2009 erschien bei Special Hobby eine Blackburn Roc als „New Tool“ – unser heutiges Besprechungsmodell hat also mithin schon 16 Jahre „auf dem Buckel“-
Mal schauen, wie sich der Bausatz so schlägt …
Zum Vorbild
Der Blackburn Roc Marinejäger hatte seinen Erstflug am 23. Dezember 1938. Im Prinzip handelt es sich um eine Blackburn Skua mit MG Turm hinter dem Piloten. Die Tragflächen waren faltbar und es gab einen Fanghaken für den Trägereinsatz. Der Plan war, diesen Jäger von Flugzeugträgern aus gegen Bomber einzusetzen. Er sollte parallel zu dem zu bekämpfenden Bomber fliegen und ihn mit seinem drehbaren MG-Turm beschießen. Die zeitgleich entwickelte Blackburn Skua war 300 kg leichter als die Roc. Die Blackburn Roc hatte den Perseus XII Motor, welcher schon für die Skua ungenügend war. Dank des schweren klobigen MG-Turms kam die Blackburn Roc nur noch auf 359 km/h in 3050m Höhe, was schon vor dem Krieg nicht gereicht hätte, um einen Bomber abzufangen. Ein sehr glückloses Konzept, genau wie die Boulton Paul Defiant. Letztere sah zumindest etwas gefälliger aus.
Nach kurzem erfolglosem Dienst als Jäger wurden die Roc nur noch zur Schulung und als Zielschlepper genutzt. Obwohl als Marinejäger geplant, wurden alle Blackburn Roc von Land aus eingesetzt. Insgesamt wurden 133 Maschinen gebaut. Vier Roc wurden mit Schwimmern ausgestattet. Wäre mal spannend wie „schnell“ sie dann noch war.
Zum Modell
Ein klassischer Special Hobby „short run“-Bausatz mit zusätzlichen Resinteilen, Ätzteilen und einem Stück Film für die Instrumente. Die Bauanleitung beginnt mit einem geschichtlichen Teil:
Darauf folgt der Zusammenbau in übersichtlichen Schritten:
Auf den letzten Seiten sind die 4 Markierungsmöglichkeiten aufgeführt …
…welche nochmals auf der Kartonrückseite als Übersicht gezeigt werden:

Die Markierungsvarianten sind:
-Blackburn Roc Mk. I, L3114/E der 759. NAS, Großbritannien, November 1939;
-Blackburn Roc Mk. I, L3075/L6R der 706. NAS, Orkneys, April 1940;
-Blackburn Roc Mk. I, L3084 der 778. NAS, Großbritannien, Mai 1940;
-Blackburn Roc Mk. I, RO-143 mit finnischen Hoheitszeichen, Schottland 1940.
Die Gussrahmen sind in einem wiederverschließbaren Beutel ordentlich verpackt:

Der Beutelinhalt:




Die transparenten Teile vertragen etwas Nacharbeit um sie etwas klarer zu machen:

Was alles verbessert werden könnte/sollte
Fangen wir vorn am Rumpf an. Der Propeller sieht etwas schmächtig aus. Auf Bildern der Skua und Roc hat er mehr Substanz und sollte getauscht werden. Auf der Rumpfoberseite sollte hinter der Klappenreihe vom Motor links und rechts Lufthutzen zu sehen sein. Diese fehlen leider und sollten aus der Restekiste ergänzt werden.
Der Übergang an welchem der hintere Haubenteil am Rumpf aufliegt fällt etwas ab. Das sollte eine grade Linie sein – vom Anfang der Schiebehaube bis zum Turm. Das ist auf der Boxart schön zu sehen. Wer sich für die Maschine auf dem Cover entscheidet muss die Schiebehaube absägen, da dieser Flieger ohne sie geflogen ist. Ein alternatives Teil liegt leider nicht bei. Die Materialstärke ist für eine offene Darstellung grade noch ok. Die Schiene für die Schiebehaube fehlt leider.
Der Turm ist mir oben zu wenig rund. Wenn man die Boxart mit den Lackiervorschlägen auf der Rückseite des Kartons vergleicht, seht ihr was ich meine. Die Rohre der Turm MGs sollten gegen gedrehte ersetzt werden. Wer den Turm tauschen möchte ist mit dem der (neuen!) Airfix Defiant gut bedient. Beide Flieger hatten den gleichen Turm.
Der einziehbare Buckel hinter dem Turm ist etwas zu groß und eckig. Wenn man das abändert ist evtl. zu überlegen ob man gleich auf die eingefahrene Variante umbaut. Auf dem Cover ist die hintere Maschine mit eingefahrenem Buckel zu sehen, während die vordere den Buckel ausgefahren hat.
Auf der rechten Rumpfhälfte dieses Marinejägers war die Auslöseschnur für das Dinghy angebracht. Sie verlief vom Cockpit bis zum Leitwerk. Ein unscheinbares Detail, welches leider im Bausatz fehlt:
Ein Detail zu viel hat dieser Kit auch. Die erhaben dargestellten Luken im Bereich der Roundels gehören an die Skua und können ganz weg:

Ein weiteres kleines Detail welches aber sehr zum realistischen Gesamteindruck beiträgt: Ein kleiner Spalt unter dem Seitenruder oder zumindest eine tiefe Gravur sowie ein trapezförmiges Loch um das Ruderscharnier. Als Gravur ist das schon richtig angedeutet, aber da kommt der Spritzguss an seine Grenzen. Es ist vermutlich am einfachsten das Ruder abzusägen und mit den beschriebenen Änderungen wieder anzukleben.
Bei der Tragfläche scheinen die Gravuren von der Blackburn Skua übernommen worden zu sein. Die Tragflächen sind zwar sehr ähnlich, aber nicht gleich. Die Roc hatte keine Waffen im Flügel verbaut, also sollten dort auch keine MG Abdeckungen zu sehen sein:

Da die Tragfläche aus Unterschale und zwei oberen Hälften entsteht sollte die Hinterkante vor dem Zusammenbau dünner geschliffen werden. Die Landeklappen sollten außen nicht grade sondern schräg sein. Es fehlt der Notausstieg für den Gunner. Ebenfalls ist nur einer der zwei Haken des Katapultgeschirrs vorhanden.
Die Aufhängungen für die Bomben sind als Tropfenpaare dargestellt. Keine Ahnung was das sonst darstellen soll. Sie sind viel zu weit außen am Flügel und im Original sehr filigran ausgeführt. Wieder hilft das Deckelbild als Referenz. So wie auf dem Kasten sollten die Aufhängungen aussehen. Am besten man entfernt diese Tropfen. Sowohl die kleinen als auch die normalen Bombenhalterungen sind auf fast jedem Foto zu sehen, fehlen aber im Bausatz. Die British Universal Bomb Carrier Mk.II wären als geätzte Teile schön gewesen…
Das Cockpit ist völlig ausreichend für 1:72 detailliert:
Der Motor gefällt auch und sieht bestimmt am fertigen Modell super aus:


Für ordentliche Radkästen werden diese Teile in die untere Flügelhälfte geklebt:

Die Räder sind ausgezeichnet wiedergegeben, ebenso die Abgasrohre:


Fazit
Dieser Bausatz ist für den erfahrenen Modellbauer gedacht. Cockpit und Motor sind sehr schön gemacht. Leider fehlen einige besser sichtbare Details und einige Fehler haben sich auch eingeschlichen. Mit nur wenig mehr Recherche hätte man vieles besser machen können. Eine gute Basis um diesen kuriosen Marinejäger zu bauen.
Erhältlich direkt im Special Hobby online-shop.
Hartmut Koßmann, Badbergen















