Lightning T.Mk.5 von SWORD in 1:48

Die English Electric (später BAE) Lightning ist ein Jet-Klassiker. Der tschechische Hersteller Sword bietet als Short-Run Bausatz im Maßstab 1:48 nun zwei Bausätze zum Bau der Doppelsitzer an. Hier liegt derjenige zum Bau der Version T. Mk. 5 vor. Beide Bausätze enthalten alle beiden spezifischen Seitenruder; grundsätzlich kann aus diesem Bausatz somit auch die T.Mk. 4 gebaut werden.

Das Original bestach durch die einzigartige Konstruktion mit übereinander liegenden Strahltriebwerken – damit war bei Ausfall eines Triebwerks kein asymmetrischer Effekt auf die Flugstabilität zu befürchten und es ergab sich die häufig genutzte Möglichkeit, mit dem Einsatz nur eines Nachbrenners spritsparend zu starten. Die sehr stark gepfeilten Tragflächen in Mitteldeckerauslegung führten dann zu einem einzigartigen Erscheinungsbild. Leistungsmäßig litt die Lightning besonders unter ihrer geringen Reichweite. Piloten von über dem Nordatlantik begleiteten russischen Langstrecken-flugzeugen sollen durch Handzeichen öfters darauf aufmerksam gemacht haben, dass es für ihre Beschatter Zeit würde, zum eigenen Platz zurückzufliegen. Als „Ausputzer“ hinter dem Fla-Rak-Gürtel der NATO in Westeuropa war die Lightning aufgrund ihrer Steigfähigkeit und Wendigkeit allerdings ein potenter Abfangjäger, wenngleich die Waffenzuladung mit nur zwei Raketen, denen bei einigen Versionen sogar noch die ergänzende Kanonenbewaffnung fehlte, knapp bemessen war.

Bei den 48-er Bausätzen gibt es seit 1997 die Einsitzer von Airfix, die bis heute als Wiederauflagen- auch von Eduard – zur Verfügung stehen und noch bis auf wenige Einschränkungen auf der Höhe der Zeit sind. Ein Doppelsitzer ist von Airfix trotz vielfacher Modellbauerwünsche nie erschienen. So musste für die Trainerversionen immer ein zum Teil sündhaft teurer Umbausatz mit einem zerschnittenen Airfix-Bausatz kombiniert werden. Da war dann schnell ein dreistelliges Euro-Loch im Budget des Modellbauers. So wird nun der Sword Bausatz – zu Preisen etwas über 40 € zu erhalten – zu einer echten Alternative.

Im stabilen und erstaunlich kleinen Karton finden sich, sauber in wiederverschließbaren Plastiktüten verpackt: Drei Gussäste in grauem Plastik mit sehr kleinen Passstiften. Die großen Rumpfteile erscheinen recht hart (ähnlich Hasegawa), die kleinen Teile sind weicher. Weiterhin sind die Klarsichtteile, einige wenige Resinteile, der Decalbogen und die Bauanleitung enthalten.

Die Spritzgussteile haben vertiefte Gravuren in guter – für Short-Run sehr guter – Qualität. Der erste Ast enthält die Rumpfteile, hier ist die Kontur der Rumpfverbreiterung im Bug mit den mehrfachen Wölbungen sehr schön ausgefallen. Weiterhin ein gut strukturiertes Instrumentenbrett, weitere Cockpitteile und die zweiteiligen Räder sowie den Lufteinlauf:


Am nächsten Ast sind die Teile für die Tragflächen und weitere Kleinteile. Letztere brauchen teilweise die Short-Run-typische Nacharbeit:


Schließlich finden sich noch die bereits angesprochenen beiden Seitenleitwerke – für die Mk. 5 wird das größere Eckige benötigt – , die Höhenleitwerke und separate Landeklappen – die hinteren Klappen sind fest angespritzt – sowie die beiden alternativen Raketentypen und die Luftbetankungssonde:


Die Raketen sind der einzig echte Schwachpunkt des Bausatzes. Sie sind sehr grob wiedergegeben, der Guss ist nicht sauber und die Suchköpfe der verschiedenen Typen sind vertauscht. Man kann sie weglassen, da sie bei den Trainern eher selten getragen wurden, oder aus einem Airfix-Bausatz ersetzen, aus dem eine Version übrigbleiben müsste. Die T. Mk 5 konnte beide Versionen tragen.

Die Radschächte sind detailliert und damit besser, als die von Airfix:


An einigen Stellen z. B. den Fahrwerkschachtabdeckungen finden sich prominente Auswerfermarken. Für die Montage müssen nicht alle entfernt werden. Da wo es erforderlich ist, lässt es sich aber schnell mit wenig Aufwand korrigieren:


Die Klarsichtteile für die Cockpithaube sind zweiteilig ausgeführt, mit deutlichen Rändern, so dass man sich Maskierungen zurechtschneiden kann. Die Durchsichtigkeit ist in Ordnung. Ein Tauchbad in Future, Fußbodenglänzer oder Alclad-Klarlack kann man diesen Teilen aber gönnen:


Die Resinschleudersitze sind beste tschechische Gießarbeit. Da braucht nichts dazu gekauft werden:


Ebenfalls aus Resin ist der Bereich der Triebwerkseinlässe, der getrennt lackiert werden und erst zum Schluss eingesetzt werden kann. Es handelt sich um die korrekte Darstellung mit Abstand und dem Keil zwischen den Triebwerken. Auch hier schaut der Aftermarket in doppelten Sinne in die Röhren, die sehr fein strukturiert sind:


Der große Decalsatz ist von Techmod hergestellt. Der Druck ist einwandfrei. Die Farben kräftig und ohne Versatz. Enthalten sind die Stencils für eine Maschine; dabei mit unterschiedlichen Markierungen für die Walkways:

Der Satz erlaubt die Darstellung von drei Originalen in Naturmetall, Grau und mit der Grün-Grauen Tarnung. Die Farbangaben sind nur allgemein gehalten, hier muss der Modellbauer noch etwas zu seinem Sortiment nachrecherchieren um die zutreffenden Farben zu finden. Die englischen Standardfarben sind ja bekannt:

Die Bauanleitung führt in 23 Schritten zum Ziel und ist zwar nicht „modern“ aber schlüssig und nachvollziehbar. Einfach, aber gut. Etwas Ballast im Bug nicht vergessen! Eine Frontalansicht verdeutlicht den Anstellwinkel der originalgetreu nach unten geknickten Tragflächen. Vorbildlich!

Eine Passprobe mit Klebefilmfixierung ergibt eine gute Passung der wesentlichen Teile – hier noch mal der Hinweis auf die Short-Run Herstellung des Bausatzes. Arbeit mit dem Hobbycutter, Schleifpapier und Spachtelmasse wird in geringem Umfang an den üblichen Stellen erforderlich. Die Gravuren der Rumpfhälften treffen sehr genau aufeinander. Die Klarsichtteile passen gut.

Wer möchte, kann sicherlich noch Zusatzteile für den Einsitzer wie z. Bsp. Räder oder für das Staurohr verwenden oder andere Markierungsalternativen wählen. Notwendig ist es nicht unbedingt.

Insgesamt kann ich ohne Einschränkungen eine Kaufempfehlung aussprechen. Man erhält zum vergleichsweisen günstigen Preis einen sehr ansprechenden Bausatz von einem sehenswerten Original, den nicht jeder hat.

Erhältlich ist der Bausatz im guten Fachhandel. Dieses Exemplar stammt von Barnys-Modellbaushop. http://stores.ebay.de/barnysmodellbaushop/

Literatur zur Lightning ist in englischer Sprache reichlich vorhanden. Insbesondere zum RAF Einsatz in Deutschland kann dieses Heft mit deutschem Text empfohlen werden:

Erhältlich bei:

https://www.shopofphantoms.com/rhino/Pulsar/de_DE.Shop.displayShop.245./adp-010—british-lightnings

Hermann Geers, Wietmarschen