Mit der aktuellen Auflage der Heinkel He 177 A-3 Greif „Baby Blitz Bomber“ in 1:48 liefert uns SpecialHobby einen schon etwas älteren Kit – allerdings massiv aufgewertet durch eine Menge neuer Teile …
Special Hobby liefert hiermit einen stark aufgearbeiteten, schon älteren Bausatz mit einem Untertitel, der im englischen Sprachraum in Anbetracht des geringen Erfolgs und der hohen Verluste des Unternehmens „Steinbock“ zu einer durchaus realistischen Bewertung wurde. Drei Flugzeuge können aus dem Bausatz alternativ lackiert und markiert werden, von denen jedoch nur eine tatsächlich am Unternehmen „Steinbock“ teilgenommen hat. Die drei Möglichkeiten sind übersichtlich an der Kartonseite dargestellt und geben schon mal einen schönen Eindruck:

Im Karton gibt es eine Vielzahl von Spritzästen, eine Ätzplatine, eine großen Decalbogen und die Anleitung. Es ist schon ein sehr umfangreicher Bausatz:

Der Bausatz ist ursprünglich vor nun schon 20 Jahren unter dem Label von MPM als Short-Run-Ausgabe herausgekommen. Special Hobby hat nun einige der kleineren und feineren Teile durch neue Spritzäste ersetzt, Resin- und 3D-Druckteile hinzugefügt und die weiter verwendeten Formen für die Short-Run-Teile ordentlich überarbeitet. Schauen wir also mal genauer rein in den großen und stabilen Karton.
Die beiden nahezu vollständigen Rumpfhälften sind schon von dem Rahmen des Spritzastes A befreit:

Die glatten Oberflächen sind für Short-Run-Produkte gut gelungen, können in den vertieften Gravuren aber durchaus etwas Nacharbeit vertragen:
Die Details sind auch auf den Rumpfoberseiten auch mit erhabenen Flächen präsent:
Innen in den Rumpfhälften gibt es vorne Platzierungshilfen für den Einbau des Besatzungsdecks und weiter hinten Details für die Rumpfinnenwände der dortigen Besatzungsräume:
Die Spritzäste B und C liefern dann jeweils zwei Schalen für die ebenfalls wieder schon fast kompletten Tragflächen:

Die Oberflächen der Short-Run-Teile sind noch mal einen Tick besser als am Rumpf. Hier mal die obere Schale:
Innen gibt es nur Positionierungshilfen. Eine Motorennachbildung ist nicht vorgesehen:

Weiter mit der unteren Schale:

Auch hier ist die Detaillierung ohne Frage noch vorzeigbar:
Die Innenansicht ist auch hier recht schlicht. Die Öffnungen sind für die Fahrwerke und die Auspuffanlagen:

Vom Ast D werden nur noch drei Teile benötigt:

Dies sind die beiden Halbschalen für den Heckstand, die insbesondere an den Klebekanten für das Klarsichtteil kräftig versäubert werden müssen:
Letzteres gilt auch für die innere Detailierung:

Benötigt wird auch noch das Teil für den Heckabschluss:

Ast F von den Short-Run-Teilen wird dagegen vollständig verwendet:

Hier handelt es sich um die Bauteile für die Fahrwerkschächte, von denen man schlussendlich nicht mehr allzu viel sehen kann:
Weiter geht es mit Ast G mit Teilen für den Innenraum, von denen nur etwa die Hälfte Verwendung findet:

Hierbei handelt es sich um das Seitenruder …

… und um den Boden und das vordere Schott für den Besatzungsraum des hinteren oberen MG-Turms. Die Detaillierung ist auch nicht mehr so recht ansprechend, aber durch das Klarsichtteil des Turms sieht man auch nicht allzu viel. Damit wird man leben können:
Ast H wird vollständig verwendet und liefert die meisten Teile für die Höhenleitwerke:

Die Ausführung ist hier durch die Überarbeitung mit kräftigen vertieften Gravuren versehen, die aber auch wieder mit einem Gravierwerkzeug noch einmal nachgezogen werden sollten. Dann ist die Ausführung durchaus akzeptabel:
Vom Ast I finden in Ergänzung aus dem Ast H die meisten Teile weitere Verwendung:

So für die Höhenruder …

… und ebenso für die Querruder:
Weiter geht es mit dem letzten alten Ast J, der doppelt vorhanden ist:

Hiervon werden nur noch einige Teile weiter verwendet. So für die Propeller,
… für die Motorverkleidungen,
… die Fahrwerkrestverkleidungen …

… und einige Kleinteile für das Fahrwerk:

Der Spritzast M ist dann der erste der komplett neuen Erzeugnisse in der Qualität wie sie Special Hobby aktuell leistet. Hier sieht man dann einen beträchtlichen Unterschied zu den älteren Short-Run-Produkten:

Auf den ersten Blick fallen die neuen Teile für das Fahrwerk mit den Fahrwerkbeinen und den Rädern auf. Sie sind hervorragend gelungen:
Auch die neuen Schotts für den Innenrumpf sind beträchtlich besser detailliert:
Das gilt dann auch für die kleineren Bauteile:
Nächster „Neuling“ unter den Spritzästen ist Ast N:

Hier gibt es erstmal die Teile für das Heckrad und die zugehörige Schwinge:
Ganz erheblich verbessert ist auch Ausführung der Flammendämpfer für die Auspuffanlagen:
Auch kleinere Paneele profitieren von der neuen Ausführung:

Schließlich gibt es hier noch etliches zur Ausstattung mit der Abwehrbewaffnung und einigen Kleinteilen. Die Bewaffnung ist auf höchstem Spritzgussniveau. Ergänzungssets sind hier absolut nicht nötig:
Ast O ist ebenfalls komplett neu:

Hier finden sich Bauteile für den inneren Ausbau,
… für den Ausbau innerhalb der Waffentürme …
… und kleine Anlenkungen sowie die Klappen für den Heckradschacht:
In diesem Sinne geht es auch mit Ast P weiter:

Das neue Schott mit den Funkgerätesätzen ist ein hervorragendes Beispiel für die Qualität, die mit den neuen Spritzästen erreicht wurde. Mit einer sorgfältigen Lackierung lässt sich hiermit ein Detaillierungsgrad erreichen, der auch hier Nachrüstsätze durchaus verzichtbar macht:

Das gilt in ähnlicher Weise auch für die anderen Bauteile zur Ausstattung der vorderen Besatzungskabine. Hier gibt es auch Decals für die Darstellung der Instrumente und Bedienkonsolen:
Auch hier sind Teile für die Abwehrbewaffnung in beeindruckender Qualität vorhanden:
Ebenfalls sind auch hier etliche Klein- und Kleinststeile in sehr ansprechender Qualität vorhanden:
Spritzast Q ist vergleichsweise klein ausgefallen:

Hier gibt es die letzten grauen Bauteile. Sie sind überwiegend noch für den Innenausbau der Frontkanzel vorgesehen und glänzen auch hier mit feiner Detaillierung:
Die Klarsichtteile versammeln sich sämtlich am Ast CP:

An der He 177 waren allerhand große Flächen verglast, so dass sich entsprechende Klarsichtteile ergeben. Dieser Ast ist ebenfalls neu konstruiert und entspricht der aktuellen bekannten Special-Hobby-Qualität, die sich mit guter Klarheit und fein dargestellten Rahmungen immer gut sehen lassen kann:
Den Münzentest zur Beurteilung der Duchsichtigkeit bestehen die Bauteile mit Bravour:
Aus Resin gibt es im Bausatz noch Bauteile für die Doppelrohre der Flammdämpfer:

Auf den Fotos ist zu erkennen, dass an der Hinterkante ein paar Gussfehler vorhanden sind. Diese kann man mit Flüssigspachtel oder Sekundenkleber auffüllen. Das ist mit wenig Aufwand zu beheben:
Weiterhin gibt es dann noch vier kleine gedruckte Teile. Möglicherweise hat man diese Teile ursprünglich bei der Konstruktion der Spritzäste vergessen, ist aber auch egal:

Es handelt sich um ein Klarsichtteil für den Ausblick des Bombenzielgeräts, das eine plane Scheibe erfordert, einen Munitionsgurt für die Bugwaffe, eine Rückenlehne für den Heckstandschützen und die Lafette für die Heckwaffe:

Zum Abschluss der Bauteile ist noch eine Ätzplatine vorzustellen. Sie enthält nochmals etliche Teile überwiegend für den Ausbau des Innenbereichs in den Besatzungsräumen, komplettes Gurtzeug und Munitionsgurte und Visiere für die Bewaffnung:

Der Decalbogen fällt sehr groß aus. Dies liegt zum einen an den großen Markierungen für drei Markierungsmöglichkeiten und an der umfangreichen Ausstattung mit den Außenmakierungen, umfangreichen Decals für die Instrumentierung und die weitere Innenausstattung und die großformatigen Begehflächenmarkierungen:


Die Anleitung ist auf den aktuellen Special Hobby Standard gehoben worden. Mit diesem Standard lässt sich gut leben. Es beginnt mit einer umfangreichen historisch-technischen Einleitung in Englisch und Tschechisch:

