Spitfire Mk. Vb im Maßstab 1:72 von Revell 03897

Nach der Spitfire Mk. II in 1:72 legte Revell im Laufe des Jahres die Mk. Vb nach…


Der erste Eindruck entscheidet über „Kaufen“ oder „nicht Kaufen“ – und die Schachtelrückseite sagt: „Kaufen“:Man sieht ein gebautes und lackiertes Modell (Ansporn!), einige Ausschnitte der Bauteile (Information!) und erhält weitere Hinweise zu den benötigten Werkzeugen und Farben sowie zum Schwierigkeitsgrad (sehr kundenfreundlich!).
Aber dann wieder … die ungeliebte Faltschachtel, bei der man sich jedes Mal fragt: „Wohin mit den gebauten Komponenten?“. Die Antwort: Man nimmt einen Stülpkarton der Konkurrenz!
Es kann doch nicht so schwer sein, auf die Wünsche der Modellbauer einzugehen! Und es kann doch nicht das Wohl und Wehe der Firma Revell an einigen Cent für eine ansprechende und praktische Verpackung hängen!Unabhängig von meinem diesbzüglichen Gemeckere – der Inhalt entscheidet und der ist, ganz dem Level 3 entsprechend, solide Hausmannskost:

Der vorbildgerechte Rotol-Propeller und die beiden eigentlich nicht benötigten Abwurftanks:Bei der Tragflächenunterseite finden wir leider falsche Hülsenauswurföffnungen und Paneele:Interessant die an diesem Gussrahmen mit angebrachten „clipped wing“-Tragflächenrundbögen! Ein Hinweis auf die HF-Variante?
Am nächsten Spritzling finden wir neben gut gemachten Teilen auch einen Fehler: Der Ölkühler (Teil 75 oben Mitte) ist der einer Mk. I und für eine Mk. V nicht zu gebrauchen!
Recherche? Wird in Bünde eigentlich groß geschrieben – aber manchmal scheint doch das Eine oder Andere „durchzurutschen“! Oder man hat es sich etwas einfacher machen wollen und schlicht der Spritzling „D“ der Mk. II wiederverwendet, ohne auf den geänderten Kühler einzugehen. Andererseits, um die Kirche im Dorf zu lassen, auch wieder kein Drama! Die Form des Ölkühlers ist relativ leicht zu ändern und notfalls bieten Aires, Quickboost und Co. Ersatz an!
Im Inneren der beiden Rumpfhälften überzeugen die bereits „ab Werk“ vorhandenen Details – da braucht man eigentlich kaum was zu ergänzen:Für die „Innereien“ wie das Instrumentenbrett oder die Sitzgurte hat Revell einfache Nassschieber vorgesehen – das ist bei geschlossener Haube und im Hinblick auf die Zielgruppe des Level-3 „Gelegenheitsbastlers“ auch ausreichend.

„Richtige“ Modellbauer werden sich jedoch nach Ersatz zum Beipiel bei EDUARD umschauen!
Die beiden Bleche am Rumpfbug weisen recht markante Nietreihen auf – hier sollten jedoch eigentlich versenkte Niete sein:Abschleifen – neu machen!
Die variantenspezifischen Tragflächenhälften:Die Kanonen sind jetzt nicht wirklich sooo der „Knaller“ (kleines Wortspiel) und sollten durch gedrehte Rohre von MASTER ersetzt werden.
Die beiden Reifenvarianten – links „5 spoke“, rechts „4 spoke“:Die Kanzel liegt mit zwei unterschiedlichen Windschutzscheiben vor:Bei der gepanzerten Variante (2. von links) muss man schon ordentlich Fummeln und Feilen, bevor die wirklich passt! Das hätte ich mir bei einem relativ neuen Bausatz schon erheblich besser gewünscht!
Die Bauanleitung glänzt mal wieder durch das völlige Fehlen jeglicher Vorbildinformationen – dafür gibt´s ein hübsches Bild eines gebauten Modells:Die Montageanleitung selbst – einfach nachzuvollziehen, eindeutig bei der Teilezuordnung und mit detaillierten Farbangaben – passt!

Der Decalbogen erlaubt leider nur ein einziges Markierungsschema – man möchte bei Revell den Level-3 „Gelegenheitsbastler“ offensichtlich nicht „überfordern“:Die Bemalungs- und Markierungsanleitung ist gerade noch übersichtlich und angesichts der vielen Wartungshinweise wage ich die Prognose: DAMIT ist ein Level-3 „Gelegenheitsbastler“ hoffnungslos überfordert!

Fazit: Am Ende des (Bastel-) Tages kann man aus diesem Kit ein schönes Modell zaubern und wer etwas ambitionierter zu Werk geht und einige Zurüstsets kauft, der wird mit einem sehr schönen Ergebnis belohnt.
Angesichts des aufgerufenen Preises kann ich diese Spitfire nur wärmstens empfehlen.

Erhältlich im online-shop von Modellbau König.

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen