DFS Olympia Meise in 1:72 von AZ Model ( # AZCZ 23 )

Auf der Ausstellung der Modellbaufreunde Siegen in Wilnsdorf am vorletzten Aprilwochenende fiel mir an einem Ausstellertisch eine kleine, unscheinbare Schachtel im alten Kovozavody-Design auf – eine Olympia Meise!
Ich dachte eigentlich alle KP-Modelle zu kennen und war ein wenig überrascht.
Fünf Euro später war dieser Bausatz mein und des Rätsels Lösung etwas näher gekommen …

Die Lösung war blitzschnell gefunden: Es handelt sich um einen Bausatz des tschechischen Herstellers AZ Model, dessen Eigentümer es sich zum Ziel gesetzt hat, die alte Traditionsmarke „Kovozavody“ wieder zum Leben zu erwecken und wer die aktuellen Modelle aus dem Hause AZ, Admiral, Legato und auch Kovozavody Prostejov kennt, weiß, dass ihm das gelungen ist!

Doch bevor ich die Schachtel öffne, ein paar kurze Bemerkungen zum Original:

Die „Olympia Meise“ der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) hatte ihren Ursprung in den Bemühungen, ein für die geplante Olympiade in Helsinki 1940 taugliches Segelflugzeug zu bauen. Und da sämtliche Wettbewerbe auf einem Einheitstyp geflogen werden sollten, wählte ein internationales Auswahlkomitee zwischen der Akaflieg Mü 17, der polnischen Orlik, zwei italienischen Mustern und der 1938 konstruierten Meise letztere im Februar 1939 als das Standardsegelflugzeug für die olympischen Spiele 1940 aus … seither trägt die Meise den prestigeträchtigen Beinamen „Olympia“.

Zu den Spielen 1940 kam es bekanntlich nicht – da aber die Baupläne in Vorbereitung der Spiele an alle teilnehmenden Nationen versandt worden waren, kam es zum Bau von DFS Olympia Meisen in der Schweiz, Schweden, den Niederlanden, Brasilien, Jugoslawien, Ungarn, Frankreich und England.
In Deutschland selbst wurden insgesamt 625 Exemplare gebaut; in der späteren DDR wurden nochmals bis 1959 150 Segelflieger gefertigt.
In der Tschechoslowakei ging eine begrenzte Anzahl von Zlin Z-25 Šohaj in Serie.
Mehr als 150 wurden in England (unter den Bezeichnungen „Chilton Olympia 2“ und „Elliotts of Newbury Olympia Type 1 bis Type 3“) gebaut und in Frankreich ging sie als „Nord 2000“ mit insgesamt 100 Exemplaren in Serie.

Als kleines Schmankerl finden unsere Leser hier einen britischen Verkaufsprospekt für „The finest high performance sailplane in the world“.

Doch zurück zum jüngst erworbenen Bausatz …

Öffnet man die kleine Schachtel, die ganz bewusst im Design an die alten Kovozavody-Schachteln angelehnt wurde, kommt eine wieder- verschließbare Tüte mit dem einzigen Gussrahmen zu Tage:


Die beiden Rumpfhälften haben im Cockpitbereich rudimentäre Strukturen:

Der Flugzeugführerraum ist ebenso spartanisch wie das Original ausgestattet:


Der Sitz des Piloten:


Und der Cockpitboden mit dem gewaltigen Anguss:


Die beiden Tragflächen:


Ordentlich strukturiert …


… aber mit viel Gussgrat und vor allem: Zwei äußerst ungünstig (aber wenigstens an den Unterseiten!) platzierten Gusstürmen:


Der kleine Spritzling mit der Kabinenhaube und einem Teil, dass NIRGENDS in der Bauanleitung Erwähnung findet:

Es handelt sich hierbeium ein Kanzelteil, das zwischen die beiden Tragflächenhälften geklebt werden soll:


Die Bauanleitung ist ein simples DIN A5 großes kopiertes Blatt, auf dessen Vorderseite neben einem Teilediagramm (wozu eigentlich?) und einer schlechten Kopie des Deckelbildes (nochmal: Wozu eigentlich?) wenigstens die grundsätzlichen Daten und ein kurzer Abriss der Geschichte unseres kleinen Seglers zu finden sind:

Die Montageanleitung selbst ist, analog zum Bausatz, sehr spartanisch gehalten, aber völlig ausreichend:

Das Einzige, was mich stört: Die Farbangaben sind auf Tschechisch – und zwar NUR auf Tschechisch!
Für alle diejenigen, die des Tschechischen nicht ganz so mächtig sind:
A=Schwarz
B= Weiß
C= Silber
D= Hellgrau
E= Braun
F= Metall

Der sehr kleine Bogen mit den Decals enthält alles, was man benötigt …


… um die vier internationalen „Olympia Meise“ zu verwirklichen:

Und wie schaut es mit der Maßhaltigkeit des kleinen Seglers aus?

AZ Model (und auch der oben verlinkte Verkaufsprospekt) gibt als Länge 7,27 Meter (= 100,97 mm in 1:72) und als Spannweite 15,00 Meter (= 208,3 mm in 1:72) an;
montiert hat die 1:72er Olympia Meise eine Länge von 101 mm und eine Spannweite von 209 mm.
Meine Baufehler und meine Unfähigkeit, korrekt zu messen einmal mit eingerechnet würde ich sagen:
Perfekt!

Fazit: Da ist nicht viel dran: ein einziger Gussrahmen mit wenigen Teilen, ein kleiner transparenter Spritzling, ein winziger Bogen mit den Nassschiebebildern und eine spartanische Bauanleitung.
Mehr braucht es nicht, um eine schöne Replik dieses Vielzweckseglers zu erstellen!

Erhältlich im online-shop von TOM Modellbau.

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen