Kit-Archäologie: Mil Mi-1 und Mil Mi-4 im Maßstab 1:100 von VEB Plasticart

Während meiner „Streifzüge“ im Flohmarktbereich der Ausstellung der IPMS Nederland in Houten habe ich, neben einer ganzen Kiste voller Starfix-Bausätze aus Israel (davon demnächst mehr) auch einige Pretiosen aus Zschopau an Land ziehen können. Zwei davon, die Hubschrauber Mil Mi-1 und Mi-4, möchte ich an den Anfang meiner VEB Plasticart-Serie stellen …
Fangen wir mit der Mil Mi-1 an – ich schenke mir einleitende Worte zum Vorbild, möchte aber auf alle Fälle etwas zur Geschichte des Bausatzes schreiben:
Das, was wir „Alten“ und Sammmler noch unter VEB Plasticart kennen, begann 1958 als „KVZ“ (Kunstoff Verarbeitung Zschopau) in Zschopau, wurde 1969 in MPKAB (Modell- und Plastspielwaren Kombinat Annaberg-Buchholz) umfirmiert und ab 1973 unter dem heute noch üblichen Namen VEB Plasticart bis zum unrühmlichen Ende des „Ersten Deutschen Arbeiter- und Bauernstaates“ (vulgo: SED-Diktatur) geführt. Bis 1991 führte der Rest der ehemaligen „volkseigenen“ Produktionsstätte noch den Namen „Mastermodell“ und mittlerweile können die meisten Bausätze wieder unter dem Namen „Reifra“ erworben werden.
Der heutzutage etwas seltsm anmutende Maßstab 1:100 für die meisten Flugzeuge und Hubschrauber aus DDR-Produktion war zum Teil dem metrischen System geschuldet (so versuchte z.B. HELLER den Maßstab 1:50 zu etablieren und die westdeutsche FALLER-Flieger waren ebenfalls in 1:100 zu haben), zum TEil (zumindest will es die Legende so wissen) sollte damit der FROG-Airliner Maßstab 1:96 wenigstens annähernd getroffen werden!
Ich tendiere eher zur etwas nüchternen Erklärung durch den metrischen Maßstab!
Wie dem auch sei – nach dem ersten Produkt in 1:87, der Il-14 von 1958 und der Aero 45 in 1:40 (1959) war der Rest der Produktion in 1:100 gehalten (mit Ausnahme der An-2 in 1:75 und der An-14 dann 1988 endlich in 1:72). So auch unsere beiden Hubschrauber: Die Mil Mi-1 erschien 1967 und noch im gleichen Jahr folgte auch die Mil Mi-4.

Womit wir mehr oder weniger elegant die Kurve zu den Bausätzen genommen hätten!

Die in einem winzigen Karton verpackte Mi-1 kann mit einem äußerst nostalgischen Deckelbild aufwarten:Im Karton findet man neben den Spritzlingen, einem Kontrollzettel und der mehrsprachigen Bauanleitung auch noch eine Metalltube mit Kleber sowie einen Klumpen Plastilina:Die beiden Rumpfhälften unseres kleinen Hubschraubers:

Und der einzige Gussrahmen mit allen übrigen Bauteilen:Die „Sitzbank“ für die beiden Crewmitglieder …… sowie selbige:Werfen wir gnädig den Mantel des Schweigens darüber! Gemessen an diesen „Männchen“ waren sogar Airfix- und FROG-Piloten der damaligen zeit wahre Meisterwerke!
Der Rotorkopf …… für die drei arg heftig strukturierten Rotorblätter:Der Heckrotor dagegen ist schon fast „filigran“ zu nennen:Die beiden „Klarsicht“-Teile:Für mich immer der Höhepunkt beim Auspacken alter Bausätze aus Zschopau – die Bauanleitung und der Packzettel:

Die … „Montageanleitung“:

Das war´s dann – mehr gibt´s nicht …. außer der schriftlichen Anleitung in DEutsch, Russisch, Polnisch und Tschechisch:

Passend zur mehrsprachigen Anleitung gibt es „Abziehbilder“ für eine deutsche, russische, tschechische und polnische „Hare“:Noch im gleichen Jahr wie die Mil Mi-1 erblickte auch die Mil Mi-4 in Zschopau das Licht unserer kleinen Plastikwelt:Auch hier ein Blick in den Karton:Die beiden Rumpfhälften:

Wohin man schaut – erhabene Nietreihen:„Detaillierung“ im Zeitgeist:Der Gussrahmen mit den restlichen Plastikteilen:Auch hier verdienen die beiden Crewmitglieder unsere besondere Aufmerksamkeit:

Der Rotorkopf …… und die Rotorblätter:Hier sieht man noch einmal sehr schön die gewaltigen Blattstrukturen:Weil´s so schön war hier nochmal die beiden Figuren:
Die transparenten Teile:Sind alle Polystyrolteile aus der Schachtel, bleiben nur die Klebertube sowie der Klumpen Plastilina übrig:Bauanleitung und Packzettel wie schon bei der Mi-1:

Der Bogen mit den wahrscheinlich unbrauchbaren Nassschiebebildern – rechts so, wie er in der Packung lag:

Die gesamte rote Oberseite des Hubschraubers als Nassschiebebild – ich würde gerne wissen, wer das damals problemfrei auf das Modell aufbringen konnte!
Ich auf jeden Fall habe versagt!

Ich hoffe, dieser kleine nostalgische Ausflug in die Frühzeit des (ost-) deutschen „Plastmodellbaus“ hat bei einigen älteren Lesern Erinnerungen geweckt und den Jüngeren unter uns gezeigt, dass auch die „Alten“ durchaus etwas anderes zum Basteln hatten als nur Holzklötzchen!

Wenn man viel Glück hat, kann man diese und weitere Schätzchen des DDR-„Plastmodellbaus“ noch auf Ausstellungen ergattern!

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen