Dora Wings gehört zu den ukrainischen Herstellern, die trotz des anhaltenden Kriegs weiterhin mit qualitativ hochwertigen Bausätzen aufwarten. Besonders Augenmerk wird dabei auf Vorbilder gelegt, die nicht unbedingt zum Mainstream gehören …
So haben wir auch hier mit der Fairey Delta FD-2 ein Forschungs- und Erprobungsflugzeug für den Überschallflug, das nur in zwei Exemplaren gebaut wurde. Den 1:72 Bausatz ebenfalls vorn Dora Wings hat unser Modellbaufreund Steven van Ekris hier schon ausführlich und mit viel Hintergrundinformationen vorgestellt:
https://www.kitreviewsonline.de/fairex-delta-2-in-172-von-dora-wings-dw-72009/
Die nun vorliegende Ausgabe in 1:48 ist kein Ergebnis einer reinen Hochskalierung, da die Spritzäste anders aufgeteilt sind. Natürlich haben aber beide Bausätze Gemeinsamkeiten, etwa in der allgemeinen Aufteilung der großen Bauteile.
Im Karton finden wir zunächst mal den kompletten Inhalt in einem Beutel zusammen verpackt:

Im Beutel gibt es dann acht graue Spritzäste, eine Klarsichtast und in einer Extraverpackung den Decalbogen, eine kleine Ätzplatine und einen Maskenbogen. Also klar mehr als einen Grundbausatz. Mehr braucht man also eigentlich nicht. Oder??

Für die grobe Rumpfkonstruktion gibt es vier Spritzäste mit den Rumpfhälften und den Tragflächen:

Die Spritzäste A und B liefen jeweils zwei Teile für eine Rumpfhälfte. Hier Ast A. Die Rumpfspitze bis zur Cockpitrückwand ist dabei gesondert ausgeführt, da man sie in Start- und Landestellung abgesenkt und in Flugstellung angehoben darstellen kann:

Die Oberflächendetaillierung mit versenkten Gravuren und Nietdarstellungen ist sehr gut gelungen:
Am großen Rumpfteil sind darüber hinaus am Tragflächenanschluss Details für die Fahrwerkschächte vorhanden:
Im Inneren der Rumpfspitze sind die Cockpitwände sehr fein und detailreich dargestellt:

Hier zur Vervollständigung noch zusammengefasst die Bilder von der rechten Rumpfhälfte:

Die Tragflächen ohne Ruder und Klappen finden sich an den nächsten Spritzästen. Hier sind sie komplett aus Ober- und Unterschalen gebildet. Dies ist Ast C:

Beide Schalen sind umfassend und in sehr guter Qualität mit Wartungsöffnungen, Gravuren und Nietdarstellungen detailliert. Da gibt es nichts zu meckern:
Auch die Details der Fahrwerkschächte (hier der Decken) sind vorbildllich:

Ast D ist in gleicher Weise für die zweite Tragfläche ausgeführt:

Ast E wendet sich den kleineren Teilen zu:

Die hervorragende Detaillierung der Tragflächen setzt sich an den Rudern und Klappen fort, die einteilig mit Ober- und Unterseite ausgeführt sind. Hier ist also kein weiteres Verkleben erforderlich. Hier die Klappen:
Und die Querruder:
Ebenfalls finden sich an diesem Ast die Teile für das Seitenruder, und die Klappen für den Hauptfahrwerkschacht:

Es folgt Ast F mit dem Schubrohr und weiteren Ausrüstungsteilen:

Hier gibt es auch den Bugfahrwerkschacht und die innere Ansicht des ersten Triebwerksschaufelrades in guter Ausführung:
Für das Triebwerkende gibt es zwei Ausführungen für die mit Klappen ausgestattete Schubdüse. So ähnlich kennen wir das aus den frühen Mirage III:
Die Platten am rumpfseitigen Triebwerkeinlass haben saubere Abstandhalter angespritzt:

Mit Spritzast G für weitere Teile zum Cockpit und Kleinteile geht es weiter:

Hervorzuheben sind hier die Seitenkonsolen für das Cockpit, die feine Details aufweisen. Da durch die sehr kleinen Seitenfenster der Einblick ohnehin kaum möglich ist, ist dies völlig ausreichend:
Der letzte graue Spritzast H liefert dann im wesentlichen Fahrwerkteile:

Besonders erwähnenswert ist hier allerdings zunächst das gut gelungene Instrumentenbrett, das zusammen mit dem vorgesehenen Decal eine gelungene Darstellung ergeben dürfte:

Die Räder sind jeweils zweiteilig und insoweit gut gelungen:
Der kleine Klarsichtast enthält zwei ebenfalls kleine Teile:

Diese kleinen Klarsichtteile sind an den Bereichen die letztlich noch überlackiert werden – und das ist der größte Teil – sehr fein detailliert, so dass sie gut zu den Oberflächen der grauen Außenseiten passen und ein feines Gesamtbild ergeben:
Der Decalbogen enthält Teile für die Instrumente im Innenraum und für die großen äußeren Markierungen der vier möglichen Lackierungen. Der angegebene Hersteller Decograf – ebenfalls aus der Ukraine – ist mir bisher aus der praktischen Anwendung nicht bekannt. Er hat als Hersteller auch ein kleines Angebot an Decalbögen mit Schwerpunkt auf der ukrainischen Luftwaffe. Der äußere Eindruck der Ausführung ist durchaus gut:

Die Ätzteilplatine enthält Teile für das Gurtzeug und die Seitenruderpedale. Die Ausführung ist sauber:

Die Vinylmasken sind nicht an allen Rändern besonders randscharf gestanzt. Das lässt sich aber mit einer scharfen Schere beheben. Dann sollten die Masken ihre Ausgabe erfüllen können:

Die Bauanleitung ist im kleineren DIN-A5 Format gehalten:

Es beginnt inhaltlich ohne historisch-technische Einführung mit einer Darstellung des Bausatzinhalts:

Die weiteren Bauhinweise in 29 Baustufen sind in schwarz-weiß mit Farbangaben versehen. Dies ist zwar kein aktueller Spitzenstandard, aber für einen erfolgreichen Zusammenbau durchaus ausreichend. Es beginnt mit dem Cockpit und dem Rumpfvorderteil, das abgeklappt oder in Flugstellung angebracht werden kann:

Der weitere Zusammenbau ist klassisch in der Reihenfolge Rumpf, Tragflächen, Fahrwerk und Fahrwerkabdeckungen. Besonders hohe Anforderungen habe ich dabei bisher nicht erkannt:
Die vier Lackierungs- und Markierungsmöglichkeiten decken die gesamten Lebensläufe der nur zwei gebauten Exemplare gut ab. Der Druck der Farbseiten ist jedoch immer mal wieder etwas missverständlich. Gelb geht etwas ins Orange und Violett wird Rot. Hier wird man in Zukunft etwas mehr Aufmerksamkeit auf die Darstellung legen müssen. Es beginnt mit einer Rekordmaschine mit auffälligen gelben Markierungen am Rumpfvorderteil:

Die nächste Möglichkeit ist in Alu über Alles und stellt damit eine Lackierung für den größten Teil der Einsatzzeit dar:

In komplett Blau zeigt sich die nächste Maschine in der Art, wie sie im RAF-Museum abgestellt wurde:

Wie oben schon dargestellt, präsentiert sich die nächste Grafik in Rot als eine Maschine, die 1958 bei der Luftfahrtshow in Farnborough zu sehen war. Nach vorhandenen Fotos und auch nach der Farbangabe war diese Maschine allerdings in Violett lackiert, wie auch korrekt auf dem Deckelbild abgebildet. Hierzu ist auch ein Farbschlüssel nach dem britischen System angegeben. Ich habe dazu eine Vergleichstabelle gefunden, die RAL 4001 als vergleichbar listet. Hier gibt es gelbe Modexnummern und auch Pfeile am Bug. Diese Lackierung gefällt mir besonders gut:

So in etwa müsste die Ansicht in Lila aussehen:

Auf der letzten Seite der Anleitung gibt es noch die Erweiterung der Farbhinweise, die in der Anleitung nur in Buchstaben angegeben sind. Es sind hier vorbildlich einige weit verbreitete Farbsysteme genannt. Das ist vorbildlich!

Fazit
Dieser Bausatz präsentiert sich also auf hohem Niveau und auch komplett vollständig. Ergänzungssets sind keineswegs erforderlich, um ein sehr ansehnliches Modell auf die Beine zu stellen. Die Anforderungen an den Modellbauer sind nicht allzu hoch. Etwas Modellbauerfahrung – idealerweise mit Jets – sollte aber doch vorhanden sein.
Wenn Dora Wings diesen Weg weiter gehen kann, dürfen wir sicherlich noch einige weitere ansehnliche Bausätze erwarten. Es bleibt also spannend …..
Die Verfügbarkeit des KIts ist derzeit unklar – wir haben unser Exemplar auf der IPMS Nederland Ausstellung in Houten direkt vom Hersteller erwerben können.
Hermann Geers, Wietmarschen






































