Martin Baltimore Mk. I/II in 1:48 von Special Hobby # 48160

Die Martin Baltimore ist von den Bausatzherstellern in 1:48 bisher sehr stiefmütterlich behandelt worden. Es gab vor knapp 20 Jahren Bausätze von Classic Airframes, die mittlerweile nur noch antiquarisch erhältlich sind und davor Vacu-Bausätze. Das war es auch schon …
Die Baltimore teilt insoweit das Schicksal ihrer Vorgängerin Maryland. Das mag sicherlich daran liegen, dass beide schon zur Zeit ihrer Erstflüge nicht die erste Wahl der US Army Air Force waren und dann in Anbetracht des heraufziehenden Zweiten Weltkrieges Großbritannien und Frankreich angeboten werden konnten und auch bestellt wurden. Für Frankreich kamen die Baltimores zu spät; so gingen alle an die RAF, die sie intensiv in Nordafrika und dem Mittelmeerraum einsetzte, schnell aufbrauchte (das Deckelbild gibt einen guten Eindruck davon) und durch leistungsfähigere Nachfolger ersetzte. So konnte die Baltimore wenig Meriten ernten, was sich wohl auch auf die Modellbaukarriere auswirkte.
Nun dürfen wir endliche einen neuen Bausatz begrüßen, der vier Lackierungs- und Markierungsmöglichkeiten bietet, die an der Kartonseite zusammengefasst abgebildet sind:
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Im Karton gibt es die Spritzäste, einen Decalbogen, zwei Ätzplatinen und die Anleitung als Grundbausatz:
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Schauen wir auf die Spritzäste und beginnen mit Ast A, der insbesondere zwei Rumpfhälften beinhaltet:
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Da kommt dann gleich doch etwas Enttäuschung auf. Haben wir hier doch Spritzäste, die eher nach Short-Run-Formen aussehen und die Oberflächenqualität der Spritzgussäste aus Stahlformen anderer Neuausgaben der letzten Zeit von Special Hobby keineswegs erreichen. Für Short-Run sieht das aber auf der anderen Seite gut aus. Hier die linke Rumpfhälfte:
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Die Oberflächen mit vertieften Gravuren und einigen erhabenen Verstärkungen sind kräftig ausgeführt:

Am Heck ist das bespannte Seitenruder fein ausgeführt. Ist kein „Stressed Skin“, sieht aber so aus:

Bei der rechten Rumpfhälfte sieht es natürlich genauso aus:

In den Rumpfinnenräumen gibt es eine durchweg kräftige Darstellungen der Wände mit den Spanten, Positionshilfen für die Böden und leider auch ein paar Auswerfermarken. Insgesamt dürfte von der Darstellung auch bei eingeschränkten Einsichtmöglichkeiten durch die Klarsichtteile einiges erkennbar bleiben. Diese Ausführung hat also durchaus etwas für sich:

Schließlich gibt es hier noch zwei Teile, die für die hier betreffenden Varianten nicht benötigt werden, uns also den Ausblick auf künftig folgende Ausgaben späterer Varianten geben:
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Spritzast B liefert uns die linke Tragfläche aus zwei Schalen, eine Motorhaube und einen Fahrwerkschacht:
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Die Oberflächen fallen hier besser aus als am Rumpf; die Darstellung der Schrauböffnungen an zu öffnenden Paneelen und der runden Deckel ist dabei überwiegend gut gelungen:
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Hier noch etwas näher in der Ansicht für die Oberschale …
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… und auch noch an der Unterschale:

Die Motorhauben fallen dagegen in der Detaillierung ab:
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Der Fahrwerkschacht ist dann wieder ganz gut ausgeführt und schön tief mit kräftigen Details an den Wänden:
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Ast C enthält dann die entsprechenden Teile für die rechte Tragfläche:
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Weiter geht es mit Ast D, der im Wesentlichen die Teile für das Höhenleitwerk liefert:
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Die Höhenleitwerke bestehen jeweils aus zwei Schalen; die Höhenruder sind nicht separiert. Die Ausführung entspricht den Tragflächen und dem Seitenleitwerk, kann sich also sehen lassen:

Weiterhin gibt es hier noch die Teile für die Herstellung der Ölkühler und der Verbrennungsluftfilter an den Motorgondeln:
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Beginnend mit Ast E geht es nun in die Richtung der kleineren Bauteile für Anbauten und die Ausstattung des Innenraumes. Ähnlich wie beim stark verbesserten wieder herausgebrachten Bausatz der He 177 von Special Hobby steigt hier die Qualität der Spritzgussausführung ganz deutlich:
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Widmen wir uns zunächst mal den Teilen für die Motoren, bei denen es den hinteren Stern als Relief gibt, der vordere Stern dann frei steht und an der nicht sichtbaren Hinterseite einige offenen Stellen hat, an der sichtbaren Vorderseite jedoch eine gute Struktur der Kühlrippen zeigt. Mit dem vorgesetzten Stern für die Stößelstangen (mit etwas Gussgrat, der entfernt werden muss) und dem sehr ansehnlichen detaillierten Kurbelgehäuse lassen sich gute Nachbildungen der Motoren herstellen:

Für die Hauptfahrwerkräder sollen hier die Räder mit dem Rautenprofil Verwendung finden, deren eine Hälfte hier vorhanden ist:
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Die Hauptfahrwerkbeine sind sehr gut nachgebildet:
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An diesem Ast finden sich noch viele Klein- und Kleinstteile für den Innenbereich, den Ölkühler und die Verfeinerung des Fahrwerks:

Ast F schließt hier an und zeigt sich ebenfalls in guter Form:
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Hier gibt es dann die beiden nächsten Hälften für die Hauptfahrwerkräder:
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Weiter geht es mit den Propellern, Felgen für die Hauptfahrwerkräder und zwei Hälften für das Heckrad. Die beiden Klappen in der Mitte werden für diese frühe Variante nicht benötigt:
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Auch hier gibt es wieder eine Vielzahl von kleinen Teilen für die Innenausstattung und die Fahrwerke:

Am Ast G fallen zunächst zwei Teile für ein Seitenruder auf, die wieder bei dieser frühen Baltimore nicht benötigt werden:
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Ansonsten gibt es hier für das Hauptfahrwerk die Fahrwerkschachtklappen:
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Weiterhin zwei Sitze, die noch mit dem Gurtzeug aus den Ätzteilen ergänzt werden und dann einen guten Eindruck hinterlassen sollten:
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Auch hier gibt es viele Bauteile für den Innenausbau, die sich in mindestens guter, teilweise sehr guter Ausführung präsentieren:

Besonders zu erwähnen sind die Zwillings-MG, die mit mehreren weiteren Bauteilen zu einer Lafette zusammenzubauen sind und für die eine umfangreiche Ausstattung mit Munitionsbehältern vorhanden ist:
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Von nahem betrachtet erkennt man ein wenig Gussgrat, der aber leicht zu entfernen ist. Es ist möglich, die Mündung etwas aufzubohren. Dann ergibt sich mit sorgfältiger Lackierung eine feine Nachbildung, die nicht unbedingt durch Zurüstteile ersetzt werden muss und in den halb offenen Abwehrständen gut sichtbar bleibt:
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Schließlich gibt es zum Abschluss der Betrachtung der grauen Äste noch den kleinen Ast H mit weiteren kleinen Teilen für den Innenausbau:

Der Klarsichtast CP enthält auch schon die Teile für Drehtürme, die erst in späteren Varianten Verwendung finden:
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Die großen Klarsichtteile für den Bug und die Abwehrstände sind sauber mit guten Darstellungen der Rahmen versehen:

Noch besser wird der Eindruck bei der Durchsichtprobe. Diese Klarsichtteile sind Spitzenprodukte!

Die größere der beiden Ätzplatinen liefert noch zu lackierende Teile für das Gurtzeug, die Ringvisiere der Abwehrbewaffnung, allerlei Hebel für die Bedienelemente und für Bleche an den Sitzrückenlehnen:
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Die größte Rückenlehne für den hinteren Pilotensitz ist hier jedoch fehlerhaft ausgeführt, da sie eine Öffnung zu wenig hat. Dies wird durch ein Ersatzteil in der kleineren Ätzplatine korrigiert. Gut aufgepasst bei der Endkontrolle Special Hobby!!
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Der beiliegende Decalbogen ist nicht mal DIN A-5 groß, enthält aber alle notwendigen Markierungen um die Außenseiten und die inneren Instrumente auszustatten. Einige der Modexnummern sind farbig hinterlegt; hier waren die Kennzeichen vor der Umlackierung auf die Wüstentarnung mit Erd- und Brauntönen auf den grünen Flächen abgedeckt worden. Das erleichtert somit die Markierung an diesen Stellen beträchtlich:
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Die Special Hobby Decals entsprechen schon seit längerer Zeit höchsten Anforderungen und können nach Durchtrocknung auch vom oberen Trägerfilm befreit werden, um einen sehr realistischen Eindruck zu vermitteln. Auch hier ist der Eindruck ohne Einschränkungen sehr positiv.

Die Anleitung kommt wie mittlerweile bei Neudrucken üblich im gut übersichtlichen DIN A-4 Format und beginnt mit einer historisch-technischen Einleitung in Englisch und Tschechisch:
Special-Hobby-48160-Baltimore-Mk.-I-und-II-82 Martin Baltimore Mk. I/II in 1:48 von Special Hobby # 48160Es folgt die obligatorische Übersicht über die Spritzäste:
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Dann folgen noch die beiden Ätzplatinen und die Farbhinweise, bevor es auf derselben Seite in bekannter Weise mit der Bauanleitung weitergeht. Zunächst stehen umfangreiche feine und teilweise sehr filigrane Zusammenbauten für den Innenraum an, die zu zwei Baugruppen führen. Dies sind einmal die hintereinander angeordneten Arbeitsplätze für den Piloten (hinten) und den Navigator/Bombenschützen, der auch eine Hilfssteuerung ohne Instrumentenbrett hat (vorne). Zum anderen gibt es eine Baugruppe für einen geschlossenen Raum für einen Funker/Bordschützen direkt hinter den Piloten, der nur durch zwei seitliche Fensterchen Licht erhält. Gleichzeitig sind schon weitere Einbauten an den Wänden der rechten Rumpfhälften vorzunehmen, bevor beide Baugruppen ebenfalls in die rechte Rumpfhälfte einzukleben sind. Die Lackierung des Innenraums muss parallel zum Zusammenbau erfolgen:

Damit ist längst noch nicht alles für den Rumpfzusammenbau erledigt. Weiter geht es mit der Ausstattung eines dritten Innenraums für den Abwehrstand, der von einem weiteren Bordschützen besetzt wird und von dem aus sowohl der obere Waffenstand als auch der in der Bodenwanne bedient wurden. Hier muss auch die linke Rumpfhälfte mit etlichen Einbauten versehen werden. Ganz nebenbei muss auch noch der Heckradschacht hergestellt werden. Mit der Abdeckung des oberen Waffenstandes und dem Einbau des Instrumentenbretts ist der Rumpfzusammenbau bis auf die Klarsichtteile zunächst erst mal erledigt:

Damit kann es an die Tragflächen und Höhenleitwerke gehen, bei denen zunächst recht rustikal aus zwei Fahrwerkschächten und den Tragflächenunter- und -oberschalen die Tragflächen entstehen. Die Höhenleitwerke entstehen ebenso aus jeweils nur zwei Ober- bzw. Unterschalen:
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Dann kann die große „Hochzeit“ stattfinden, bei der die Klarsichtteile für Rumpfspitze und Cockpitdach mit noch ein paar Kleinteilen, die Tragflächen und die Höhenleitwerke angebracht werden:
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Die nächsten Schritte widmen sich der Vervollständigung der Motorhauben und dem Zusammen- und Einbau der Motoren:
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Hier geht es dann gleich weiter mit der Befestigung der Motorhauben und der zugehörigen Filteranlagen bevor es zum kleinteiligen Fahrwerk geht, bei dem es mit der Montage der Hauptfahrwerkräder auf die Zielgerade geht:

Nach einigen Montagen am unteren Abwehrstand, dem Bugfahrwerk, den Propellern und auf der Rumpfoberseite ist dann alles an Ort und Stelle und es steht die Lackierung und Markierung an:
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Hierfür gibt es vier Möglichkeiten, die jeweils auf einer Seite komplett beschrieben sind. Zunächst gibt es eine Maschine aus dem ersten Halbjahr 1943 vom nordafrikanischen Kriegsschauplatz in der typischen Tarnung, die auch bei anderen Typen verwendet wurde:
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Gleiche Zeit, gleicher Ort und gleiche Staffel, nur eine andere Kennnummer: Das ist die zweite Möglichkeit:
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Bedeutend dunkler wegen des Einsatzes über dem Mittelmeer, aber noch mit hellblauen Unterseiten und dem gleichen Tarnmuster erscheint dann die dritte Maschine vom April 1943, stationiert auf Malta:
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Schließlich ist die vierte Maschine noch dunkler, da die Unterseite hier in einem sehr dunklen Grau ausgeführt ist. Sie war ebenfalls auf Malta stationiert, als Zeitraum wird Juli 1942 angeben. Hier ist das Tarnmuster an den Oberseiten gegenüber der dritten Maschine gleich in der Flächenaufteilung, aber die Farben sind vertauscht. Das gab es bei anderen Maschinen und anderen Luftwaffen so auch:
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Es gibt nur diesen Bausatz der Baltimore in 1:48. Da kommt er auch in einem Zustand, der gerade mit den Rumpfteilen den aktuellen Spitzenmaßstab denn doch nicht ganz erreicht, immer noch sehr Recht. Irgendwie teilt der Bausatz damit das Schicksal des Originals.
Bei dieser Sachlage ist die Ausgabe von Special Hobby eine (sehr) freundliche Begrüßung wert und kann auf jeden Fall die Basis für ein schönes Modell bilden, das anderweitig sonst nicht zu sehen ist. Erwähnen möchte ich nochmals die sehr hochwertig ausgeführte Inneneinrichtung, die durch die großzügigen und guten Klarsichtteile auch gut zu sehen ist.
Insoweit ist der Bausatz damit auch auf jeden Fall empfehlenswert; für die Modellbauer mit einer Ausrichtung auf den Mittelmeerkriegsschauplatz im Zweiten Weltkrieg ist er ganz klar eine Pflichtanschaffung – meine ich jedenfalls.

Erhältlich direkt im Special Hobby online-shop.

Hermann Geers, Wietmarschen