Kit-Archäologie: BAC Lightning in 1:72 von Matchbox #PK-114

Wer von uns älteren Modellbauern erinnert sich nicht mit mehr oder weniger nostalgischem Grinsen im Gesicht an die Zeit, als wir unsere ersten Matchbox-Kits „zusammengeklebt“ und „angemalt“ hatten?
Für all diejenigen unter uns, die die Zeit noch erlebt haben – bitte schön …
Kurzes BAC Lightning Intro
Die English Electric Lightning, später als BAC Lightning bekannt, war ein britisches Überschall Abfangjagdflugzeug. Sie wurde in den 1950er-Jahren entwickelt und war das erste britische Flugzeug, das Mach 2 erreichen konnte. Ihr Erstflug fand am 4. August 1954 statt. Die Lightning wurde von zwei Rolls-Royce Avon-Triebwerken angetrieben, die in einer ungewöhnlichen übereinanderliegenden Anordnung im Rumpf montiert waren. Dieses Design verlieh ihr eine außergewöhnliche Steigleistung und hohe Geschwindigkeit. Die maximale Geschwindigkeit lag bei etwa 2.450 km/h (Mach 2,3) in großer Höhe. Die Dienstgipfelhöhe betrug rund 18.000 Meter, was sie zu einem effektiven Abfangjäger gegen sowjetische Bomber machte. Die Bewaffnung bestand aus zwei 30-mm-Aden-Kanonen und zwei Firestreak- oder Red Top-Luft-Luft-Raketen. Die Lightning hatte jedoch eine relativ kurze Reichweite von nur etwa 800 Kilometern. Sie verfügte über ein Ferranti-AI.23-Radar, das zur Zielerfassung diente. Der Pilot saß in einem stark gepfeilten Doppeldeltaflügel-Design, das für hohe Geschwindigkeiten optimiert war. Die Lightning war bekannt für ihren senkrechten Steigflug direkt nach dem Start. Produziert wurde sie von 1959 bis 1972, in mehreren Varianten (F.1 bis F.6). Sie diente bei der Royal Air Force bis 1988 als Frontabfangjäger. Heute sind mehrere Exemplare in Museen und bei Flugshows zu sehen, oft noch flugfähig in Privatbesitz.

Box-Art/Verpackung
In der Schüttbox befinden sich insgesamt drei Spritzlinge in den Farben Hellgrau, Weiß und Schwarz. Zusätzlich sind ein kleiner klarer Spritzling, Decals und eine Bauanleitung enthalten:
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Auf der Box-Art sind zwei Lightning über den Wolken in einer schönen Illustration zu sehen. Auf der anderen Seite befinden sich die Informationen zur Tarnung und zur Position der Decals:
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Einfach klassse!!

Die Spritzlinge
Matchbox stand damals für Qualität, was man auch den Spritzlingen ansieht. Es gibt keine großartigen Details, aber alles ist super sauber gespritzt und nichts ist verzogen. So werden Spritzlinge gemacht, meine Herren! Erstaunlich ist auch, dass die Teile so effizient auf den Spritzlingen verteilt wurden, dass nur drei Spritzlinge in verschiedenen Farben aus der Box fallen:
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Die Panellines auf den Tragflächen …

… und dem Rumpf sind dem damaligen Stand entsprechend alle erhaben:

Teilweise sind sie schon etwas dick, also muss man sie, wenn man detailverliebt ist, etwas abfeilen. Sogar eine Pilotenfigur ist enthalten, die auch brauchbar ist. Nice!
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Die übrigen Details sind halt dem Alter des Kits geschuldet – immerhin ist er 50 Jahre alt:

Klarsichtteile
Das Klarsichtteil beschränkt sich auf die Cockpit-Haube, die sehr gut gelungen ist:
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Sie ist etwas dick gegossen, macht dafür aber ihrem Namen alle Ehre, denn sie ist glasklar, selbst nach all den Jahren!

Decals
Die Decals sind von sehr guter Qualität. Sie stammen vermutlich aus eigenem Hause. Sie haben die Jahre gut überstanden und weisen kaum Gelbstich auf:
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Bauanleitung
Die beidseitig in Schwarz-Weiß gedruckte Bauanleitung ist im DIN-A5-Querformat gestaltet:
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Wie immer gilt: wenige Teile, wenige Probleme. Die Bauanleitung ist nicht überfrachtet. Sie ist sehr verständlich. Selbst Anfänger kommen damit klar. Insgesamt neun Bauschritte führen zu einer fertigen BAC Lightning:

Das Fahrwerk kann wahlweise ausgefahren oder eingefahren verbaut werden. Da der übliche Matchbox-Ständer nicht vorhanden ist, (wohl schon ab Werk nicht), werden wir uns für die Version mit ausgefahrenem Fahrwerk entscheiden. Auf der anderen Seite gibt es Informationen zu Farben (Humbrol – wir sind ja in England!) …
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… Sicherheitsinformationen und ein paar Infos über das Flugzeug:

Wie bereits erwähnt, spielt die Farbe auf der Rückseite des Kartons eine Rolle. Dort geht es um die Tarnung und die Position der Decals. Gebaut werden kann jeweils eine Maschine Lightning Squadron F.6. RAF No: 74 Squadron Singapore August 1970, Lightning F.2A. RAF No: 92 Squadron Gutersloh West Germany June 1974.

Fazit
Matchbox war lange Zeit ein Platzhirsch in der Modellbauszene und hat wirklich gute Modelle und innovative Ideen hervorgebracht. Ein Schmuckstück liegt nun auf dem Tisch. Die britische Lightning ist ein sehr ungewöhnliches Flugzeug aus der Zeit des Kalten Krieges. Sie ist sehr gut umgesetzt und einfach zu bauen. Jugendträume wurden wahr und lassen heute die Herzen der alten Hasen höher schlagen. Volle Empfehlung: Wer diesen Bausatz bekommt, sollte ihn auch in den Warenkorb packen, man wird nichts falsch machen!

Rating: 8 von 10

Sascha Müller, Modellbaufreunde Lingen