Gloster Meteor F.Mk. IV von FROG im Maßstab 1:72

Angesichts immer detaillierterer Plastikbausätze und im Hinblick auf die mittlerweile kaum noch zu überblickende Zubehörindustrie fragt man sich, wie man in den 1960er Jahren und darüber hinaus  über- haupt Modellbau betreiben konnte – ganz ohne Resin, Photoätzteile und mindestens fünf Bögen mit Markierungen!

Nun, die Gloster Meteor von FROG zeigt, wie das damals war …

Ganz kurz zu den Rahmendaten unseres kleinen Bausatzes:
Erblickt hat er das Licht unserer kleinen Polystyrolwelt im Jahre 1970 und seine Eltern, die Nachfolger der Lines Bros., haben ihm den Namen „F200“ gegeben.
In der roten Box (die wir haben) wurde er bis 1973 insgesamt 180.000 Mal verkauft!
Nochmals 55.000 Bausätze konnten zwischen 1974 und 1976 in einer ähnlichen Schachtel an den Modellbauer gebracht werden.
Gegen Mitte der 1970er Jahre wurden die Formen vom Eigentümer der Fa. FROG in die damalige UdSSR gesandt, um dort kostengünstiger produzieren zu können.
Dazwischen lag dann jedoch die Insolvenz von FROG, bzw. deren Eigentümer, und die Formen verblieben vor Ort, um für die ebenfalls rein britische Marke NOVO weiterproduzieren zu können.
(Die weitere Geschichte unserer Gloster Meteor in der Sowjetunion werden wir noch einmal in einem gesonderten Beitrag aufgreifen)…

Klar ist unsere Meteor im Maßstab 1:72 gehalten und mit ihren 38 Teilen kann man eine Maschine der 323. Staffel der niederländischen Luftwaffe von 1950 oder der 263. Squadron der RAF, ebenfalls aus dem Jahre 1950, bauen.

Schon beim Öffnen der Schachtel kommt dieses angenehme „feeling“ britischen Understatements zum Tragen:


Einfach eine um die Gussrahmen passende Verpackung anstatt die Spritzlinge in einer überdimensionierten Schachtel zu verkaufen!
Und jene Spritzlinge sind für ihre Zeit recht ordentlich, wie ich finde:

Die transparente Haube (die eher an getrübtes Panzerglas erinnert) liegt einfach mit in der Schachtel und kann so am besten zerkratzt oder gar zerbrochen werden:

Meine hat -Gottlob!- die Zeiten des lose Herumliegens in der Schachtel recht gut überstanden und das sogar unbeschädigt!

Die Paneellinien sind, wie damals Mode, als erhabene Strukturen dar- gestellt, haben aber, ich bin ehrlich, ihren ganz eigenen Charme und ich bin wirklich am Überlegen, ob ich hier nachgravieren oder sie einfach so, wie FROG sie geschaffen hat, belassen soll:

Auch die seehr tief gravierten Ruderpaneele sind ein typisches Produkt ihrer Zeit:


Die Triebwerke sind, bis auf die Einlaufplatten für die Tragflächen-vorderkante, nicht existent:


Aber, mal ganz ehrlich: Wer von uns hätte damals richtige detaillierte Triebwerke eingebaut?

Unter die Tragflächen kann man noch die beiden Zusatztanks hängen:


Diese sind, typisch für damals, recht einfach aus zwei Hälften mit angegossenen Pylonen (samt den leider unvermeidlichen Material-einsinkungen!), gefertigt.

Ebenso zeittypisch – das karge Interieur:


Ein Pilot, ein extrem vereinfachter Sitz und ein Steuerknüppel haben damals völlig ausgereicht, um die Modellbauer glücklich zu machen:

Und natürlich gab es eine Bodenplatte für dieses „umfangreiche“ Innenleben:

Interessant auch die Tatsache, dass die Fahrwerksklappen sowohl geschlossen als auch mit separaten Teilen geöffnet dargestellt werden können – das war Anfang der 1970er Jahre nicht üblich: Da war eher Zerschneiden angesagt, um die Maschine am Boden stehend darzustellen. Und recht putzig: Die Teilenummer wurde an den Innenseiten der Fahrwerkklappen angebracht – ein wenig ungeschickt, sollte man sich für eine am Boden stehende Meteor entscheiden!

Entscheidet man sich für die Fahrwerkvariante, so findet man hierfür recht ordentlich detaillierte Bauteile vor:

Ein wie selbstverständlich mitgelieferter Display-Ständer war in den 1970er Jahren gang und gäbe:

Tja, das waren noch Zeiten, als man solche „Kleinigkeiten“ nicht für teuer Geld extra erwerben musste!

Der Bogen mit den Nassschiebebildern hat interessanterweise keiner- lei Hinweise auf das zugehörige Modell oder gar den Hersteller:

In Zeiten von „Printed in XYZ by UBG“ recht ungewöhnlich!

Mit diesen decals lassen sich dann die eingangs schon beschriebenen Markierungsvarianten verwirklichen:


Die Bauanleitung (die ich bewusst in diesem vergilbten Original- farbton belassen habe) ist, kein Wunder bei gerade einmal 38 Bau- teilen, recht übersichtlich:


Tips für „Top Modeller“ und solche die es werden wollen, finden sich (in mehreren Sprachen!) auf der Rückseite:


Schön, dass man auf der Rückseite eines Mängelzettels die Auflistung aller zu diesem Zeitpunkt erhältlichen FROG-Bausätze findet:


Und damit möchte ich sozusagen an unseren nächsten Beitrag hier auf Kitreviewsonline übergeben – das „zweite Leben“ der Meteor in der Sowjetunion:

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen