Sowjetisches Raketensystem SS-26 „Stone“ Iskander-M von Zvezda 5028

Im letzten Jahr brachte der russische Hersteller ZVEZDA einen Bausatz des Kurzstreckenraketenkomplexes „Iskandr“ im beliebten Maßstab 1:72 auf den Markt und ich war gespannt, wie sich dieser Kit gegen den „Iskandr“ von Modelcollect aus China schlagen würde …

Bevor ich etwas näher auf den Bausatz eingehe, einige Zeilen zum Vorbild:

Der Kurzstreckenraketenkomplex „Iskandr“ (NATO-Code: SS-26 Stone) ist eine ballistische Boden-Boden Rakete samt Transport-/Startfahrzeug, der als Nachfolger der SCUD-Systeme Anfang der 1980er Jahre entwickelt wurde. Als 1987 der Produktionsauftrag erteilt wurde, konnte niemand ahnen, dass zwei Jahre später der Zusammenbruch des ehemaligen „Ostblocks“ beginnen würde. Die Arbeiten wurden unterbrochen und erst Mitte der 1990er Jahre wieder aufgenommen.

Auf der Grundlage des Träger- und Startfahrzeuges MZKT-7930 entstanden insgesamt 132 Raketenkomplexe (mit je zwei Raketen 9M723) für die russischen und 2 Startfahrzeuge für die armenischen Streitkräfte.

Erst 2005 begann der Zulauf der „Iskandr“-Systeme zur russischen Armee.

Diese setzte mindestens drei „Iskandr“ während der Auseinandersetzungen mit Georgien 2008 ein;
Als Antwort auf den NATO-„Raketenschild“ und die Stationierung von PATRIOT-Abwehrraketen in Ostmitteleuropa drohte Russland mehrfach mit der Stationierung von „Iskandr“-Systemen im Oblast´ Kaliningrad (Königsberg): Die 9M723-Raketen könnten litauische und polnische Patriotstellungen erreichen und ausschalten. Seit Ende 2014 wurden mehrere „Iskandr“-Komplexe in Kaliningrad stationiert, woraufhin die NATO wiederum PATRIOT-Raketen um Warschau stationierte!
Im aktuellen Syrien-Konflikt wurde zwei „Iskandr“-Komplexe gesichtet.

Da der „Iskandr“-Komplex auf geländegängigen Trägerfahrzeugen basiert, ist ein sehr schneller Ortswechsel ebenso möglich wie die schnelle Schussbereitschaft innerhalb von 15 Minuten. Dann können beide Raketen mit einer Salvenfolge von 40 Sekunden verschossen werden. Durch das parallel agierende Transport- und Ladefahrzeug 9T250 auf MZKT-7930 mit zwei Nachladeraketen ist eine weitere Salvenfolgeinnerhalb kurzer Zeit möglich.

Bei einer Geschwindigkeit von 2570 Metern/Sekunde und einer Reichweite von mindstens 400 Kilometern ist die 9M723 eine ernst zunehmende Bedrohung – zumal, wenn man weiß, dass ihre satellitennavigierende Steuerung eine Trefferpräzission von 7 bis 10 Metern ermöglicht!

Der Zvezda-Bausatz überzeugt nicht nur durch seinen Inhalt – auch die Verpackung verdient Erwähnung. So findet man z.Bsp. auf der Rückseite Bilder des fertigen Modells, zwei Photos des unlackierten Bausatzes, einige Vorbildinfos sowie Teileanzahl und Größe des gebauten Kits:


In der Schachtel finden sich 5 olivgrüne Spritzlinge, ein transparenter Gussrahmen, zwei Vinylrahmen mit den Reifen, ein kleines Stück Gewebe sowie bauanleitung und Abziehbilder:


Dieser Spritzling ist zwei Mal vorhanden:

Der Spritzling mit den transparenten Teilen:

 Die beiden Rahmen mit den vinylartigen Reifen:

Wie man sehen kann, weisen sie ein wunderbares Profil auf und das, ohne eine störende Gußnaht – nur die jeweils drei kleinen Angüsse müssen entfernt werden:

Die Bauanleitung führt in einfach zu folgenden Schritten zum fertigen Modell:
 Der kleine Bogen mit den wenigen Markierungen …

… ermöglicht die Darstellung eines Raketenkomplexes:

Farbangaben nach Zvezda und Humbrol.

Ein Fazit zu ziehen fällt angesichts der gebotenen Qualität aus Russland leicht: Wenn man eine „Iskandr“ sein Eigen nennen möchte, dann sollte man unbedingt ZVEZDA in Betracht ziehen: Die Details sind wesentlich schärfer produziert und der Zusammenbau wird garantiert einfach und schnell von der Hand gehen.

Erhältlich im online-shop von Modellbau König.

Max Pfitzner, Lingen