Airfix hat seinen alten Jaguar-Bausatz im Quarterscale aus dem Jahre 1994, der über die Jahre auch in verschiedenen Auflagen und Kooperationen erschienen ist, nun endlich durch eine komplette Neukonstruktion abgelöst. Das wurde auch mal Zeit!
Am großen und ausreichend stabilen Karton sind seitlich die vier Lackierungs- und Markierungsmöglichkeiten aus dem Bausatz informativ abgebildet. Die britischen Jagdbombervarianten sind damit über ihre Einsatzzeit recht gut abgedeckt.

Im Karton gibt es etliche Spritzäste für insgesamt 243 Bauteile, einen umfangreichen Decalbogen und die Anleitung mit einigen Farbseiten für die Lackierungs- und Markierungshinweise der einzelnen Flugzeuge und der Beladung mit Tanks, Bewaffnung und Sensorbehältern.

Kommen wir also zu den Spritzästen, bei denen es mit den Ästen A1 und A2 mit jeweils einer Rumpfhälfte für den mittleren und hinteren Rumpf beginnt.

An den Innenseiten haben diese allerhand Platzierungshilfen für umfangreiche Einbauten hinter dem Cockpit und den Lufteinlässen.

Von außen sieht man ebenfalls die offenen Bereiche für den Einbau der Fahrwerkschächte und den Anbau der Lufteinlässe, der Luftbremsen und der Kanonenverkleidungen.

Die Oberflächen weisen sehr saubere und feine vertiefte Gravuren und auch erhabene Darstellungen wie Niete und Hutzen auf.
Die Oberflächenausführung ist insgesamt auf sehr hohem Niveau und bietet eine hervorragende Ausgangsbasis für die Lackierung und deren Nachbearbeitung. So sieht es auch bei der anderen Rumpfhälfte aus:
Ast B enthält die großen Teile für die durchgehenden (gut!) Tragfächen, das Heckleitwerk mit zwei alternativen Seitenleitwerken und zwei Pilotenfiguren.

Die obere Tragflächenschale enthält nach unten herumgezogene umlaufende Kanten. Die unteren Einbauteile füllen dann die verbleibenden Flächen. Nacharbeiten an den Tragflächenkanten werden so vermieden. Diese Konstruktion ist sehr begrüßenswert.
Die Ausführung der Oberflächen entspricht der bei den Rumpfseiten.
Dies gilt auch für die Seiten- und die Höhenleitwerke.
Die Piloten sind leider – wie so häufig bei Airfix – Zwillinge und komplett in einem Teil gespritzt. Das sollte doch wohl mal anders hinzubekommen sein. Ebenso wie die Darstellung mit beiden Händen auf den Knien. Das sieht nicht so richtig spannend aus. Hier ist noch Verbesserungspotential. Ansonsten sind die Figuren mit gut dargestellten Helmen, Gurtzeug und Taschen sowie einer schönen Maske mit Schlauch ganz ansehnlich ausgeführt.

Ast C enthält dann weitere Teile für die Rumpfkonstruktion, das Tragwerk und die beiden Triebwerke.

Im Einzelnen gibt es hier die hintere untere Rumpfabdeckung im Bereich der Triebwerke, die wieder die sehr gute Oberflächendarstellung aufzeigt.

Weiterhin gibt es hier die jeweils zweiteiligen Lufteinlässe, die am Rumpf zu platzieren sind. Die Darstellung der auffälligen seitlichen Lufteinlassklappen ist hier gut gelungen.
Weiter geht es mit dem Ruder- und Klappenwerk für die Tragflächen, bei denen alle Teile mit Laschen für die hängende Montage versehen sind. Hier gibt es auch noch die fehlende Hälfte des ECM-Behälters am Seitenruder:
Für die Triebwerke gibt es jeweils vier Teile mit etwas vertieften Schubrohren:

Die Ausführung dieser Teile ist unterschiedlich zu beurteilen. Das Schubrohr und der Flammhalter sind von eher bescheidener Qualität, die innenliegende Schubdüse verspricht allerdings gute Möglichkeiten zur farblichen Detaillierung:
An diesem Ast gibt es als Besonderheit eine Montagehilfen für die Lufteinläufe. Ob es die braucht, kann ich noch nicht so recht beurteilen. In jedem Falle muss man schon vorsichtig sein, die benötigten Bauteile und die Montagehilfen nicht miteinander zu verkleben:

Spritzast D zeigt beispielhaft die hier gepflegte kleinteilige Zusammenbauphilosophie vorn Airfix. Hier gibt es neben dem Fahrwerk massenweise hochdetaillierte Wände zur Herstellung der Fahrwerkschächte, die manch anderer Hersteller jeweils einteilig oder gar komplett mit den Rumpfteilen zusammen gespritzt hätte. Leider sieht man davon später nur wenig bis gar nichts mehr, wenn man beim Bau die Möglichkeit wählt, die Schachtabdeckungen geschlossen anzubringen. Hier gibt es auch die Bauteile für Fahrwerkschachtklappen und die Luftbremsen:

Folgend mal eine ganze Reihe von den Wänden für die verschiedenen Fahrwerkschächte mit bestmöglicher Detaillierung. Da kann es einem schon die Sprache verschlagen:
Die Luftbremsen haben feine und sehr scharfe Öffnungen:

Und nun noch etwas von den Bestandteilen für die Fahrwerke mit feinen wieder hochdetaillierten Streben aber eher durchschnittlichen Rädern mit recht großen Auflageflächen, die leider halbiert sind und daher vermutlich reichlich Nacharbeit erfordern:
Ast E ist ebenfalls ein Klein- und Winzigteileast:

Auch hier ein Blick auf diverse Abdeckungen, Hutzen und Messfühler. Für die große Hutze hinter dem Cockpit gibt es hier ebenfalls eine Schablone für die Bohrungen der Antennenbefestigung:
Hier gibt es ebenfalls wieder Streben in feinster Ausführung:

Ast F liefert dann für die Tanks und die Träger wieder etwas größere Bauteile:

Die Tanks sind sauber ausgeführt:
Das gilt auch für die verschiedenen Lastträger, die im Original meist Wartungsklappen und sichtbare Anzeigen sowie Stelleinrichtungen haben:
An diesem Ast gibt es auch zwei Abdeckkappen für die Lufteinläufe (FOD-Cover), die am Boden bei nicht laufenden Triebwerken fast immer eingesetzt sind:

Ast G enthält Teile für zwei insbesondere an den Kopfstützen unterschiedliche Schleudersitze. Das ist auch zutreffend, da die Jaguar im Laufe ihrer langen Dienstzeit mit verschiedenen Martin-Baker Sitzen ausgestattet wurden. Hier ist der Sitz je nach gewählter Variante zu verwenden, wobei zumindest bei der ersten Markierungsmöglichkeit mit Sicherheit noch kein Mk.9 Schleudersitz eingebaut war, sondern ein MK.4. Der andere komplette Sitz bleibt also übrig, was in Anbetracht der mehrteiligen gut detaillierten Ausführung eine schöne Zugabe ist:

Hier die Seitenteile. Erst der frühe Sitz, dann der spätere:


Am Ast befinden sich einige weitere Teile für die Vervollständigung der Sitze mit Sitzplatten, Sitz-, Kopf- und Rückenpolstern und Abzuggriffen:
Die Sitze sind ohne Gurtzeug ausgeführt, da die Verwendung der Pilotenfiguren vorgesehen ist und das Gurtzeug dort angespritzt ist.
Der letzte graue Ast H ist groß ausgefallen und passt gerade eben in den Karton. Er bringt die Teile für den Vorderrumpf der Einsitzer mit Einbauten und für diverse Aufhängelasten. Hier sind dann auch die Schablonen und die neuen Bauteile für den Umbau der Rumpfspitze dabei:

Die Vorderrumpfhälften weisen wieder die sehr hochwertige Detaillierung der anderen Rumpf- und Tragflächenteile auf:
Innen sind in diesen Bauteilen umfangreiche und kräftige Passungen für die Einbauten vorhanden. Das dürfte den Zusammenbau auf jeden Fall erleichtern:

Für die Cockpitwanne gibt es zunächst eine Grundkonstruktion, die alle weiteren Teile aufnimmt:

Die Seitenkonsolen, das Instrumentenbrett und die hintere Abschlussplatte des Cockpits sind hervorragend dreidimensional ausgeführt. Hinzu kommt hier dann noch die Abdeckplatte über dem Instrumentenbrett:
An „Unterhängseln“ gibt es den Aufklärungsbehälter (sehr gut!) und den ECM-Pod sowie den Düppelwerfer (auch noch Gut):
Die Raketenbewaffnung mit allem Drum und Dran für die Tragflächenoberseiten fällt ebenfalls gut detailliert aus, wobei die Raketen selbst den schwächeren Teil ausmachen:
Die Bomben sind dagegen eher schlicht. Leider fehlen einige andere Typen, die auch Verwendung gefunden haben, ebenso die Aufhängemöglichkeit unter den Tragflächen:

Zum Abschluss der grauen Teile noch die Pitotrohre für die beiden Bugvarianten, die für Spritzguss gut ausgeführt sind. Wie bei jedem Bausatz sind diese speziellen Bauteile als gedrehte Metallteile vom Zubehörmarkt besser dargestellt und auch bruchsicherer:

Ebenso hier noch die beiden Teile für die frühe Bugspitze:

An Klarsichtteilen gibt es zwei Spritzäste. Der Ast M ist der kleinere und enthält die kleinsten Abdeckungen für Positionslichter usw. :

Der größere Klarsichtast P widmet sich den größeren Teilen wie insbesondere für die zweiteilige Cockpitabdeckung:

Die Cockpitabdeckungen sind mit sauberen Nachbildungen auch der genieteten Rahmungen sehr gut ausgeführt, können jedoch eine Behandlung in einer Glänzerflüssigkeit durchaus vertragen:
Die Durchsichtprobe wird im wahrsten Sinne des Wortes trotzdem jetzt schon „glänzend“ bestanden:
An diesem Ast gibt es auch noch eine Reihe kleinerer Klarsichtteile. So für das Lasergerät in der späteren Bugspitze und für die Visierscheibe im Cockpit:


Der Decalbogen liefert eine umfangreiche Ausstattung in sehr guter Druckqualität. Ein externer Hersteller ist nicht angegeben. Es wird immer mal wieder kolportiert, dass die Decals bei Cartograf gedruckt werden. Bei der Qualität liegt diese Vermutung auch nahe.
Die individuellen Kennzeichen für die vier Markierungsmögiichkeiten sind jeweils für sich gruppiert. Dazu kommen dann Decals für das Instrumentenbrett und die Seitenkonsolen, die mit kräftiger Settingflüssigkeit auf die vorbereiteten Plastikteile aufgebracht für eine realistische Darstellung sorgen, die sich sehen lassen kann. Die Masse der Decals machen dann umfangreiche Hinweis- und Wartungsmarkierungen aus, die auch für die Außenlasten vorhanden sind:
Die Gesamtausstattung ist damit absolut vorbildlich in Qualität und Menge.
Die Anleitung beginnt mit einer sehr kurzen historisch-technischen Einführung in fünf Sprachen und allgemeinen Hinweisen:
Die grafischen Darstellungen beginnen ungewöhnlicherweise mit den variantenspezifischen Ausstattungen bei den Außenlasten…
… und Hinweisen zur Verwendung der Decals und von Lackierungen im Innenbereich, die in den Baustufen keine Berücksichtigung finden:
An dieser Stelle sind diese Hinweise gut untergebracht.
Die Zusammenbauanleitung erstreckt sich über 138 Baustufen bei 243 Bauteilen. Airfix ist hier also sehr kleinteilig vorgegangen, was den Zusammenbau aber durchaus wirksam unterstützt.
Es beginnt wie so häufig dann mit dem Zusammenbau der Cockpitschale und des Schleudersitzes. Hier entsteht dann schon ein hochdetailliertes Innenleben für das kleine Cockpit der Jaguar:
Weiter geht es mit dem Bugradschacht, der unter der Cockpitschale verklebt wird. Hier gibt es auch die Hinweise für die Entfernung der Bugspitze und deren Umbau ohne die Verglasung vorne. Hierzu gibt es für jede Rumpfschale eine gespritzte Schablone für die Platzierung der Schnittstelle. Das ist mal optimaler Dienst an den Kunden!

Nach der Entscheidung zur Form der Rumpfspitze geht es an den Zusammenbau der Hauptfahrwerkschächte und deren Einbau in die Rumpfschalen. Danach kann der Rumpf dann schon nahezu komplettiert werden:
Der Zusammenbau der Lufteinläufe auf der bereits erwähnten Montagehilfe, deren Anbau und die Anbringung der ersten großen Tragflächenteile führen dann weiter zur Komplettierung des Rumpfs mit oberseitigen Lufthutzen und dem Seitenleitwerk:
Die Triebwerkeinbauten, Höhenleitwerke, Düppel- Fackelwerfer und die Grenzschichtzäune bzw. Pylone an den Tragflächenoberseiten folgen dann ebenso wie die Anbringung der Landeklappen, Querruder und der Vorflügel. Hier ist nur die Darstellung für die geparkte Aufstellung ohne Systemdruck beschrieben. Mit einer Bearbeitung der Bauteile sollte sich ggf. auch eine eingefahrene Darstellung ermöglichen:
Der sehr diffizile Zusammenbau der Fahrwerke, die Herstellung der Räder und die Anbringung der (wieder geöffneten) Luftbremsen genau hinter den Fahrwerkschächten stehen im Mittelpunkt der nächsten Bauschritte. Hier muss entschieden werden, ob die großen Hauptfahrwerkabdeckungen geöffnet oder geschlossen dargestellt werden können. Es ist also ein Bau mit vielen Öffnungen und herabhängenden Teilen möglich. Das ist aber auch eine ordentliche Herausforderung für die individuellen Fähigkeiten beim Zusammenbau und der Lackierung:
Etliche abschließende Bauschritte folgen dann noch mit kleinen und kleinsten Antennen, Hutzen, Sensoren und Lampen, der Entscheidung ob die Verschlüsse vor den Lufteinläufen montiert werden sollen und der Verklebung der Teile für die Cockpithaube:
Ganz zum Schluss geht es an die Arbeiten für die Ausrüstung mit Tanks, Düppelwerfer, ECM-Pod und der Bombenbewaffnung. Letztere fällt etwas sehr knapp aus, da nur jeweils zwei Bomben an der Mittellinie anbringen kann. Die genauen möglichen Konfigurationen haben wir ja schon am Anfang der Anleitung kennengelernt
Die Lackierungs- und Markierungshinweise liegen einzeln bei und sind mit den Vier-Seiten-Ansichten auf jeweils einer DIN-A4-Seite hochwertig farbig gedruckt. Es beginnt mit einer sehr frühen GR.1, kurz nach Indienststellung 1975, die noch nicht die verglaste Bugspitze für das Lasersystem zur Entfernungsmessung und Erkennung von markierten Zielen hat. Die Tarnung hat hier noch helle Unterseiten und ebensolche Pylone und großflächige Staffelmarkierungen:

Weiter geht es dann zu einer Maschine vom Ende der Einsatzzeit 1990 – 1994. Hier ist die grün-graue RAF-Standardtarnung auch um die Unterseite herumgezogen und erstreckt sich auch auf die Pylone. Die Staffelmarkierungen sind hier deutlich dezenter. Eine Besonderheit stellt hier die auf den ersten Blick gar nicht so auffallende Aufschrift „Flying Canopeners“ „Fliegende Büchsenöffner“ oben auf dem Seitenruder dar, die wohl nur im September 1994 auf dieser Maschine getragen wurde. Hier wurde auch die Buchstabenkennung auf dem Seitenleitwerk durch eine 04-Nummer ersetzt:

In den kriegerischen Einsatz beim Golfkrieg geht es mit der nächsten Variante, die komplett in „Desert Pink“ lackiert ist – tatsächlich ist es eine helle Sandfarbe. Hier gibt es reichlich Einsatzmarkierungen und auch ein züchtiges Zapping. Die Tarnfarbe wurde hier über die ursprüngliche Lackierung und auch alle Wartungshinweise hinweg aufgetragen, so dass wenige Decals aufzubringen sind:

Schließlich gibt es als vierte und hier letzte Möglichkeit noch eine rundum in den Standardfarben lackierte Maschine der in Deutschland stationierten RAFG, die insgesamt 4 Staffeln mit Jaguar zum Einsatz brachte. Drei Staffeln mit Schwerpunkt im Jabo-Einsatz waren in Brüggen stationiert. Die hier mögliche Maschine aus Laarbruch hatte den Einsatzauftrag mit Schwerpunkt der Aufklärung:

Für Tanks, Bewaffnung pp. gibt es eine Extraseite mit Hinweisen zur Lackierung und Anbringung der Decals. Gut gemacht!

Fazit
Airfix hat ja bereits mit den letzten Buccaneer und Gannet-Bausätzen in 1:48 einen Platz unter den Spitzenherstellern eingenommen. Dieser Jaguar-Bausatz reiht sich darin nahtlos ein. Er stellt dabei nicht nur die älteren eigenen Bausätze in den Schatten, sondern auch die bisherigen Bausätze anderer Hersteller. Auf weitere Ausgaben aus dieser Basis für z. B. französische Jaguare und für Doppelsitzer oder die noch offene Variante GR.3 dürfen wir uns schon jetzt freuen.
Auch wenn man sich ggf. doch mehr Alternativen bei der Beladung und den Tragflächenrudern und -klappen gewünscht hätte, sind die zurzeit aufgerufenen Preise in Anbetracht der gebotenen Qualität und des sonstigen Ausstattungsumfangs auf jeden Fall angemessen. Modellbauerfahrung ist zum gelungenen Bau in Anbetracht der großen Teilezahl und der der teileweise diffizilen Einzelheiten der Konstruktion sicherlich erforderlich.
Also ganz einfach: Wenn eine Jaguar in 1:48, dann künftig diese!
Erhältlich bei Modellbau Universe.
Hermann Geers, Wietmarschen






















































































