Unsere Neuheit ist in Wahrheit ein recht alter Bekannter aus Tschechien: 1994 brachte der Hersteller „Condor“ einen short-run Kit der He 178 in Spritzguss auf den Markt und seither hat MPM/Special Hobby diesen Bausatz mehrfach aufgelegt – so auch hier …
Kurzes Heinkel He 178 V-2 Intro
Die Ereignisse, die zum weltweit ersten Flug eines ausschließlich durch ein Turbo-Strahltriebwerk angetriebenen Flugzeugs führten, begannen, als Ernst Heinkel im März 1936 Dr. Hans J. Pabst von Ohain und dessen Assistenten Max Hahn einstellte. Bis September 1937 lief das erste Demon-strations-Strahltriebwerk, das HeS 1 (Heinkel-Strahltriebwerk Nr. 1), auf dem Prüfstand. Obwohl es mit Wasserstoff betrieben wurde und über keine Schubregelung verfügte, konnte das Triebwerk einen Schub von 250 kg erzeugen. Nach dem Erfolg des HeS 1 begann von Ohain mit der Ent-wicklung eines leistungsstärkeren Triebwerks, des HeS 3b; dieses wurde mit Benzin betrieben und war mit einer echten Schubregelung ausgestattet. Zudem begann die Arbeit an einer Flugzeugzelle, die von Grund auf für den Antrieb durch ein Strahltriebwerk ausgelegt war. Die He 178 V1 sollte über einen Metall-Schalenrumpf mit versenkten Nieten, Holztragflächen und ein Einziehfahrwerk verfügen; bei allen Tests mit der He 178 V1 blieb das Fahrwerk jedoch ausgefahren und die Radschächte waren abgedeckt. Rollversuche mit dem mit einem HeS 3b ausgerüsteten Prototyp begannen am 24. August 1939, und am 27. August absolvierte das Flugzeug seinen Erstflug von Marienehe aus. Dies war der weltweit erste Flug eines Strahlflugzeugs. Am 1. November wurde das Flugzeug im Rahmen von weiterführenden Erprobungen Vertretern des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) vorgeführt. Insgesamt absolvierte die He 178 V1 etwa zwölf Flüge, die von Flugkapitän Erich Warsitz durchgeführt wurden. Später erhielt das Flugzeug das leistungsstärkere Triebwerk HeS 6, Tragflächen mit größerer Spannweite sowie ein Einziehfahrwerk. Diese Version wird in einigen Quellen als He 178 V2 bezeichnet. Schließlich wurde die He 178 V1 an das Berliner Luftfahrtmuseum überführt, wo sie 1943 bei einem Bombenangriff – zusammen mit der He 176 – zerstört wurde.
Box-Art/Verpackung
Die Schüttbox enthält eine Plastiktüte und drei kleine Zip-Beutel. Darin finden wir 2 dunkelgraue Spritzlinge, 3D Druck Resin-Teile, ein klarer Spritzling, Ätzteilbogen, Decals und eine bedruckte Folie. Dazu noch eine in Farbe gedruckte DIN A5 Bauanleitung:

Die Box-Art zeigt die Heinkel He 178 V-2 im Flug, was eine sehr schöne Szene ist. Auf der Rückseite der Schachtel finden wir dann noch Hinweise zur Bemalung:

Die Spritzlinge
Die Spritzlinge sind sehr gut gespritzt, alles ist sehr gut wiedergegeben:

Leider befinden sich an den Tragflächen ein paar Sinklöcher:


Nach Betrachtung der Bauanleitung fällt ins Auge, dass diese Flügel nicht gebraucht werden, also Kommando zurück, alles ist gut. Denn es gibt einen neuen Spritzling mit den korrekten Tragflächen:

Das ist dann aber auch das einzige, was die notorische Meckerliese zu beanstanden hat. Gut, das erste Düsenflugzeug hat keine große Teileanzahl und das Cockpit wird mit einem beiliegenden Ätzteilbogen aufgewertet, ohne das wäre es auch sehr leer. Panellines und Gravuren sind Special Hobby typisch sehr dünn und fein und können voll überzeugen.
Klarsichtteile:
Klar und nicht verzogen gespritzt.
Resinteile
Der Fahrwerksschacht wird als Resinteil an seinem Supportblock geliefert:

Ich frage mich gerade, ob man vergessen hat, diesen in Spritzguss herzustellen, da der R
mpf für den Einbau auch umständlich aufgebohrt und ausgeschnitten werden muss, laut Bauanleitung??!!!
Kurzes „schlaulesen“:
Bei dem alten Condor-Kit sollten die Fahrwerkstreben auf die geschlossenen Fahrwerkschächte geklebt werden – da sind solche Resinschächte (auch wenn man dafür die Rumpfhälften aufschneiden muss) doch wesentlich besser!
Ätzteile
Auf dem Ätzteilbogen finden sich alle Teile für die Verfeinerung oder, sagen wir mal, überhaupt der Detaillierung des Cockpits:
Diese sind aber, wie immer, sehr schön wiedergegeben und werten das Cockpit definitiv auf.
Folie
Für die Darstellung der Instrumente im Cockpit wird eine kleine, bedruckte, dünne Folie geliefert, die zwischen die Ätzteile für das Instrumentenbrett geklebt werden muss:

Decals
Ein sehr kleiner Decalbogen liegt dem Bausatz bei, mit der Aufschrift „Heinkel“ für beide Rumpfseiten:
Dieser Schriftzug ist fein und versatzfrei gedruckt. Leider kann man nicht erkennen, von wem dieser gedruckt wurde.
Bauanleitung
Die Bauanleitung ist in Farbe im DIN-A5-Format gedruckt. Zehn übersichtliche Bauschritte führen uns zum fertigen Modell. Schritt eins dürfte die größte Hürde werden, da, wenn man die He 178 auf ihre Füße stellen will, man den Rumpf für das Fahrwerk und den 3D gedruckten Fahrwerksschacht öffnen muss. Gleiches gilt auch für den Hecksporn. Die restlichen Bauschritte sind selbsterklärend und ohne Probleme zu bewältigen:
Auf der ersten Seite gibt es Infos über die Geschichte der Maschine und auf Seite 2 eine Übersicht der Teile. Ab Seite 2 geht es dann mit dem Bau los bis Seite 4, Seite 5 die Bemalung und die Position der Decals und Seite sechs und sieben sind für Werbung weiterer Modelle aus dem Programm vorgesehen.
Fazit
Special Hobby bringt hier wieder etwas Feines auf den Basteltisch. Das erste Strahlgetriebene Flugzeug der Welt. Alles in allem sehr einfach zu bauen, wäre da nicht der Fahrwerksschacht. Man bekommt den Eindruck, dass Special Hobby hier etwas vergessen hat und das Ganze nachträglich ausgebessert wird. Diese Bohr- und Schneidearbeiten wird ein Veteran im Modellbau ohne Probleme hin bekommen, ein Anfänger wird das so ohne weiteres nicht bewerkstelligen können, um die He 178 auf ihre Füße zu stellen. Warum hier nicht 2 Rumpfhälften mit den dementsprechenden Aussparungen gespritzt wurden, verstehe ich so nicht, da es ja auch neue Flügel gibt. Nun ja, werden wir mit leben müssen, und trotz des sonst guten Eindrucks des Bausatzes gibt es hier Punktabzüge.
Rating: 6 von 10
Erhältlich im Special Hobby online-shop.
Sascha Müller, Modellbaufreunde Lingen

















