Type 89 Japanese Medium Tank (IBG 72037 )

In Nürnberg war er schon zu bewundern und nun habe ich die Gelegenheit, den neuesten Sproß der Type 89 Panzerfamilie des Her- stellers IBG Models vorstellen zu können.
Und ich kann jetzt schon schreiben – ich bin mehr als begeistert …

Geschichte

Bei einem (zumindest in Europa) so wenig bekannten Panzer wie dem Typ 89 I-Go erscheint es durchaus geboten, einige Worte zur Einsatz- und Entwicklungsgeschichte des Fahrzeuges zu verlieren. Wir wollen unsere Leser ja nicht auf Wikipedia-Artikel verweisen, sondern aus tatsächlicher Literatur heraus unsereErkenntnisse beziehen!
Wie in vielen Nationen bildeten auch in Japan Fahrzeuges aus Frankreich und England den Kern der Panzertruppen. Als mittlere Kampfwagen kamen hauptsächlich Mk. A Whippet zum Einsatz, deren Entwicklungspotential jedoch schon längst erreicht war und so suchte der japanische Generalstab nach einem Ersatz und fand ihn (wie ebenfalls viele Armeen) im britischen Vickers Mk. C, der 1927 angeschafft wurde. Schon 1929 entwickelten die kaiserlichen Ingenieure daraus den Kampfwagen Typ 89 (nach dem japanischen Kalender das Jahr 2589):
„Teilweise wurden hierzu angekaufte Vickersfahrzeuge umgebaut, teils wurde der Wagen vollständig neu hergestellt.“ (Heigl´s  Taschenbuch der Tanks, München 1935, Bd. II, S. 417)
Der Typ 89 I-Go war mit einigen Modifikationen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bei der kaiserlich-japanischen Armee und der Marine im Einsatz.
Da die staatlichen Arsenale nicht dazu in der Lage waren, genügend Typ 89 zu produzieren, übernahm Mitsubishi einen Großteil der Herstellung.
Vom Typ 89 gab es mehrere Varianten:
Typ 89A mit Benzinmotor, der jedoch 1934 in den Typ 89B Otsu mit einem Dieselmotor geändert wurde.
Weitere Verbesserungen, wie etwa eine Kommandantetnkuppel auf dem Turm, flossen im Laufe der Kampfhandlungen in Ostasien in die Produktion des Typ 89 ein.
1932 kam es zum ersten Kampfeinsatz des Typ 89 während der Ersten Schlacht um Shanghai, bei der insgesamt fünf Typ 89 zum Einsatz kamen. Weitere Kampferfahrungen konnten im Verlaufe des Chinesisch-Japanischen Krieges gewonnen werden.
Im Japanisch-Sowjetischen Grenzkonflikt 1939 versagten die Typ 89 jedoch vollständig, als sie ihren sowjetischen Gegnern (BT und T-26) mit einer 45mm Panzerkanone gegenüberstanden: Die Panzerung der Typ 89 war schlicht zu dünn!

All diese Erfahrungen flossen natürlich in die weitere japanische Panzerentwicklung ein.

Und obwohl der Typ 89 spätestens seit dem Japanisch-Sowjetischen Grenzkonflikt als hoffnungslos veraltet gelten musste, setzte ihn die kaiserlich-japanische Armeeführungauch noch im Zweiten Weltkrieg ein.

Der Typ 89 hatte einen 118 PS-starken Benzin-, bzw. einen 120 PS-starken Dieselmotor; seine Höchstgeschwindigkeit betrug gerade einmal 26 km/h! Für Infanterieunterstützung allerdings mehr als ausreichend.
Mit einer Panzerung von maximal 17mm war der Typ hoffnungslos unterpanzert!
Die Besatzung setzte sich aus einem Kommandanten (der zugleich das Geschütz richten musste), einem Ladeschützem, einem Fahrer sowie einem Bug-MG-Schützen zusammen.
Ursprünglich saß der Fahrer des Typ 89 „europäisch“ vorne links, erst mit dem Typ 89B Otsu wechselten Fahrer und MG-Schütze die Plätze, sodass der Panzer nun klassisch britisch zum Rechtslenker avancierte!
Die Hauptbewaffnung bestand ursprünglich aus einer 57mm Typ 90 KWK und wurde beim Typ 89 B Otsu in eine 57mm Kanone Typ 97 geändert, die eine höhere Durchschlagskraft besass als das ursprüngliche Geschütz.

Bausatz

Der von IBG neu herausgebrachte „gasoline early“ stellt einen frühen Typ 89 mit links sitzendem Fahrer und der „gebrochenen“ Fahrzeugfront (schräge Bugpanzerung, gerade Blende für Fahrer- und MG-Schütze) dar. Ein Typ 89 A also!
Weitere Typen werden im Laufe des Jahres noch folgen und man kann IBG nur applaudieren, sich diesen doch eher seltenen Typ herausgesucht zu haben!

An insgesamt 6 Spritzgussrahmen finden sich sämtliche varianten-spezifischen Teile zum Bau dieses Panzers:


Zweimal vorhanden: Der Spritzling mit den Laufwerksteilen:


Die Detaillierung der einzelnen Laufrollen, der Antriebs- und Leiträder ist wirklich einwandfrei:

Am nächsten Gussrahmen befinden sich neben den Panzerschürzen auch noch weitere Kettensegmente:


Diese sind an den Aussen- wie an den Innenseiten sehr gut und für den Maßstab 1:72 mehr als ausreichend strukturiert;
die schon ab Werk vorhandene Krümmung der Antriebsradsegmente verdient besondere beachtung:

Die Stirnpanzerung verdient ebenso Beachtung wie die hervorragend detaillierten und immens filigranen Teile:


Der Spritzgussrahmen für den Turm:


Dadurch, dass man diese Baugruppe an einem einzelnen separaten Gussrahmen angebracht hat, ergibt sich natürlich auch eine einfache Möglichkeit, durch Austausch des Spritzlings weitere Turmvarianten zu realisieren.

Die Hauptbewaffnung hat dank slide-mold-Technologie eine bereits vorhandene Mündungsöffnung:

Das MG allerdings müsste man u. U. noch aufbohren!

Der Gussrahmen mit dem Panzeraufbau:


Der einteilige Panzerkasten vermag auf ganzer Länge zu überzeugen und das Einzige, was ich ändern werde, sind die angegossenen Lukengriffe:

Der Wannenbug hat eine Aussparung in der Mitte – hier kommt dann ein Plastikteil mit entweder einem Heeres- oder dem Marineemblem hinein:

Man beachte die ungemein gut gemachten Scharniere!

Auch die beiden Seitenschürzen sind sehr gut gegossen:


Zum eigentlich Panzer gesellen sich noch zwei Figuren:


Ein aufgesessener Panzerkommandant und ein abgesessener Offizier:

Eine kleine Platine mit Photoätzteilen vervollständigt den Packungs-inhalt:

Hauptsächlich zwei seitliche Schienen des Laufwerks, ein Kreuz für den Hecksporn sowie ein alternatives Gitter für den Auspuff – mehr braucht man nicht …

Die Bauanleitung verfügt auf der Titelseite über eine Aufstellung der für die Lackierung zu verwendenden Farben …

Dankenswerterweise neben Hataka (einem polnischen Hersteller) auch gängigere Marken wie Tamiya, Vallejo etc.
Die eigentliche Montageanleitung in ihrem Erscheinungsbild als „Computergrafik“ ist für uns ältere Modellbauer durchaus ein wenig  gewöhnungsbedürftig, aber solange die eigentliche Montage so ein- deutig und detailliert erklärt wird, soll es schon recht sein:

Die auf einem kleinen Bogen versammelten Nassschiebebilder …

… erlauben die Markierung zweier Typ 89, wobei mir der graue Marinepanzer aus der Shanghai-Landungsoperation am ehesten zusagt:

Und da sie bei Techmod gedruckt wurden, ist die Druck- und Verarbeitungsqualität garantiert!

Fazit

Ein abschließendes Urteil fällt leicht:

A) ein absolut exotisches Vorbild
B) eine überdurchschnittliche gute Umsetzung als Bausatz
C) eine hervorragende Gussqualität

lassen eigentlich nur ein Fazit zu:
Absolut empfehlenswert!
Für Modellbauer mit Interesse an der kaiserlich-japanischen Panzer- waffe wurde durch IBG wieder eine Lücke geschlossen!

Hier noch ein Video zum Typ 89….

Erhältlich im online-shop von Modellbau König.

Dr. Michael Brodhaecker, Lingen