Spitfire Mk.IIa im Maßstab 1:72 von Revell ( # 03953 )

Nach der „großen“ Spitfire Mk. II legt Revell nun noch einmal nach und bringt die kleine Schwester im „Königsmaßstab“ 1:72 heraus.
Ich hatte die Möglichkeit, den Testshot bereits vorzustellen und auch zu bauen und möchte nun das „Verkaufsmodell“ noch einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen …

Wie man sich denken kann, hat sich seit der Vorstellung der finalen Probespritzung nicht mehr viel am Bausatz geändert. Dennoch will ich an dieser Stelle die Spritzlinge noch einmal zeigen.

Doch zuvor ein Blick auf die Schachtelrückseite mit den Bildern des fertig gebauten Modells, einem kleinen Blick auf die Gussrahmen und dem Hinweis zu den benötigten Farben:

Dass der Bausatz als Level 3 „für den unkomplizierten Spaß am Modellbau“ deklariert ist, vermag ich zu unterstützen: Das Modell lässt sich wirklich „einfach kleben und bemalen“!

Doch nun endlich die einzelnen Spritzlinge:


Der Rumpf ist außen schön zurückhaltend graviert – wären da nicht diese doch recht prominenten Dzus-Fastener am Bug:

Im Original waren diese Paneelbefestigungsschrauben (uff!) „flush-fitting“, also versenkt!
Allerdings kann man diese mit ein wenig vorsichtigem Schleifpapier- einsatz schnell loswerden und dann mit einem geeigneten Rundeisen die Dzus-fastener andeuten.
Hier hätte schon eine simple Internetrecherche Hinweise geben können, dass es eben KEINE erhabenen Nietköpfe sind!

Im Inneren herrscht eine respektable Geschäftigkeit vor – und das in 1:72!
Respekt Revell!

Im Cockpit selbst finden wir eigentlich alles, was in 1:72 nötig ist und Sinn macht:

Gussrahmen C mit Tragfläche, Tragflächenrandbögen und dem Propeller samt Spinner:


Die einteilige untere Tragfläche erleichtert die korrekte Montage ungemein:

Die beiden korrespondierenden oberen Hälften sind gut graviert und, was mir persönlich besonders gefällt …


… dadurch, dass die Querruder und Landeklappen an der Innenseite der Oberhälften angegossen sind, entstehen recht scharfe Hinterkanten:

Nochmal: Respekt Revell!

À propos „Querruder“: Es handelt sich hier um die metallbeplankten Versionen – die frühen Maschinen mit bespannten Querrudern sind NICHT möglich.
Wer also seine Mk. IIa durch das Entfernen des Coffmann-Starters zu einer Mk. I umstricken möchte, sollte schauen, dass er als Vorbild eine mit metallbeplankten Querrudern baut!

Leider (zumindest nach meinem Dafürhalten!) sind die beiden Tragflächenenden als separate Bauteile ausgeführt:

Ein, wie ich meine, überdeutlicher Hinweis auf eine Mark V aus neuer Form, die die Mk. V aus den 1990er Jahren ablösen könnte!
„Leider“ deshalb, weil ich IMMER Probleme habe, diese separaten Bauteile vernünftig zu verkleben!

Spritzling „D“ beherbergt die Höhenruder, das Seitenruder, Fahrwerkbeine sowie die Abgassammler und diverse Kühlerteile:


Die Details vermögen für einen Level 3-Bausatz für einfache Montage zu überzeugen:

Detailverliebte Modellbauer werden jedoch jede Menge Ansatzpunkte zum Verbessern der Plastikteile finden:

Die Höhenruder (einteilig ausgeführt) und das Seitenruder sind für mein Empfinden etwas zu prominent strukturiert:

Was mich, ehrlich geschrieben, ein wenig überrascht hat, ist die Tatsache, dass der transparente Spritzling völlig ohne separate Umverpackung im Inneren der Tüte herumliegt – so bleibt er garantiert nicht lange transparent!

Und angesichts der Tatsache, dass unsere chinesischen Freunde ihre Klarsichtteile nicht nur in einer separaten Tüte verpacken, sondern ihnen sogar noch eine gesonderte Umverpackung aus aufgeschäumten Plastik genehmigen, lässt mich schon die kritische Frage stellen:
Warum macht man das in Bünde nicht nach?

Unabhängig von meinem kleinlichen Gemeckere sind die Klarsicht- teile ganz ordentlich transparent, aber auch ein wenig dick:

Die beiden Windschutzscheiben (interne oder externe Panzerung) bergen Probleme:
Die externe Panzerung (links) muss man am Kontaktpunkt zum Rumpf fast gänzlich entfernen, sonst passt sie einfach nicht auf den Rumpf (siehe das Bild der Bauanleitung unten!).

Wie immer bei den neuen Bauanleitungen von Revell fehlt eines – eine vernünftige Geschichte des Vorbildes:

Dafür werden wir aber mit einer wirklich exzellenten Bauanleitung entschädigt:

Die Nassschiebebilder („Printed in Italy“, was aber wohl nicht zwangsläufig mit „Cartograf“ gleichzusetzen ist) sind wirklich klasse geworden und lassen sich hervorragend verarbeiten:

Man beachte das Instrumentenbrett sowie die beiden Gurtimitationen – bei geschlossener Haube mehr als ausreichend!

Markierbar (Level 3 !!) ist eine einzige Maschine:

Blöd nur, dass auch hier wieder nur die Farben aus dem Revellprogramm angegeben werden, ohne wenigstens auf die Originalnamen („Sky“, „Dark Earth“, „Dark Green“ etc.) einzugehen:

Bei den Luftwaffenbausätzen geht es doch auch (siehe Ju 88A-4) – warum nicht bei der RAF?

Auch wenn ich mich wieder als scharfer Kritiker eines Produktes aus Bünde erweise – es geschieht alleine in der Hoffnung, dass die Kritik zum Anlass genommen werde, das Eine oder Andere zu überdenken.

Stellt sich nun noch die alles entscheidende Frage für die Detailfreaks unter uns: Wie schlägt sich Revells 72er Spitfire bezüglich der Maßhaltigkeit zum Original?

Das Orginal kann mit einer Länge von 9,12 Metern (= 126,7 mm in 1:72) und einer Spannweite von 11,23 Metern (= 155,97 mm in 1:72) aufwarten:
Mein zusammengebauter Testshot bringt es auf eine Gesamtlänge von 126 mm und eine Spannweite von 156 mm.
„Spot on“!
Perfekt Revell!

Erhältlich im online-shop von Modellbau König.

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen