Kit-Archäologie – Nakajima A6M2-N „Rufe“ in 1:72 von Revell H-98

Einige Leser werden es vielleicht schon bemerkt haben:
Ich bin ein bekennender Bausatzsammler und „Oldiebastler“ – nicht nur, weil ich selbst schon eher zum „alten Eisen“ zähle, sondern auch, weil ich frevlerisch auch „alte Schätzchen“ nicht vor Plastikkleber und Farbe verschone!
So wird auch dieses alte Stück den Weg auf meinen Basteltisch finden …

Öffnet man den Deckel des Stülpkartons (ja: So etwas gab es auch von Revell!), kommen Teile zum Vorschein, die irgendwie „anders“ anmuten – anders bekannt!Bei näherem Hinsehen dann in den Ecken der Gussäste die verräterische Nummer „F.234“:FROG etwa?
In einer Revell-Schachtel?
Nun, die Lösung liegt nahe … mein Modellbaukollege Matthias Muth vom PMC Sachsen-Anhalt hat des Rätsels Lösung parat:

Als der britische Traditionshersteller FROG 1977 leider endgültig die Tore schließen musste, wickelte der Rechtsnachfolger, die Fa. NOVO Limited, den verbliebenen Formenfundus ab:
Insgesamt 19 Formen von Flugzeugen der Achsenmächte, deren Produktion man den sowjetischen Arbeitern und Bauern in der Plasteindustrie aus naheliegenden ideologischen Gründen nicht zumuten konnte, wurden an Revell USA verkauft. Die tatsächliche Produktion fand dann im englischen Potters Bar durch Revell GB statt.
Unter den dort produzierten Bausätzen findet man auch die Nakajima „Rufe“, die unter der FROG-Nummer „F 234“ im 1975er Katalog angekündigt wurde.

Nur wurde daraus aus bekannten Gründen nichts mehr und zwei Jahre später erblickte dann die Nakajima/Mitsubishi A6M2-N „Rufe“ unter der Revell-Katalognummer H-98 das Licht der Modellbauwelt – mit deutlichem Hinweis auf den Ursprung der Form!
Nach nur fünf Jahren verschwand der Kit 1982 wieder aus den Katalogen – damit jedoch war sein „Aus“ noch längst nicht besiegelt:
Congost, eine spanische Firma, die lange Zeit mit Revell kooperierte, übernahm um 1980 das Programm der Achsenmächte aus dem FROG Fundus.
Hierbei übernahm man teilweise auch die Artikelnummer. Bei verschiedenen Modellen hingegen gab es auch neue Markierungen.
Aus dem Fundus von Revell produzierte man auch die Focke-Wulf 190A und die Messerschmitt Bf 109F, welche ja bei Revell nie selbst aufgelegt wurden.
1983 endete allerdings die Zusammenarbeit zwischen Revell und Congost.
Demgegenüber hielt die transatlantische Kooperation mit der brasilianischen Firma Kikoler länger. Auch dort wurden ab 1979 die von FROG übernommenen Bausätze angeboten.
Wo die Form sich mittlerweile befindet, bzw. ob sie überhaupt noch existent ist, ist unklar.

Danke Matthias für diese doch sehr aufschlussreichen Informationen!

Und so kommen wir zurück zum Bausatz, dessen Innenleben arg rudimentär bis nicht vorhanden ist:

Dafür gibt es ein Einschussloch (aka Sinkstelle):Die Tragflächen, der klotzige Pilotensitz, ein darauf sich duckendes Plastikding (der Pilot? ein Alien?), eine arg simple Motordarstellung, ein einteiliger Propeller sowie weitere Kleinteile machen den restlichen Umfang der Schachtel aus:Bei den Tragflächen sind (1975!!) noch heftige erhabene Paneellinien das Maß aller Dinge:Der bereits angesprochene Motor samt Propeller – auch Mitte der 1970er Jahre schon nicht mehr zeitgemäß!

Beim Piloten hat mich die „K 1141“ ein wenig irritiert:Der Gussrahmen mit den transparenten Teilen:Die einteilige Haube scheint aus beschussicherem Panzerglas gefertigt:Der Bauplan erinnert irgendwie an FROG …

Der Bogen mit den wohl nicht mehr brauchbaren Decals …… und die Hinweise zur Bemalung und Positionierung:Ich hätte unseren Lesern gerne ein „unzensiertes“ Deckelbild gezeigt – allerdings war der Vorbesitzer der Meinung, den Hinweis auf „Revell“ und „Nakajima“ von der Schachtel entfernen zu müssen – warum auch immer:Erhältlich auf Modellbaubörsen oder bei einigen Modellbauhändlern …

Meinen ausdrücklichen Dank an Matthias Muth vom PMC Sachsen-Anhalt für die umfangreiche Recherche zum Bausatz!

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen