Drei Rohre im Formationsflug – Yak-28P Firebar in 1:48 Bobcat 48001

Der Hersteller Bobcat aus dem Reich der Mitte (nicht mit dem Baumaschinenhersteller zu verwechseln) hat vor kurzem den einzigen Bausatz dieses Flugzeugs mit außergewöhnlichem Erscheinungsbild aus der Zeit des Kalten Krieges im Maßstab 1:48 auf den Markt gebracht. Das Preisniveau ist schon im oberen Bereich anzusiedeln. Es handelt sich um die Allwetterabfangjägerversion. Zwischenzeitlich gibt es auch eine Bausatzvariante als Yak-28-PP „Brewer-E“, eine Version als ECM-Störflugzeug mit Glasnase, die auf der Kartonrückseite auch angedeutet wird.

Vergleiche mit andern Bausätzen sind daher gar nicht möglich. Wie schlägt sich dieser „Einzelgänger“?

In einem sehr stabilen Karton, in ungewöhnlichem beinahe quadratischen Format mit einer Fotomontage des gebauten Modells „im Fluge“ drauf, finden sich sauber einzeln gepackte Plastikbeutel mit fünf grauen Spritzlingen und einem Austauschradom, einem Klarsichtspritzling, dem Decalsatz mit einer Schutzfolie und der Bauanleitung. Ätz- oder Resinteile sind nicht dabei.

Die Spritzlinge bestehen aus einem mittelharten Kunststoff und sind von guter bis sehr guter Qualität. Kein Versatz, nur geringe Gußgrate an einigen Teilen, die mit geringem Aufwand entfernt werden können, keine störenden Auswerfermarken oder Sinkstellen. Die Gravuren und die Nietstrukturen sind vertieft und überwiegend randscharf. Lediglich an einigen Stellen wirken sie ein wenig unscharf.

Spritzling A enthält für die den optischen Eindruck prägenden drei Röhren die Rumpf- und Triebwerksverkleidungshälften.


Die Detailfotos zeigen die überwiegend sehr gute, aber andererseits auch weniger gelungene Struktur der Gravuren. Letzteres ist die schwächste Stelle am gesamten vorliegenden Bausatz.

Spritzling B enthält zwei Leitwerksversionen. In der Bauanleitung wird nicht näher beschrieben, welche Version und Markierungsalternative zusammengehören. Die Unterschiede liegen in den unterschiedlich großen Antennenverkleidungen in der Leitwerkspitze. Hier muss der Modellbauer entsprechend rechtzeitig auswählen.

Weiterhin enthalten sind Teile für das Cockpit, die kurze Rumpfspitze, die Triebwerksauslässe und weitere Kleinteile.


Die Instrumentenbretter sind schon sehr schön ausgeführt, selbst einzelne Zeiger sind erkennbar.

Decals hierfür sind nicht vorhanden, bei dieser Ausgangsbasis ist also ohne Zurüstteile das Geschick des Modellbauers bei der Bemalung gefordert.

Die Nachbildung des aus je fünf Teilen zusammen zu klebenden Schleudersitze ist „so lala“. Vollständig überzeugen können sie nach dem ersten Eindruck nicht.


Auch die Nachbildung der Cockpitseitenkonsolen wirkt sehr stiefmütterlich.


Insgesamt ist trotz der schönen Instrumentenbretter im Cockpitbereich noch Luft nach Oben. Über Lösungsmöglichkeiten werden wir hier noch weiter berichten.

Besser ist da schon wieder die Nachbildung der Innenbereiche der Schubrohre.


Kommen wir wieder zu den größeren Gussästen. Der Spritzling C bringt im Wesentlichen die Teile für die Tragflächen auf den Modellbautisch.


Hier sind wieder schön nachgebildete Gravuren und Strukturen vorhanden.

Spritzling D enthält viele Kleinteile für das Innere der Triebwerke, der sehr unterschiedliche detaillierten Fahrwerkschächte usw. .

Fotos 013 und 014

 

Schließlich liefert der Spritzling E insbesondere den Rumpfrücken und die Bestandteile der Raketenbewaffnung

Hier sind wieder schöne Details auf dem Rumpfrücken vorhanden:

Die große Rumpfspitze ist separat verpackt.

Die Klarsichtteile sind von guter Qualität, können jedoch ein Bad in einem Glanzmittel vertragen.

Sie enthalten je eine Cockpithaube mit und ohne Mittelsteg. Eine Erklärung für welche Decaloption welches Teil verwendet werden muss, habe ich in der Bauanleitung und den Zeichnungen für die Markierungen nicht gefunden; lediglich den Hinweis auf zwei unterschiedliche Versionen.

 

Für die Kunststoffteile insgesamt gilt also: Außen hui (mit ganz kleinen Abstrichen) innen nicht pfui, aber doch verbesserungsfähig.

Der Decalsatz enthält keinen Hinweis auf einen spezifischen Hersteller. Er ist sauber und randscharf ohne erkennbaren Versatz gedruckt und enthält die größeren Markierungen für eine Vielzahl (15, wenn ich richtig gezählt habe) von unterschiedlichen Einzelflugzeugen im Naturmetallfinish mit schwarzen Antireflektionsflächen, grünem oder grauem Radom und grünen Antennenverkleidungen. Enthalten sind auch kleine Stencils für Wartungsaufschriften und die Raketenbewaffnung, hier könnten vielleicht die kleinsten Stencils demnächst in etwas dünnerer Schrift erscheinen, dann werden sie auch unter der Lupe besser lesbar werden; dies trügt aber den Eindruck am fertigen Modell wohl nicht.

 

Die Bauanleitung ist vollständig in alter Art ausgeführt.

Sie enthält daher nur schwarz-weiße Grafiken, man muss schon genau hinsehen, um die Bauteilnummern (Buchstaben/Nummern) und Farbangaben (Buchstaben) und die vorherigen Bauschritte (Nummern im Kreis) auseinander zu halten. Auch die Abbildungen für die Decalanbringung sind nicht farbig, sondern lediglich schwarz-weiß-Risse.

Mit den farbigen Bauanleitungen z. B. in der Art von Eduard oder neuerdings Revell, die die Arbeit mit komplexen Bausätzen auf jeden Fall erleichtern, kann dieses Produkt keineswegs mithalten. Andererseits: Früher bekam man mit solchen Anleitungen sein Modell auch zusammengebaut und das sollte hier auch gelingen. Die Farbhinweise sind für Gunze, Tamiya und Model-Master, hieraus können auch die Farben für andere Hersteller abgeleitet werden.

In der Bauanleitung wird auch auf einen „Display-Stand“ in Verbindung mit Bauteil B37 hingewiesen. Dieses Teil ist auch vorhanden, ein wohl gemeinte Ständer für die Darstellung im Flug ist jedoch nicht enthalten.

Fazit:

Insgesamt ist der Bausatz mit den genannten kleinen Schwächen allemal eine Kaufempfehlung wert. In diesem Maßstab entsteht daraus die einzig mögliche Nachbildung eines bemerkenswerten Vorbilds. Die drei Röhren in Naturmetall mit dem Stützradfahrwerk sind ein absoluter Hingucker. Bobcat hat damit auf jeden Fall einen guten Start hingelegt, ganz an der absoluten Spitze ist die Ausführung des Bausatzes aber noch nicht.

Erhältlich im Ebay-shop von Jörg Walliser.

Hermann Geers, Wietmarschen