1964 Pontiac GTO in 1:24 von Revell-USA # 15574

Dieses Mal beglücke ich die werte Leserschaft erneut mit einem Bausatz eines Fahrzeugs aus dem Hause Pontiac. Diesmal der 1964 Pontiac GTO in 1/24 von Revell …
Auf Kitreviewsonline habe ich bereits andere Familienmitglieder der Pontiac GTO-Familie vorgestellt. Wir erinnern uns vielleicht noch an den 1969er GTO „The Judge“ und mit viel Glück auch an den 1972er GTO. Diesmal aber gehen wir 5 Jahre weiter zurück in die Vergangenheit und kommen im Jahr 1964 raus. Wir stehen damit am Produktionsstart der GTO-Serie. Und was dieser unscheinbare Wagen ausgelöst hat, wissen vielleicht viele Leser überhaupt nicht. Also tauchen wir ein, in die Geschichte des Pontiac GTO aus dem Jahre 1964.

Das Original des Pontiac GTO an sich basiert auf Basis des Modells „Tempest“. Er war erhältlich als Coupe, Hardtop (die beide Varianten macht der Bausatz möglich) und als Cabriolet. Erhältlich war der GTO ausschließlich mit einem 6.4 Liter V8, der gut für Minimum von 325 PS war. Packte der Käufer damals noch den tripple two-barrel carburator („Tri-Power“ genannt, ein dreifacher Doppelvergaser) oben drauf, konnte die Leistung noch um weitere 23 PS gesteigert werden. Offiziell.

Und genau hier schlug die Bombe ein! Warum? Der GTO wog knapp 1600 kg, er war mit rund 350 PS ausgestattet, was für einen damaligen Preis von rund 4500 US-Doller – heute ca. 45.000 US-Dollar – zu haben war. Der Aufpreis zum Pontiac Tempest (ausgestattet mit 3.5 Liter I6 und 142 PS oder als 5.3 Liter V8 mit bis zu 284 PS) lag bei nur 296 US-Dollar! Das lockte rund 32.000 Käufer zu den Händlern. Damit war dieses unscheinbare Coupe der Startschuss der berühmten „Muscle Car“-Area. Kein anderer Hersteller war so frech, den stärksten Motor in das leichteste Auto zu packen. Kein Charger, kein Challenger oder wie all die bekannteren und begehrteren Fahrzeuge auch immer hießen mögen. Nein. Der GTO erweckte die „Muscle Car“ Ära und startete den Wettlauf der stärksten Fahrzeuge bis zur Ölkrise.

Ein kompletter Designwechsel erfuhr der GTO mit der zweiten Generation, welche ich mit dem 1969er und 1972er GTO beleuchtet hatte.

Wie es bei GM damals üblich war, änderte auch Pontiac jährlich das Aussehen des GTO. Im Umkehrschluss ist es so leicht möglich, die einzelnen Baujahre selbst über das Jahr 1967 hinaus bis zu seiner ersten Einstellung in 1974 relativ gut und einfach auseinanderzuhalten.

Wer also an Muscle Car denkt, kommt um die Verknüpfung zu diesem kleinen Auto nicht herum.

Schauen wir auf den Bausatz. Die Erstausgabe datiert von 1985 aus dem Hause Monogram (#2714). Nach weiteren vier Auflagen erschien der 1964 GTO erstmals 1998 unter dem Lable Revell auf dem Markt (#85-2461). Die letzte, 7. Auflage datiert aus dem Jahre 2011 – erneut unter Monogram (#85-0890). Die nun vorliegende 8. Auflage schauen wir uns an.

Der Rundgang um den für mich ansprechend gestalteten Karton gibt uns wieder einige Informationen mit, die den Kauf anreizen sollen. Auf einer langen Seite schreibt uns Revell in mehreren Sprachen ein paar Zeilen zum Original und dem, was den Modellbauenden erwartet:
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Es wollen 104 Teile verbaut werden. Der Bausatz bedingt das Hinzutun von 11 Farben. Jaja. Wie immer schaue ich auch in die Bauanleitung, wie viel Farben tatsächlich benötigt werden. Ich nehme vorweg: passt.

Auf die gegenüber liegende, lange Kartonseiten geschaut, zeigt uns Revell, wie denn der GTO fertig ausschauen kann:
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Der aufmerksame Kaufinteressierte bemerkt, dass uns zwei Varianten in den Karton gepackt wurden. Diese Option kam mit der dritten Ausgabe 1995 in den Karton. Fortan vermarktete Revell und Monogram den GTO bis gestern eben unter dieser 2 in 1 – Aspekt und bildete (zu meinem Bedauern) auch nur noch die aufgemotzte Variante auf dem Deckelbild ab.

Schütten wir ihn also auch gleich auf den Tisch. Wir nehmen wieder den oberen Karton ab, wie es bei den für den US-Markt hergestellten Bausätzen schon immer üblich war. Nun liegen sie da, die Bauteile: 5 Spritzlinge in Weiß, ein Chromrahmen, Klarteile in „durchsichtig“ und einen winzig kleinen roten Spritzling sowie die Karosserie, 6 Reifen, den Decalbogen und der Bauanleitung:
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So starte ich mit den hier in weißem Polystyrol gespritzten Spritzlingen. Wir haben hier Chassis- und Motorteile, die Innenausstattung und die Karosserie. Es liegen zwei Hauben bei und natürlich auch die Motorteile, die zum Bau der „Street“-Version benötigt werden:
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Genauer hingeschaut. Die Innenausstattung ist hier als ein komplettes Bauteil gegossen, was die Detaillierung erschwert und vor allem dann, wenn man sich entscheiden mag, die Sitze farblich gegenüber dem Teppich und den Türverkleidungen abzuheben:
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Ebenfalls das Ausarbeiten der flach angegossenen Kurbeln und Griffe könnte sich als aufwändiger herausstellen. Schön wiederum ist nicht nur das sehr filigrane, einfache Lenkrad, sondern auch das Armaturenbrett, die Sitzpolster oder die Holzmaßerung:

Hier lohnt sich der Aufwand definitiv, die Details auszuarbeiten. Mit dem Original verglichen stimmt hier alles. Was ältere Bausätze mit bringen ist meist ein Anguss von diversen Details im Motorraum. So ist es auch hier. Kabel, Batterie und Kühlwasserausgleichbehälter sind bereits angegossen:
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Dafür kommen Bremskraftverstärker und Heizungskasten als Einzelteil daher. Auch die Scheibenwischer und Türgriffe sind angegossen. Wer mag, kann da ja den letzten Schliff ansetzen. Ich bin damit zufrieden. Mindert es ja auch das Risiko, bei den restlichen Arbeiten doch noch bis dahin makellosen Lack zu beschädigen 😀 An meinem Bausatz habe ich leider eine Sinkstelle auf der hinteren, linken Seitenwand ausmachen können:
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Ansonsten weisen sämtliche Bauteile weder Fehler noch übermäßige Gießgrate oder Fischhäute auf. Ein wunderbarer Guß. Die Details sind auch mit der 8. Auflage nicht ausgewaschen:

Die Chromteile. Immer ein Streitpunkt. Ist es zu viel, ist der Chrom zu dick oder nicht? Das überlasse ich jedem selbst:
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Wenn ich mir die Scheinwerfer anschaue: super. Auch werden meines Erachtens die Details der Felgen, Lufteinlässe der Serienmotorhaube oder Heckstoßstange nicht geschluckt. Mir ist es recht.

Die Verglasung ist klar und verzugsfrei und diesmal recht dünn. Die Scheinwerfer bekommen schicke Linsen und auch an die hinteren Seitenfenster für das Coupe wurde gedacht:
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Nicht übersehen: die bereits rot eingefärbten Rückleuchter. Hier habe ich einen Streitpunkt: der geriffelte Bereich zwischen den Rückleuchten wird im Bauabschnitt 28 schwarz bemalt. Ne. Hier sehe ich deutlich ein klares Rot als besser an. Oder doch schwarz? Man sieht Beides. Die Masse aber hat ein durchgehendes, rotes Band. Seltener ist hier nur noch Aluminium:
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Bei dem Bausatz liegen 6 Reifen bei. Vier werden für die Serienvariante und die zwei größeren dann für die Street-Variante hergenommen. Alle sind vollkommen gegossen aber auch nicht zu hart, dass man bei der Montage der Felgen Schwierigkeiten bekommen könnte:
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Die vier Serienreifen kommen auf einer Seite mit dem roten Streifen. Wer das nicht mag, dreht sie einfach um. Problem gelöst. Da ich auf Original stehe, kommen bei mir nur die „red wall tires“ zum Einsatz. Der Anguss ist ja eigentlich von ehemaligen Monogrambausätzen schon gewohnt. Das sollte keine Schwierigkeit sein. Beim Bauen ein bisschen drüber geschliffen, ist das Reifenprofil dann auch noch angefahren. Passt doch. Wer an den Reifen die Aufschrift vermisst: richtig. Bei der Erstausgabe waren die „Good Year Steal Belted Radial“ dabei. Dafür werden wir eben mit „red wall tires“ belohnt:
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Zu den Decals. Die neuen Auflagen begrüße ich immer, weil mich die Decals noch nicht enttäuscht haben. Neben allen Instrumenten, Türkurbeln, Schlüssellocker, Logos und auch Hoodpins finden wir Gurte für vorne und der Rückbank (was doch in den 1960er bestimmt eine sehr seltene Option darstellte) sowie vier verschiedene Streifenfarben für die Seiten (silber, dunkelblau/schwarz, weiß, rot):
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Also kann passend oder als Kontrast zur Karosseriefarbe ein entsprechender Streifensatz aufgebracht werden. Mit den Nummern 14 bis 15 legt uns Revell ans Herz, die GTO-Buchstaben im Kühlergrill zu bekleben. Na, ich würde das nach dem Abdunkeln mit Tamiya Smoke oder Panel Liner wieder „freikratzen“. Ich stelle mir das als richtiges Geduldsspiel vor. Gut: man hat jeweils einen zweiten Versuch. Markenlogos sind uns alle aufgedruckt worden:

