Iljuschin Il-2 in 1:48 von Revell (03932)

Die Iljuschin Il-2 „Shturmovik“ gehört zum Großen Vaterländischen Krieg wie der T-34 oder die „Stalinorgel“.
Kein Wunder, dass wir Modellbauer mit Bausätzen dieses Schlachtflugzeuges in den Maßstäben von 1:144 bis 1:32 „aus dem Vollen“ schöpfen können.
Auch Revell hat nun eine „Shturmovik“ im Quarterscale im Programm …

Auf der Schachtelrückseite findet der Käufer essentielle Informationen zum Bausatz, zu den benötigten Farben und Werkzeugen und Photos einer gebauten Il-2 – man muss also nicht die „Katze im Sack“ kaufen.
Dafür gibt es schon mal einen erhobenen Daumen!


Auf der Schachtelseite dann ein erster zaghafter Hinweis auf den Ursprung des Kits – „Made in Korea“:

Es handelt sich um den Ende der 1990er Jahre in Korea produzierten Bausatz von Accurate Miniatures , deren Kits damals eine wahre Innovation im Plastikmodellbau waren.

Der Bausatz selbst ist leider wieder in einem dieser so unglaublich unpraktischen Faltkartons verpackt:

Wo soll man die gebauten Einzelkomponenten aufbewahren? In die Box kann man sie schlecht zurückstopfen – also werden sich viele Modellbauer mit leeren Trumpeter- oder HobbyBoss-Kartons aushelfen.
Aber müssen europäische Modellbauer wirklich Zuflucht bei den chinesischen Marktführern suchen, nur um ihre teilgebauten Modelle vernünftig aufzubewahren? Kann man nicht auch in Europa vernünftige Verpackungen herstellen?
Vielleicht sollte man bei den Verantwortlichen einmal darüber nachdenken … wir Modellbauer wären mehr als dankbar!

Und über noch Etwas sollte man in Bünde nachdenken – Qualitätskontrolle!
Beim Herausziehen des Bausatzes aus der Schachtel fiel mir sofort auf, dass der Gussrahmen mit den Klarsichtteilen lose in der Tüte liegt:


Hier noch einmal von Nahem:


Beim Herausziehen der Spritzlinge können die Klarsichtteile prima von den über und unter ihnen liegenden Gussrahmen zerkratzt werden:


Warum ich so darauf herumreite?
Nun, ich denke man kann von einem Marktführer wie Revell erwarten, dass solche heutzutage unnötigen Probleme durch eine vernünftige Qualitätskontrolle erst gar nicht entstehen und hoffe, dass man sich in Bünde darauf besinnt, in Zukunft etwas mehr Sorgfalt walten zu lassen – unsere chinesischen Freunde von HobbyBoss bis Trumpeter machen es vor!
Also sollten wir Europäer versuchen, gleichzuziehen!

Aber Gottlob waren meine Klarsichtteile einwandfrei!


Die Windschutzscheibe hat wunderbar eingraviert Visierlinien und alle Klar-sichtteile sind tatsächlich … klar!
Interessant die transparente Panzerplatte hinter dem Pilotensitz mit den beiden Fensterlein:

Das ebenfalls als transparentes Teil ausgeführte Instrumentenbrett wird mit einer Rückwand (auf die die Instrumentenskalen geklebt werden) und Nass-schiebebildern versehen – wie das in der Realität des Baus dann funktioniert? Wir werden berichten!

Der Gussrahmen mit den beiden Rumpfhälften:


Von aussen graviert, im Inneren ohne Details:

Dargestellt ist ein früher Metallrumpf aus der Produktion von Zavod 18 (Fabrik 18) – andere Fabriken (Zavod 35 und 3812) hatten schon zu Beginn der Produktion Holzrümpfe, allerdings wurden nur wenige „Holz“Il-2 gebaut, weil die Fabriken nach der deutschen Invasion evakuiert wurden.
Ab ca. August 1941 wurden die Il-2 fast ausschließlich mit einem Sperrholzrumpf gefertigt.

Hier sehr schön zu sehen – die fein detaillierten RS-82 Luft/Boden-Raketen sowie die Ausgleichsgewichte für die Ruder (mittig):


Bei den Tragflächen handelt es sich um die frühen Metalltragflächen (ab 1942 wurden die Querruder nicht mehr metallbeplankt, sondern waren stoffbezogen und die Ausgleichsgewichte fielen weg):

Allerdings ist bezüglich der Bewaffnung eine späte, ab 1942 verwendete Trag-fläche dargestellt: innen Shkas-MG, aussen VYa-23 oder ShVak-Kanonen:

Bei den frühen Il-2 waren die Shkas-MG aussen und die Shvak-Kanonen innen!

An der linken Tragfläche ist der Landescheinwerfer zu sehen – rechts fiel er ab 1942 weg:


Auf den Innenseiten der oberen Tragflächenhälften sind Fahrwerkstrukturen angedeutet:


Man sieht hier sehr schön den ab Oktober 1942 ergänzten Luftfilter für den Vergaserlufteinlauf an der rechten Tragflächenwurzel:

Später wurden jedoch allenoch im DHS befindlichen Il-2 mit diesen Luftfiltern versehen.

Der nächste Spritzling beherbergt die beiden Höhenflossen, die Bereifung sowie das Tragflächenmittelstück mit den (geschlossenen) Bombenschächten:


Die Höhenflossen:


Das Tragflächenmittelstück – die kleinen Bombenschächte sind geschlossen und die Aufnahmepunkte für die externen Bombenschlösser bereits vorgebohrt:


Bei der Bereifung mit separaten Radnaben hat man die Wahl zwischen „normalen“ und belasteten(abgeplatteten) Rädern:

Der Gussrahmen für Tragflächenholme, Fahrwerkbeine, Cockpitboden etc.:


Die Holme sorgen tatsächlich für eine recht stabile Verbindung zwischen Rumpf und Tragfläche:

Im Cockpit ist „ab Werk“ alles vorhanden, was man braucht:

Bei den Fahrwerkbeinen fehlen eigentlich nur noch Bremsschläuche für einen „guten Eindruck“:


Diverse Rudergestänge und Bombenschlösser:


Der Spritzling für die Bomben, Fahrwerkschächte, Propeller und vor allem das Rumpfvorderteil:


Die beiden Fahrwerkschächte machen eigentlich einen guten Eindruck …

… wären da nicht diese fiesen Auswerfermarken samt Fischhaut an extrem gut sichtbaren Stellen:


Wovor ich am meisten „Manschetten“ habe – das separateRumpfvorderteil:

Die Montage von Bug- und Hecksegement kann immer problematisch werden!

Propeller und Spnner sehen recht ordentlich aus:


Der Treibstofftank (hinter dem Piloten angebracht!) sowie Cockpitkonsolen:

Für einen extrem realistischen Eindruck müssen beim Tank noch einige Leitungen ergänzt werden – aber auch schon aus der Schachtel gebaut schaut er klasse aus!

Die Auspuffrohre vom gängigen „5er“-Typ:


Und die aussen angebrachten Bomben:


Weiter Bausatzdetails:

Der schön gemachte Bauplan glänzt -wieder einmal- durch die Abwesenheit jeglicher Vorbildinformationen:

Nur auf der Schachtelrückseite ein paar Floskeln (noch dazu mit einem falschen Einsatzjahr!):

Man ist echt versucht zu schreiben: „Kommt Leute! Das könnt ihr aber echt besser!“
Auch wenn europäische Richtlinien für das Fehlen einer ausführlichen Information verantwortlich sein sollten: Wieso geht es dann auf der Schachtel-rückseite?

Abgesehen davon ist der Bauplan auf der Höhe der Zeit:

Die Farbangaben wie leider immer bei Revell mit hauseigenen Farben …

… und dem dadurch bedingten unvermeidlichen Anmischen von Farben:

Welcher Modellbauer macht das? Zumal es mittlerweile sowjetische und russische Luftwaffenfarben von fast jedem Farbenhersteller gibt!

Natürlich möchte man in Bünde lieber die eigenen Farben als die Produkte der Konkurrenz verkaufen … aber glaubt wirklich jemand, dass alle erfahrenen Modellbauer (und an die richtet sich dieser Level 5 – Bausatz) ihre Farben aus dem Revell Aqua-System zusammenmischen?
Wenigstens die Bezeichnungen der sowjetischen Tarnfarben wäre angebracht, damit die Modellbauer sich die Farben in „ihrem“ System (Gunze, Vallejo, Ammo etc.) besorgen können.

Kurzer Hinweis: Das Grün heißt AMT-4, das Schwarz AMT-6 und das Hellblau AMT-7.

Die Nassschiebebilder sind sauber und im Register gedruckt:


Für die Instrumentenskalen und die Sitzgurte sind Decals vorgesehen; die Ziellinien für den Bombenwurf haben leider einen recht großen Trägerfilm – hier ist dann der großzügige Einsatz von Weichmachern auf Hochglanzunterlage angesagt!

Die kleinen Wartungshinweise sind absolut deutlich lesbar – Hut ab!

Fazit:
Meine Kritik zu Beginn dieser Besprechung (unpraktische Faltschachtel, nicht separat verpackte Klarsichtteile) sowie mein übliches Bemängeln der fehlenden Vorbildinfos soll kein Genörgel sein:
Aber heutzutage sitzt die asiatische Konkurrenz jedem europäischen Hersteller im Nacken und ich denke, man sollte, egal ob in Frankreich, Italien, Großbritannien oder eben auch Deutschland, versuchen, den mittlerweile sehr gehobenen Qualitätsstandards aus China und den damit einhergehenden Ansprüchen der Kundschaft gerecht zu werden. Eine verbesserte Verpackung und vor allem eine aufmerksamere Qualitätskontrolle wären da ein erster Schritt.

Abgesehen davon kann ich diesen Bausatz aus dem Formenfundus der nicht mehr existenten Firma Accurate Miniatures nur wärmstens empfehlen:
Tolle Oberflächendetails, eine hervorragende Passgenauigkeit und eine interessante Einsitzervariante machen diese Wiederauflage auch 20 Jahre nach der Originalauflage zu einem wahren Fest!

Erhältlich im online-shop von Modellbau König.

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen