Lancia Beta Montecarlo Turbo in 1:24 von Heller #80741

45 Jahre (und etwas mehr) ist es nun her, dass Lancia sich zum Ziel setzte, dem dominierenden Hersteller Porsche mit dem 935 in der Gruppe 5 Punkte abzuluchsen oder gar Weltmeisterschaften zu holen …
Basierend auf dem wunderschönen Mittelmotorcoupe im Pininfarina-Kleid, dem Beta Montecarlo (von 1974 bis 1982), entwickelten die Techniker von Lancia, Dallara und Abarth unter anderem den Lancia Rally 037 und diesen Montecarlo Turbo. Während in der Serie 1.8 und 2.0 Liter Motoren (85 bzw. 120 PS) verbaut wurden, hatten sie für den Rennwagen mit einem kleineren(!) 1.5-Liter-Triebwerk anfangs nur 370 PS, dann satte 450 PS raus gezaubert. Damit gelang es ihnen schließlich 1981 beim 24-h-Rennen von Le Mans mit der #68 – einem ikonischen Rennwagen, der von Finotto, Pianta und Schon pilotiert wurde.

Heller präsentiert uns nun genau mit dem hier vorliegenden Bausatz diesen Lancia Beta Montecarlo Turbo – den Le Mans-Sieger von 1981.

Jetzt aber zum Bausatz

Das Schachtelbild ist zeichnerisch flott gestaltet und zeigt uns auf der Rückseite eine Kurzinfo zum Modell, die Decals, die uns erwarten und die benötigten Farben:
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Heller druckt uns auch immer das ursprüngliche Ausgabejahr mit auf den Karton – 1982 in diesem Fall. So weiß der Käufer, ob er sich auf betagte oder neue Qualität einstellen muss.

1982 bringt mich in der Historie des Bausatz etwas ins grübeln, taucht der Humbrol-Heller Bausatz mit der selben Bausatznummer 80741 erst 1986 auf. Zuvor finde ich nur ESCI in 1979 (#3014) und 1980 (#3017) oder Revell/ESCI (#H-2374) . Suspekt.

Sei es drum. Auf der Seite können wir noch die Modellabmessungen der „No.68,LM 24h, 1981“-Version erhaschen. Maßstab 1/24 , Länge 186mm.

Was erwartet uns, wenn wir den Bausatz ausschütteln?

Heller-typisch wird nichts ausgeschüttelt – wir klappen auf und finden drei weiße Spritzlinge, einen klaren Gießast und vier Gummireifen. Natürlich sind die Bauanleitung und die Decals ebenfalls enthalten. Der obligatorische Türanhänger fürs Bastelzimmer und ein kleines Heftchen mit Heller-Bausätzen liegen bei. Die Anzahl der Bauteile sind mit 122 angegeben:
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Die Spritzlinge

Die Bauteile sind in massivem Weiß gespritzt – damit meine ich die sehr gut anmutende Kunststoffqualität, durch den ich nicht durchschauen kann, wenn man die Karosserie gegen das Licht halte 😉.

Der erste Spritzling umfasst den Großteil der Karosserie, die mit zu öffnenden Hauben dargestellt werden kann. Das hat mich erfreut, da ich mit Motorsport eher nichts am Hut habe – die offene Karosserie hat mich dann doch gereizt:
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Betrachtet man den Spritzling näher, können sich die scharfen Details sehr gut sehen lassen. An der Karosserie findet sich zwar ein Grat, der läßt sich mit Sicherheit einfach entfernen.

An der Heckklappe fallen dennoch starke Sinkstellen an der Innenseite des Heckspoilerfußes ins Auge:

Spritzling Nummer zwei umfaßt die – ich nenne es mal Kleinteile für Motor / Fahrwerk und Felgen sowie Sitze:
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Die Kleinteile sind im Detail sehr sauber und nicht ausgewaschen. Felgen durchbrochen, Motorteile oder Ladeluftkühler sind präzise und scharf an Details. Gießgrate finde ich kaum nennenswert. Nur eines fällt mir auf: an den Zusatzleuchten sind die Bauteilnummern ausgeblendet – deutet doch auf den 1979er Bausatz zu, der die Scheinwerfer montiert hatte:

Der dritte Spritzling umfaßt dann das Chassis, Kleinteile des Innenraumes und ein paar Bauteile der Aufhängung:
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Die Innenraumseite ist sehr gut strukturiert, die Auswerfermarken sind aus meiner Sicht nicht störend. An den Türinnenseiten kann man etwas Fischhaut erkennen. Ansonsten ist die Qualität sehr gut:

Nächster Gußast – die Klarteile
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Da sie Heller immer separat verpackt, haben sie keine Kratzer oder Beschädigungen.
Sie sind, das Alter berücksichtigend, recht dünn und sauber gespritzt. Die Frontscheibe wirkt etwas schlierig, die Heckscheibe wiederum sehr klar:

Die Reifen sind in alter Manier aus Vollgummi und haben erfreulicherweise die korrekte Reifenbeschriftung „Pirelli P7 Corsa“ – und diese ist auch noch erhaben. Perfekt! Ohne Trennnaht und trotz Slick eine griffig wirkende Oberfläche:
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Schauen wir und die Decals an.

Heller wählte die legendäre „68“. Die Decals sind durchweg gut und scharf gezeichnet. Haben keinen Versatz und –  weshalb ich die Version schick finde – man muss die Karosserie nur weiß lackieren. Alles andere decken die Decals ab:
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Erwähnen möchte ich noch die zwei unterschiedlichen Scheinwerferbestückung: zwei oder vier Hauptscheinwerfer als Decals sind beigelegt. Sie sehen sehr realistisch aus und die, die übrig bleiben, können getrost für andere Modelle, die keine schicken Scheinwerfer haben verwendet werden:

Die Bauanleitung ist im typischen Design, Gliederung und Lesbarkeit aufgebaut:
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Die Bauanleitung startet auf Seite 3 mit einem ausführlichen Text in verschiedenen Sprachen zum Fahrzeug und ein bisschen technische Daten:
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Es folgt die benötigten Farben (13 an der Zahl) und Erklärung der Symbolik in den Bauschritten. Wenn andere Symbole als die Nummerierungen in den Baustufen abgebildet sind, dann bitte den Karton noch einmal öffnen und die seitlichen Aufdrucke der Kartonunterseite in Augenschein nehmen. Da finden wir alle Symbole die Erklärungsbedarf fordern. Das hat sich mittlerweile bei Heller eingebürgert:
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Es folgt sofort die erste Baustufe mit dem Motor und die Bauanleitung leitet uns über vier Seiten oder 20 Baustufen zum fertigen Modell. Verständlich und klar gezeichnet, aus meiner Sicht habe ich nichts zu beanstanden. In Baustufe 17 habe ich die Wahl der Scheinwerfer. Hier entweder (die falschen Einzelscheinwerfer-) Glasteile Bauteil 94 und 95 auf den silber bemalten Untergrund einsetzen oder mit einem Plastikstreifen die Prägestellen an den „Scheinwerfer“-flächen einebnen und die Decals aufbringen. Hier gibt Heller wahlweise Einzel- oder Doppelscheinwerfer an.

Folgt man dem Deckelbild, hatte das abgebildete Le Mans-Fahrzeug Nr. 68 Doppelscheinwerfer…was meinem Kenntnisstand entspricht.

Auf Seite 9 beschäftigt sich die Bauanleitung in der Baustufe 21 mit der Decalierung, gefolgt von einer Seite Bauteileübersicht:

Die letzten zwei Seiten sind dem Marketing gewidmet 😉
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Fazit

Ich bin mit Rennfahrzeugen und der Historie nicht bewandert, dennoch hat mich der Lancia gereizt – wegen der Möglichkeit, die Hauben zu öffnen.

Aus meiner Sicht ist der Bausatz sehr gut in der Detailierung, der Kunststoff- und Spritzqualität. Ich habe wenige Gießgrate oder Fischhäute gefunden, was den Bau vereinfachen sollte. Durch Erfahrung kann ich hier auch vermuten, dass auch dieser Kunststoff sich sehr gut bearbeiten und verkleben lässt.

Ärgerlich ist die verzogene Motorhaube gewesen, Heller hat jedoch prompt Ersatz geliefert. Danke hierfür! Die Sinkstelle an der Innenseite des Heckspoilerfußes ist leider sehr auffällig und überarbeitungswürdig.

Der Bausatz glänzt durch seine Details, der erhabenen Reifenaufschrift und die sehr guten Decals. Die Gußäste sind nicht ausgewaschen oder haben eklatante Fehler,

Zudem werden die Räder nur gesteckt, so dass man den Wagen aufgebockt mit demontierten Rädern und offenen Hauben darstellen kann. Man schaut nicht in leere Radkästen, denn zumindest sind Bremsscheiben im Teileumfang enthalten.

Über die Passung kann ich noch nichts sagen, das wird sich im Bau zeigen.

Ein winziger Fehler hat sich dennoch eingeschlichen – was die Reifenaufschrift betrifft, sind gelbe Streifen auf dem flotten Deckelbild zu erkennen. Da muss ich leider sagen, dass derzeit die Reifenaufschrift von Pirelli weiß war …und die Recherche bzgl der Scheinwerfer habe ich noch nicht abgeschlossen 😉 .

Nichts desto Trotz: meine Empfehlung wert! Wer sich dem detailierungswahn hingeben möchte, hat hier eine gute Gelegenheit einen offenen Rennwagen im Servicebereich in Szene zu setzen!

Erhältlich bei Modellbau Universe.

Dominik Weitzer, Modellbaustammtisch Recklinghausen