Kennzeichen haben wir aus Texas und Michigan. Dabei auch speziell GOAT für den quasi Spitznamen des GTO. Goat = Ziege? Ja. Dem ist so. Das liegt aber nur daran, dass die Menschen damals das Akronym GTO (Gran Turismo Omologato) einfach als „goat“ ausgesprochen hatten anstatt alle drei Buchstaben einzeln zu nennen. Pontiac versuchte den Wagen zunächst als „GTO Tiger“ zu vermarkten, aber die Menschen hielten an „goat“ fest, was eher kühn und rebellisch klang. Heute noch fahren viele Amerikaner GOAT an ihrem GTO-Kennzeichen. So nebenbei bemerkt.

Als Letztes schauen wir in die Aufbauanleitung. Diese ist in schwarz-weiß gehalten. Wir merken uns: US-Ausgaben haben keine bunte Aufbauanleitung. Das Original wird uns kurz und knapp nähergebracht. Weiter werden die benötigten Farben aus dem hauseigenen Sortiment gelistet. Eine Farbe wird diesmal zu einem Blaumetallic zusammen gemischt. Es ist eine der zwei Karosseriefarben. Also ist das diesmal ja optional. Nach der Auflistung der Bauteilebezeichnung, führt uns die Aufbauanleitung in 34 Schritten zum Ziel. Dann steht eine von den zwei angebotenen Varianten auf dem Basteltisch vor uns. Der Zusammenbau stellt sich nicht kompliziert dar. Das sollte jedem gelingen:

Ich möchte auf ein paar Besonderheiten in der Aufbauanleitung hinweisen.

Bauabschnitt 8: nichts Schlimmes. Hier mag ich nur die aufwändig gestaltete Hinterachse hervorheben. Das der Auspuff nicht separat ist, ist andererseits dann wieder verwunderlich:
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Bauabschnitt 19: hier wird das Entfernen der seitlichen Fensterrahmen aufgezeigt, wenn die Hard Top-Variante dargestellt werden möchte. Das sollte mit ein wenig mehr Geduld durchgeführt werden, da es nicht nur das Entfernen der dünnen B-Säule bedeutet, sondern auch das Entfernen der Fensterrahmen am Dach. Ich habe das bei meinem GTO damals nicht gemacht:
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Bauabschnitt 24: beim Lackieren der Karosserie ist unbedingt das Bauteil (67) mitzunehmen. Das Bauteil wird zwischen den Scheinwerfern montiert und ist in Wagenfarbe! Es ist unscheinbar bei den Achsteilen eingegossen. Bei der Montage des Teils ist nicht nur zu beachten, dass es lediglich an der verchromten Stoßstange befestigt wird, sondern auch unbedingt die Einbaulage (oben / unten):
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Mein Fazit

Auch in der 8. Auflage stellt der 1964 GTO einen sich lohnenden Bausatz dar. Die Formen haben noch immer einen sauberen Guss. Da passt die Delle auf meinem Heck nicht ins Bild. Das ist aber auch das Einzige, was den Bauspaß hier trüben könnte. Da gibt es Schlimmeres und schließlich ist es Modellbau – da muss man eben mal Hand anlegen. Meine fertige Erstausgabe stellte mich damals vor keine großen Probleme beim Aufbau und da war ich gut 30 Jahre jünger. Dieser hatte eine makellose Karosserie.
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Wenn jemand Muscle Cars liebt und schätzt, kommt um den 1964er Pontiac GTO eigentlich nicht drum herum. Wir wissen ja nun weshalb. Zugreifen!

Christian Weitzer, Modellbaustammtisch Recklinghausen