Kit-Archäologie: Der Laird-Turner Meteor Racer von Lindberg in 1:48 (# 70562)

Unlängst, beim Sommerfest von Modellbau König, stolperte ich in einem der vielen, vielen Regale über einen Bausatz, der bei mir ein sofortiges „Déja-vu“ auslöste: Irgendwie kam mir der Kit bekannt vor und schon einige Schrecksekunden später wusste ich: DEN muss ich haben! Ob ich den Kauf bereue? Lest selbst …

Zum Vorbild:

Die Laird-Turner Meteor des bekannten „Air Racers“ Roscoe Turner wurde 1936 von Mr. Turner selbst konzipiert und hatte nur einen einzigen Daseinszweck: Geschwindigkeit! Roscoe Turner war überzeugt, dass vor allem ein leistungsstarker Motor der Schlüssel zum Erfolg sei und konstruierte eine für die Mitte der 1930er Jahre schon anachronistische Rennmaschine mit festem Fahrwerk und einem gewaltigen Sternmotor, der dem Flugzeug sein typisches Aussehen verlieh.
1937 wurde Turner mit diesem Kraftpaket dritter bei der Thompson Trophy und 1938, nun gesponsort von der Pump Engineering Service Corporation (PESCO), wurde er mit seiner Maschine Erster!
1939, nun gesponsort durch CHAMPION Spark Plugs,  siegte er erneut und als dreifacher Thompson Trophy Gewinner zog er sich aus dem Renngeschäft zurück.
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Ebenso alt wie das Vorbild ist auch der Kit:
In den 1950er Jahren legte PYRO einen 1:32er Bausatz der „Laird Turner Pesco Special“ auf, der seither in zahllosen Re-Editionen wieder und wieder das Licht unserer kleinen Plastikwelt erblickt – ein wahrer Untoter!

Der Bausatz selbst kommt, in einer Tüte verpackt, in einer dieser etwas instabilen, aber wenigstens aufklappbaren Boxen daher:

Perfekt geeignet zum Aufbewahren einzelner Teile sowie des Modells zur Lackierung!

Zunächst einmal die beiden Klarsichtteile:

Ordentlich transparent – man muss nur höllisch aufpassen, diese Teile vorsichtig aus der Tüte zu holen, um sie nicht beim notwendingen „handling“ doch noch zu zerkratzen!

Die Plastikteile machen einen äußerst rustikalen Eindruck:


Die Rumpfhälften sind innen wie aussen Kinder ihrer Zeit:

Soll heißen: Wir Modellbauer dürfen ausser den „basics“ echt nicht viel erwarten!

Im Cockpit wird´s dann extrem „vintage“ – so einfach waren damals Kits detailliert:

Insbesondere der Plastikklumpen, der einen Flugzeugführer darstellen soll, verdient kopfschüttelnd-schmunzelnde Beachtung!

Das Instrumentenbrett soll mit diesem Abziehbild „aufgehübscht“ werden:
Die weiteren Polystyrol-Schönheiten:


Man beachte voller Grausen die fiesen Auswerfermarken mitten auf den strukturierten Ruderteilen:

Viel Spaß beim Wegfeilen!

Auch das Fahrwerk verdient mindestens eine hochgezogene Augen-braue:

Der „Motor“ – ok: Die Zylinderzahl stimmt!

Die Nassschiebebilder:


Und die, ebenso wie die meisten Teile, rudimentäre Bauanleitung:

Fazit: Unter den Blinden ist der Einäugige König!
Da es schlicht keinen anderen 48er Bausatz der Laird-Turner gibt, bleibt uns nichts anderes übrig, als hier zuzugreifen.

Ich habe die Maschine mittlerweile gebaut und muss schon sagen: Wer viel Spachtelmasse, viel Geduld und viel Liebe für solche alten Schätzchen hat, der wird auf seine Kosten kommen!

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen