M3A1 LEE CDL 1:35 Takom (#2115)

„Wie, noch ein Lee/Grant von Takom?“. Ja und Nein. Auch wenn das Vehikel auf der Basis eines M3A1 basiert erscheinen spätestens beim Scheinwerfer statt des Turmes die ersten Denkfalten auf der Stirn. Absolut verständlich, da der CDL so geheim war, dass selbst viele Offiziere der Alliierten nichts von dessen Existenz wussten. Takom lüftet nun das Geheimnis um das „Channel Defense Light“.

Das Original

1937 entwickelten die Briten die Idee eine Kohlebogenlampe auf einem Panzer zu montieren um so eine gepanzerte und außergewöhnlich starke Beleuchtung für Nachtkämpfe zu entwickeln. Obwohl recht zügig 3 Testkandidaten zur Verfügung standen wurden die ersten Tests erst 1940 durchgeführt. Die Kohlebogenlampe erzeugte eine Lichtstärke von ca. 12.8 Millionen Candela. Zum Vergleich – der Leuchtturm bei Campen bringt auf 4,5 Millionen Candela und der Leuchtturm auf Helgoland auf 35 Millionen Candela. Die Kohlebogenlampe war in einem speziellen Turm montiert, aus dem über eine senkrechte Öffnung von ca. 5.1 cm Breit und 61 Höhe das Licht ausgestrahlt wurde. Der Lichtstrahl fächerte um 19° Grad in er Horizontalen und 1,9-° in der Horizontalen. Auf 910 Meter gerechnet ergab sich so ein Lichtkegel von ca. 31×311 Meter. Der Turm konnte um 360° rotiert werden und um 10° gesenkt oder gehoben werden.

Um feindliche Truppen zu verwirren konnte der Lichtstrahl durch einen Verschluss 2x pro Sekunde unterbrochen werden. Des weiteren konnte der Lichtstrahl durch verschiedene Farbfilter gefärbt werden. So fand man z.B. heraus, dass  ein blauer Filter den Eindruck erweckt, als ob der CDL weiter entfernt steht. Die Briten verwendete vor allem Fahrgestelle des Mathilda II, wobei es auch Varianten auf Churchill Basis gegeben haben soll.

Nachdem das System 1942 US Offizieren vorgestellt wurde entschieden diese das System auf eigenen Fahrgestellen zu bauen. Da zu diesem Zeitpunkt der M3 Lee bereits durch den M4 Sherman ersetzt wurde gab es genug Fahrgestelle auf M3 Lee Basis die für andere Aufgaben zur Verfügung standen, also auch für den CDL. Hierbei wurden neben den genieteten Wannen des M3 auch gegossene Wannen des M3A1 verwendet. Diese CDL wurden dann auch an die Briten geliefert, wobei sich der Turm leicht unterschied, da die Briten eine Montagemöglichkeit für ein anderes MG wollten.

Um das CDL Projekt zu geheim wie möglich zu halten wurde die Produktion aufgeteilt. Die Anpassungen der M3/M3A1 Basisfahrzeuge wurde durch die American Locomotive Company durchgeführt unter dem Namen „Shop Tractor M10“ während die Türme unter dem Namen „Coast Defense Turrets“ von der Pressed Steel Car Company hergestellt wurden. Für die Kohlebogenlampe sorgte das Corps of Engineers und alle Komponenten wurden dann im Rock Island Arsenal zusammengeführt.

Leider wurde das Projekt so geheimgehalten, dass viele Offiziere schlichtweg nichts von dessen Existenz wussten. Ein bekannt gewordener Einsatz war beim Kampf um die Ludendorff Brücke bei Remagen (Brücke von Remagen), als die CDL deutsche Kampfschwimmer beleuchteten, die die Brücke sprengen wollten. Weitere Einsätze waren z.B. bei der Überquerung des Rheins bei Rees durch britische Truppen, oder auch bei der Überquerung der Elbe durch britische und US Truppen.

 

Der Bausatz

Der Bausatz basiert, wie zu erwarten, auf den bereits erschienen Bausätzen der M3 Reihe von Takom. Neu sind spezifische Turm und die Gusswanne des M3A1, die aber in naher Zukunft auch noch für einen „normalen“ M3A1 verwendet werden wird. Im Bausatz enthalten sind:

  • 10 Gussäste aus grauem Polystyrol
  • Oberwanne aus grauem Polystyrol
  • Unterwanne aus grauem Polystyrol
  • Gussast aus klarem Polystyrol
  • PE Platine
  • Decalbogen
  • Bauanleitung

Unterwanne und Oberwanne

Wie bei Panzern oft üblich liegen die Unterwanne und die Oberwanne als einzelne Bauteile bei.

Im Prinzip ist die Gussstruktur schön dargestellt, sie könnte jedoch etwas ausgeprägter sein.

Gussast A

Die Laufwerksteile an dem doppelt vorliegenden Gussast „A“ haben sich zu den bereits erschienen Varianten des M3 Lee/Grant Varianten nicht verändert, was definitiv keinen Nachteil darstellt.

Wie zu erwarten zeigen sich die Teile fein detailliert und knackscharf in den Details. Die am Gussastrahmen aufgebrachten zusätzlichen Bolzenköpfe finden auch hier Verwendung bei den Bogies.

Gussast B

Der Gussast „B“ liegt doppelt bei und beinhaltet einige Teile für die Bogies.

