Blohm & Voss BV P.193 in 1:72 von MikroMir # 72-033

Einen wahren Exoten aus der „Luftwaffe 1946“-Nische hat unlängst der ukrainische Hersteller MikroMir im klassischen 72er Maßstab auf unsere Basteltische gelegt.
Schauen wir mal etwas genauer in den Karton …
Leider ist kein bisschen Geschichte zu dem Vorbild auf dem Karton oder der Anleitung zu finden. Darum reiche ich das hier in Kurzform nach. Hat mich 5 Minuten gekostet und tat auch nicht weh. Egal….

Die Blohm und Voss P.193 war ein reines Papier Projekt, entworfen mit dem Ziel einen Nachfolger für die Ju 87 Stuka zu finden. Für den Antrieb sollte ein Junkers Jumo 213A Motor mit 1780 PS sorgen.

Das Team um Richard Vogt herum entwarf den kuriosen Flieger. Das Design zeichnete sich durch die Verwendung eines Druckpropellers, eines unterm Heck angebrachten Seitenleitwerks und eines hochbeinigen Fahrwerks mit Bugrad aus. Geplant war eine Höchstgeschwindigkeit von 640 km/h. Die Bombenlast sollte im Schwerpunkt des Rumpfes angehangen werden. Letztendlich gab das Produktionsbüro Blohm und Voss das P.193-Projekt noch auf dem Zeichenbrett auf, da die errechnete Steigrate ungenügend war.

Nach dem geschichtlichen Teil nun zum Modell. Der etwas wabbelige Karton zeigt auf dem Deckelbild die BV P.193 in der ihr zugedachten Rolle als Erdkampfflugzeug.

Unter dem Stülpdeckel befindet sich ein wiederverschließbarer Beutel mit allen Zutaten:
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In der Übersicht bietet sich dieses Bild: Drei Rahmen mit grauen Teilen, die Haube als Spritzguss, Masken für die Haube, ein Bogen Ätzteile und natürlich Decals:
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Auf den ersten Blick macht der Bausatz einen ordentlichen Eindruck. Da es sich um einen Short Run Bausatz handelt ist einiges an Nacharbeit wie Teile entgraten, Gravuren nachziehen, Teile anpassen und ergänzen erforderlich:
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Die Tragflächen sind schlau konstruiert. Die oberen Hälften haben eine scharfe Hinterkante für beide Hälften angegossen. Das macht ein aufwändiges dünner schleifen und neu gravieren überflüssig und trägt sehr zum realistischen Gesamtbild bei:
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Das Klarteil ist etwas schlierig geraten. Vielleicht ist mit polieren und einem Bad in Future noch was zu machen. Auch die Streben scheinen mir etwas dick zu sein:
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Die kleine Platte mit Ätzteilen beinhaltet alternative Teile für das Bombenleitwerk, Instrumente und Gurte. Alles sehr schön gemacht:
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Die Decals sind sauber und ohne Versatz gedruckt. Eine fiktive Einsatzmaschine ist damit darstellbar. Ein Maskensatz ist eine ungewöhnliche Beigabe bei Short Run, aber sehr willkommen!
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Eine Teileübersicht mit Nummern eröffnen die Ableitung. Sehr sinnvoll, da die Teile selbst nicht nummeriert sind. Man erkennt allerdings auch so welche Teile gemeint sind:
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Die Anleitung ist übersichtlich und sinnvoll aufgebaut. Den Abschluss bildet der Lackiervorschlag für eine BV P.193 wie sei 1945 hätte aussehen können. Da es der Vogel aber nie vom Reißbrett geschafft hat kann man hier machen was man will:

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Die Flammenvernichter und MK103 Rohre sehen ok aus, beides sollte aber aufgebohrt werden.Die Radschächte haben Aufnahmen für die Fahrwerke was bestimmt hilfreich beim Ausrichten der Fahrwerke sein wird:
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Auf den oberen Tragflächen ist eine Sinkstelle über der Aufnahme des Hauptfahrwerks zu sehen. Die Gravuren sind insgesamt etwas unsauber, ebenso alle Oberflächen. Hier und da sind Pickel zu sehen. Das ist alles aber schnell mit Polsterfeile und nachgravieren behoben:
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Beim Blick in die Rumpfhälften wirkt es erst mal sehr kahl, aber mit dem Einbau von Sitz, Instrumenten und seitlichen Konsolen sollte das schnell behoben sein. Wenn man jetzt noch Gurte ergänzt sollte das völlig ausreichen:

Die Bombe kann alternativ mit geätztem Leitwerk gebaut werden. Eine sinnvolle Alternative zu den Spritzgussteilen, was die Abwurflast zu einem Blickfang machen wird:
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Fazit
Mikro Mir hat wieder mal ein spannendes Vorbild gewählt. Bisher gab es nur den teuren Planet Models Resin Kit, da ist eine Spritzguss Alternative sehr willkommen. Erst recht, wenn der Bausatz nur die Hälfte des Planet Kits kostet. Da es sich um einen Short Run Kit handelt ist es eher was für erfahrene Modellbauer, da doch einiges an Nacharbeit und Anpassung notwendig ist. Aber mit etwas Arbeit kommt man für wenig Geld zu einem ansehnlichen Modell. Wer den (überschaubaren)Aufwand nicht scheut und Luft46 Zeug mag sollte hier zuschlagen. Klare Kaufempfehlung!

Erhältlich bei SuperHobby.

Hartmut Koßmann, Modellbaufreunde Lingen