzeugen durch satte Farben. Gedruckt wurden diese im Hause Zanchetti.

Zwei Decalvarianten sind vorhanden, einmal eine in der Lackierung von 08/2009 bis 08/2016 und die andere ab 08/2016 bis heute.

Bemerkenswert und positiv ist, dass die Decals Nr.42 und 52 doppelt beiliegen, quasi als Ersatzteil, sollte man sich mal verschneiden:

Ja „verschneiden“: Diese müssen nämlich noch selbst mit einem Messer ein wenig geöffnet werden:
Auch für die Decals 47 und 48 liegt jeweils nochmal ein Ersatzdecal bei.

FAZIT:

Was soll man über so ein riesen Modell noch schreiben, ausser DANKE Revell. Wie die An-124 ist den Bündern hier wieder mal ein super Coup gelungen. Ich durfte den Testshot schon im September in Holzminden bestaunen und war seit dem völlig angetan von diesem Modell, von dem Original schon länger. Für den Anfänger ist das Modell aufgrund der Teileanzahl und seiner sicherlich doch etwas komplexen Bauart der Teile nicht geeignet, etwas Erfahrung sollte mitgebracht werden und vor allem der Platz um dieses Flugzeug auch unterbringen zu können. Preislich ist dieses Modell auch wieder im hohen Segment von Revell angesiedelt, sodass es auch da schon den „nurmalebenso“ Modellbauer abschrecken wird. Hier und da finden sich, wie im Text erwähnt, leider an paar Fischhäute, teil ans ungünstigen Stellen, die aber im Großen und ganzen zu vernachlässigen sind, betrachtet man das Gesamtbild des Modells. Schön wäre noch ein Displayständer gewesen, auf dem man das Modell im Flug, oder im Landeanflug mit ausgefahrenen Fahrwerken präsentieren kann.

Man darf gespannt sein, ob Revell die Raumfähre „Buran“ auch auf den Markt bringt, oder gar in einigen Jahren bei einer Wiederauflage mit in den Karton packt.
Oder vielleicht erbarmt sich ja der ukrainische Kooperationspartner ICM und schenkt uns eine BURAN? Wer weiß…

Erhältlich ist die MRIJA im online-shop von Modellbau König.

Florian Hölzel, Aurich