Auch hier zeigen sich sowohl Guss als auch Detaillierung von der Besten Seite.

 

Gussast D

Wohl oder übel hat Takom ein System eingeführt um unnötige Bauteile an Gussästen je nach Auflage nicht wirklich spritzen zu lassen. Besonders deutlich wird dies bei Gussast „D“. Einerseits mag das Verwirrung beim Bau durch Verwechslung ähnliche Bauteile vermindern, andererseits geht die Restekiste bei solchen Bausätzen leider leer aus – Schade!


Wunderschön ausgeprägt zeigen sich das Seil und die Gussstruktur an den Seitenteilen der Getriebeabdeckung.

Gussast E

Auch dieser Gussast zeigt sich relativ leer. Natürlich ist die Montagehilfe für die Segmentketten auch bei diesem Bausatz wieder mit von der Partie.

Beachten Sie den äußerst filigran dargestellten Antennensockel und die feine Gussstruktur an der Luke daneben – Traumhaft !

Gussast L

Wie üblich finden wir die bereits bekannten Segmentketten an Gussast „L“.

Die kleinen Auswerfermarker auf der Innenseite der Kette sind schnell verschliffen bzw. fallen diese nach der Montage nicht mehr wirklich auf.

Gussast U

Richtig „CDL-spezifisch“ wird es am Gussast „U“ an dem wir die meisten Teile zur Darstellung des Turms finden.

Takom hält hier den Qualitätsstandard der bisher erschienen Varianten voll und ganz.

Gussast V

Weiter geht es mit spezifischen Teilen am Gussast „V“, wo wir unter anderem auch die Blende des Turms finden mit dem Öffnung für den Lichtstrahl und die Öffnung für das M1919 .30 Cal MG (Die Briten verwendeten dagegen das BESA MG).


Der Lauf des M1919 ist schön filigran detailliert, was auch für die diversen Schutzbügel und Kleinteile gilt.

Gussast X

Abschliessend finden wir am Gussast „X“ diverse Teile zur Detaillierung der Oberwanne, wie z.b. Motordeck, Getriebekasten, eine Kettenabdeckung und diverse Kleinteile.


Auch hier zeigt Takom wieder das volle Programm mit wunderschöner Gussstruktur an Luken, schönem Faltenwurf an der Abdeckung des MG-Tripod, und einem fein wunderbar filigranen Antennensockel.

Gussast B2 / Klarsichtteile

Naturgemäß gibt es nur natürlich nur wenige Klarsichtteile. Trotzdem liegt alles bei was man so braucht inkl. einer Abdeckung für den Leuchtschlitz des Turms.

PE Platine

Die kleine aber feine PE Platine der M3 Familie liegt ebenfalls wieder bei uns rundet das Gesamtpaket wunderbar ab.

Decals

Der Decalbogen zeigt sich recht übersichtlich, was einfach daran liegt, dass relativ wenig Photos von Originalfahrzeugen existieren – Stichwort Geheimhaltung. Die vorhandenen Decals sind aber fehlerfrei gedruckt und sind gut zu lesen.

Bauanleitung

Auch diese Bauanleitung liegt wieder im zu klein geratenen Format bei – Schade. Hat man aber erst mal die Linse mit der stärksten Vergrößerung auf die Lupe gepackt ist die Anleitung aber absolut nachvollziehbar und leicht verständlich.

Bei den Markierungsvarianten hat Takom es immerhin auf 4 Versionen geschafft. Für ein Fahrzeug, dass so geheim gehalten wurde durchaus eine Leistung. Im Allgemeinen sollte man aber an dieser Stelle mal erwähnen, dass sich Takom in der Regel bei der Anzahl von Markierungsvarianten wahrlich nicht lumpen läßt.

Die Farbangaben beziehen sich wieder exklusiv auf das Programm von Ammo by Mig. Auch wenn die Farben in der Anleitung teilweise anders wirken sollen alle Markierungsvarianten mit 926 „Olive Drab Base“ lackiert werden.

  • D11, 73th Tank Battalion, „Project Cossack“, Camp Bouse, Arizona 1943
  • C 35, 738th Tank Battalion, ETO, 1945
  • B-23, 740th Tank Battalion, Rosebush Camp, South West Wales, March 1944
  • A-14, 739th Tank Battalion, ETO, 1945

Fazit:

Einfach mal wieder eine runde Sache von Takom! Da bereits einige Fahrzeuge der Familie gebaut wurden kann man davon ausgehen, dass der Bau auch hier recht entspannend verlaufen wird. Etwaigen Schwierigkeiten beim Zusammensetzen der genieteten Oberwanne wie bei normalen M3 entfallen wegen der gegossenen, einteiligen Oberwanne. Lediglich bei der Montage der Kette sollte man die einzelnen Glieder um die Antriebsrolle und Umlenkrolle nicht zu nah zu einander verkleben, da ansonsten ein Spalt bleiben könnte.

Wer gerne etwas exotisches Bauen möchte ohne viel Stress und 1000 Bauteile wird beim CDL von Takom definitiv auf seine Kosten kommen. Profis werden es sich natürlich nicht nehmen lassen und den Turm mit starken Leuchtmitteln ausstatten – Wir sind gespannt was sich die Modellbaugemeinde da alles einfallen lassen wird um die 12.8 Candela Millionen in 1:35 rüber zu bringen !

Absolut zu empfehlen !

Erhältlich im Online Shop von Modellbau König