Unser heutiges Besprechungs „opfer“ ist ein alter Bekannter aus Bünde:
Der Mercedes-Benz 300 SL-24 Coupe von Revell …
Geschichte des Originals
Ich denke zu diesem Mercedes-Benz muss man nicht viel Worte verlieren. Für mich ist es eines der schönsten Coupes oder Cabriolets, die je gebaut wurden. Es gibt wenig Automobile, die selbst nach über 35 Jahren noch immer elegant aussehen und ein unverwechselbares Design haben. Ein herrliches Modell, welches 1989 auf den Markt kam und nach einer ungewöhnlich langen Produktionszeit von 12 Jahren erst abgelöst wurde. Während seiner gesamten Bauzeit wurden Motoren vom Reihen-6-Zylinder über V8 bis zum V12 aus der S-Klasse angeboten. Technisch brachte der SL (Werkscode R129) Neuerungen wie aktive Radaufhängungen oder Niveauregulierung, welche das Fahrverhalten deutlich verbesserten oder wurde bei der Sicherheit der Insassen des SL wert auf Schutz gelegt. So schützten bei Überschlag die weitgehend knicksicherer Windschutzrahmen oder der erstmals automatische Überrollbügel, der binnen 0,3 Sekunden hinter den Sitzen herausschnellte, die Insassen.
Geschichte zum Bausatz
Wie das Original kam die Erstausgabe 1989 auf den Markt (Bausatznummer 7174). Für Deutschland folgten noch zwei weitere Ausgaben in 1990 als Cabriolet (#7332) und dann wieder 2013 als Coupe (#07174). Zwischendurch wurde 1992 eine getunte Version des Brabus 3,6-24V (#7349) als Bausatz auf den Markt gebracht. Somit liegt uns lediglich die 5. Ausgabe des Bausatzes auf dem Tisch. Eine überschaubare Bausatzhistorie.
Die überarbeiteten Decals oder Bauanleitung mal außenvor gelassen hat sich der Inhalt überhaupt nicht verändert. Klar: beim Cabriolet wurde das Hardtop gegen das Softtop ausgetauscht, was aber an der Bauteileanzahl keinen Unterschied macht. Bemerkenswert: kein Bausatz enthält beide Dachvarianten.
Los geht es mit dem Modellbausatz. Auf den Karton geschaut …
Ich mag diese neue Aufmachung gerne leiden. Dem Kaufinteressenten wird gezielt das Modell schmackhaft gemacht. Vorbei sind die Zeiten, in denen auf der Rückseite noch gezeigt wurde, was der Hersteller noch im Programm hat. Da bei diesem Bausatz die Basisfarben mit Kleber und Pinsel beigelegt wurden, hat man die Rückseite leider mit übergroßen Sicherheitshinweisen voll gekleistert und den Bausatzinhalt lediglich auf eine lange Kartonseite gedruckt. Ich persönlich finde das schade und frage mich, warum man das nicht anders herum aufdrucken kann.
Aber was zeigt uns der Karton noch? Die Teileanzahl wird mit 110 angegeben, die Modelllänge wird 18,7 cm betragen (es mag kleinlich klingen: die früheren Ausgaben kamen mit 2-3mm kürzeren Modellen aus 😉), wir haben wieder den Aufdruck „Build + Paint“ auf dem Karton, was den Beilagen zu verdanken ist.
Mit dem Bausatz lässt sich nur das Coupe bauen. Das Softtop für die Cabriovariante liegt leider nicht dabei. Ebenfalls gibt es nur die „Build + Paint“-Variante des Bausatzes.
Was mich am Meisten irritiert, ist der Aufdruck „140 Years Of Innovation“. Was das zu bedeuten hat, erklärt weder die Umverpackung noch die Bauanleitung. Wir finden sowieso keinerlei Informationen über das Original. Also bleibt uns das ein Rätsel, so lange man nicht recherchiert, was denn vor 140 Jahren gewesen ist? Mit den Marken hat es mal nichts zu tun. Nach dem Zusammenschluss von Daimler-Motoren-Gesellschaft (gegründet 1890) und Benz & Cie (gegründet 1883) ist die Daimler-Benz AG (heute: Mercedes-Benz Group) entstanden, welche die Marke „Mercedes-Benz“ 1926 einführten. Schaut man dann mal genauer hin, finden wir die Jahreszahl 1886 als das Jahr, in dem das Unternehmen das Patent auf – kurz gesagt – den Benz Patentwagen erhielt und damit als erster deutscher Automobilhersteller in die Geschichte eingeht. Da hätte man doch auf den Karton eine Schnittzeichnung des ersten Motors aufdrucken können. Dann wäre es klar, dass hier von der benzschen technischen Innovation geredet wird.
Schütten wir ihn also auch gleich auf den Tisch. Was erwartet uns?
Wir haben 6 silbermetallicfarbene, einen klaren Spritzling, die Karosserie und das Hardtop sowie 4 Reifen im Karton. Alles ist in einer Farbe gegossen. Chromteile gibt es nicht. Ein umfangreicher Decalbogen, die Bauanleitung und die Tüte mit Farben, Kleber und Pinsel vervollständigen den Inhalt. Trotz sorgfältiger Verpackung in mehreren Tüten, hat sich eine Stoßstange sowie das Klarteil der Heck-/ mit hinteren Seitenscheiben vom Gießast gelöst:

Ein Blick auf die silbernen Gießäste. Wenn ich mal auf das Hardtop schiele, sind hier und da die Angüsse doch ein wenig groß. Mit dem Cutter oder der Zange könnte das Teil an sich beschädigt werden. Ansonsten sind die Details an den Teilen noch immer recht gut zu sehen. Ich finde hier keine Fischhäute. Formentrennnähte konnte ich an der Karosserie ausmachen. Ansonsten halten die sich sehr in Grenzen. Das gefällt mir sehr gut:





Zur Karosserie muss ich leider ein wenig mehr schreiben:

Die Karosserie ist zwar ausreichend verstärkt worden, um einen sicheren Transport im Karton zu gewährleisten, aber nach der Begutachtung des Bausatzes hat mich ein Modellbauer auf einen Verzug der Karosserie hingewiesen. Dieses Muster ist davon betroffen: die rechte vordere Ecke „zeigt“ nach oben. Es könnte ein allgemeines Problem sein, da sein Bausatz (Erstausgabe 1989) eben diesen Verzug zeigte. Mit dem Verbau der vorderen Stoßstange vor dem Lackieren kann das schon gut korrigiert werden. Ein sorgfältiges Arbeiten in diesem Bereich egalisiert den Fehler am Ende (siehe sein Bauergebnis am Ende des Berichts):


Bei der Verglasung hat sich – wie weiter oben erwähnt – bereits das Teil für die Verglasung des Hardtops gelöst. Hier konnte ich aber keine Beschädigung feststellen. Anders sieht es bei der Frontscheibe aus. Hier habe ich am einzigen Anguss einen Riss entdeckt oder sind Fischhäute an den Rückleuchtengläser deutlich zu erkennen. Die Klarteile bringen im Vergleich zum Rest des Bausatzes mehr Nacharbeit mit sich:


Bei den Reifen fällt mit auf, dass hier die Reifenaufschriften zu erkennen sind. Ich verstehe nicht, dass bei manchen Wiederauflagen blanke Reifen beigelegt sind. Hier bin ich dankbar, dass man sich hier den Formen unverändert bedient hat. Ein Reifen benötigt zwar ein wenig Nacharbeit innen, jedoch sind ansonsten keine weiteren Angüsse aus zu machen. Sehr gut!
Die Decals bilden für mich persönlich immer das Highlight bei den Wiederauflagen. Hier finden sich wieder einmal mehr zahlreiche Decals für den Motorraum, das Armaturenbrett oder den Sitzen. Das mag ich! Der Druck ist sehr gut. Insbesondere das zeitgenössische Polster gefällt mir sehr:

Bei den Kennzeichen muss ich diesmal lobend anmerken: bis auf Italien und der Schweiz können die Kennzeichen 1989/1990 so ausgegeben worden sein. Das überrascht mich nun doch! Vielleicht gibt sich Revell zukünftig auch hier ein wenig mehr Mühe und ich hoffe, dass das kein Versehen war. Am alten, deutschen (fehlende AU-Plakette) sowie belgischen Kennzeichen (überflüssige kleine Raute) fehlt es nur am Feinschliff. Gefällt mir!
Als Beigabe zu diesem Bausatz haben wir 6 Grundfarben, den Kleber und einen Pinsel im Karton. Die Grundfarben sind hinten auf dem Karton verzeichnet mit dem Hinweis, dass weitere Farben zur Bemalung der Bauanleitung zu entnehmen sind:

Im Klartext heißt das: insgesamt werden 18 Farben benötigt. Drei Farbtöne werden dabei gemischt. In der abgebildeten Bauanleitung weiter unten, ist das zu ersehen. Gut ist, dass jede Farben 50 zu 50 gemischt werden soll. Ich möchte die benötigten Farben wieder anschreiben:
07, 09, 34, 90, 91, 94, 99, 301, 302, 312, 314, 374, 730, 731
Zum Mischen kommen dazu: 01, 05, 84, 378
Als Letztes schauen wir noch in die Bauanleitung. Wie üblich ist diese bunt gedruckt. Wie eingangs geschrieben, findet sich keinerlei Information zum Fahrzeug oder der Bedeutung der 140 Jahre in der Anleitung. Die Aufteilung ist gewohnt: Arbeitshinweise, die benötigte Farben mit den Mischverhältnissen, eine Bauteileübersicht und dann der Aufbau:

Hervorheben mag ich die Abschnitte für die Innenausstattung (16 bis 21). Diese wird wirklich sehr detailliert ausfallen. Neben den sechs benötigten Farben, kommen an den Türverkleidungen noch fünf Decals dazu und das Armaturenbrett wird mit sieben Decals verschönert. Im Innenraum bringen wir insgesamt 26 Decals unter!
Zum Schmunzeln lädt mich ein, dass in der Bemalung der vorderen Blinker und der Rückleuchten eine „Tuning“-Option gegeben wird (Abschnitte 32 und 33). Lustig. Handelt es sich doch im Grunde um die Darstellung der Blinker bzw. Rückleuchten, wie sie ab 1995 am SL verbaut worden waren: vorne farblose und hinten rötlich eingefärbte Blinker.
Wenn wir schon beim Bemalen sind:
- Die Chromlamellen im Grill sollten seitlich nicht bemalt werden. Der SL hatte keine Chromeinfassung. Es sind nur die Lamellen verchromt.
- Die Rückleuchten- und Zusatzscheinwerfergläser werden mit Silber bemalt, wo eigentlich nur Reflektoren zu sehen wären. Hier empfiehlt sich das bemalen der Lampentöpfe mit einem Chromstift anstatt auf den Klarteilen selbst.
- Bei den Scheinwerfern selbst, empfehle ich ebenso, den Chromstift zu verwenden. Hier bleibt, wenn man der Bauanleitung folgt, der Lampentopf in der Kunststofffarbe – nur die Rückseite wird silberfarben.
- Nimmt man es noch genauer, stellt der Bausatz die Erstausgabe des SL dar. Ohne Facelift ohne Überarbeitungen in 1995 und 1998. So müsste die Karosserie immer zweifarbig abgesetzt sein. Das ist nicht berücksichtigt.
Bleibt noch mein Fazit übrig
Ich finde es gut, dass der SL nach über 10 Jahren wieder aufgelegt ist. Die Form hat sich erstaunlich gut gehalten. Die Bauteile sind meines Erachtens gut detailliert, wenn man das Alter des Selbigen im Hinterkopf behält. Die Nacharbeiten halten sich sehr in Grenzen. Da ich den SL noch nie gebaut habe, kann ich über die Passgenauigkeit keine Auskunft treffen. Ich schätze, dass es hier keine Schwierigkeiten geben sollte. Schade ist nur, dass hier nur das Hardtop dabei und das Softtop nicht enthalten ist. Da bin ich mal gespannt, ob zeitnah ein Cabriolet erhältlich sein wird. Offen kann man den SL so ja auch hinstellen. Der Verzug an der Karosserie scheint ein Problem zu sein, was bei dem Bausatz auftreten kann. Das unten gezeigte Modell hatte den selben Verzug.
Positiv für mich jedenfalls sind auch die Decals. Wie schon gewohnt, sind diese sehr gut gearbeitet und vielzählig. Sehr gut. Für mich als Kennzeichenfan, hat Revell hier obendrauf einen guten Job gemacht und ist von den sinnlosen Kennzeichen abgewichen und legt uns hier welche dazu, die durchaus seinerzeit verfügbar gewesen wären. Wenn sich nun noch jemand einen Ruck gibt und den Modellbauenden mit ein paar Details zum Fahrzeug informiert, wäre ich doch sehr entzückt! Besonders dann, wenn auf dem Karton auffällig mit „140 Years Of Innovation“ quasi geworben wird. Zumindest diese Frage gehört beantwortet 😉


Erhältlich bei Modellbau Universe.
Christian Weitzer, Modellbaustammtisch Recklinghausen



