Es folgen die Darstellung des Bausatzinhalts und die Erläuterung zu den Farbhinweisen:
Die Zusammenbauanleitung erstreckt sich entsprechend der Größe, der hohen Teileanzahl und des Umfangs der Detaillierung über 131 Baustufen. Das ist schon ein ordentliches „Brett“. Los geht es mit dem Zusammenbau des Cockpits mit untergebautem Bugfahrwerkschacht. Aus den 25 Baustufen allein dafür ergibt sich mit den neu erstellten Spritzgussteilen und Ätzteilen eine detailreiche Baugruppe zum Einbau in die Spitze der beiden Rumpfschalen:
Bei weitem nicht so detailreich ist der Besatzungsraum unter dem MG-Turm hinten-oben im Rumpf, der zusammen mit der ersteren Baugruppe und einem Schott vor dem Heckstand in die Rumpfschalen einzubauen ist. Eben dieser Heckstand ist Gegenstand der nächsten Zusammenbauten, bevor es zum Einbau der Hauptfahrwerkschächte in die Tragflächen und deren Zusammenbau geht:
Dann geht es noch mal zurück zu Einbauten ins Frontcockpit mit kleinen Baugruppen:

Weiter geht es mit der Schließung des Rumpfes mit den großen Teilen für die Frontverglasung und den Anbau der bis dahin hergestellten Tragflächen:
Das Heck steht dann im Mittelpunkt der nächsten Bauschritte mit dem gut detaillierten Heckstand und den Leitwerksteilen:
Es folgt der Zusammenbau des diffizilen Hauptfahrwerks (bei dem genau auf die Hinweise zu achten ist, um nicht rechts und links zu verwechseln). Hier gilt es auch die Flammdämpfer zu montieren:
Heckrad mit Schacht, die sehr diffizilen und detailreichen Abwehrstände (Feinarbeit!) sind die nächsten Bauschritte:
Dann geht es um die Querruder mit ihren Anlenkungen und die Bewaffnung in der Bodenwanne:
Schlussendlich geht es an die Vervollständigung der Motorenkonstruktion mit Anbau der Propeller und den Einbau der Abwehrstände sowie der außenliegenden Visierungen aus Ätzteilen:

Die Lackierungs- und Markierungshinweise für die drei möglichen Varianten finden sich in großformatigen Vier-Seiten-Ansichten. Alle erscheinen in einer Nachtbomberlackierung mit schwarzen Unterseiten/Seitenleitwerken und grauen Oberseiten mit Flecktarnung. Los geht es mit einer Maschine des KG 100 mit Namen „Susi“ mit roten Kennmarkierungen an den Propellerhauben als kleine Farbtupfer. Das Original war an den Angriffen im Rahmen des „Unternehmens Steinbock“ beteiligt:

Die nächste Maschine gehörte zur FFS (B)16, somit einer Schuleinheit, deren Wappen an beiden Bugseiten aufgebracht ist. Gelbe Kennmarkierungen liefern hier die Farbtupfer. Diese Maschine trägt schultypisch noch das Stammkennzeichen:

Die letzte Möglichkeit ist die gleiche Maschine mit einer anderen Hintergrundlackierung für die seitliche Kennung:
Zum Schluss gibt es noch Hinweise für die Anbringung der vorhandenen Wartungs- und Gehwegmarkierungen:

Fazit
Wie schon geschrieben, ist es ein sehr umfangreicher Bausatz, darüber muss man sich ganz klar sein. Die Überarbeitung hat diesem Bausatz auf jeden Fall sehr gut getan und ihn in der Qualität ganz ordentlich angehoben. Sie erstreckt sich fein ausgesucht auf die Bereiche, die einsehbar sind und liegt dort um Lichtjahre besser als bei der Ursprungsausgabe.
Die Bewältigung dieses Bausatzes erfordert auf jeden Fall ordentliche Modellbauerfahrungen im Umgang mit großen Bausätzen und Short-Run-Produkten. Letztere bilden hier weiterhin einen großen Teil der Arbeit, auch wenn die Ausführung dieser Teile in der Spitzengruppe dieser Herstellungsform zu verorten ist.
Dann allerdings wird man nach dem Bau ein bestimmt nicht allzu oft zu sehendes Modell in feiner Ausführung auf dem Tisch stehen haben, das dort allerhand Platz in Anspruch nimmt.
Insgesamt haben wir hier eine sehr zu begrüßende, stark verbesserte Neuauflage, die die einzige Möglichkeit darstellt mit einem aktuellen Angebot die He 177 „Greif“ in diesem Maßstab zu realisieren. Natürlich mag man fragen, wieso nicht auch die großen Rumpfteile komplett erneuert wurden. Dies hätte allerdings noch einen erheblich höheren Arbeitsaufwand erfordert und eine beträchtliche Kostensteigerung mit sich gebracht.
Erhältlich direkt im Special Hobby online-shop.
Hermann Geers, Wietmarschen
































































































