1985 Pontiac Fiero GT in 1:24 von Revell #14753

Seit der Ankündigung durch Revell habe ich mich sehr auf diesen Bausatz gefreut. Grund genug, um nicht nur meinen gebauten „Ur“-Bausatz zu entstauben. Nein, Grund genug, mir diesen Bausatz zu besorgen. So steht er nun auf dem Tisch: die Wiederauflage des 1985 Pontiac Fiero GT …
Zur Geschichte des Originals schreibe ich die wesentlichen Fakten mal zusammen.

In den 1980er war der Pontiac Fiero ein (weiterer) Versuch, einen Mittelmotorsportwagen auf die Räder zu stellen. Das Konzept war für den amerikanischen Fahrzeugmarkt irgendwie revolutionär: nicht nur der Mittelmotor, sondern vor Allem ein sogenannter „Spaceframe“ aus Stahl, auf dem die Karosserieteile aus Kunststoff aufgeschraubt waren. DeLorean und viele andere Hersteller griffen dieses Prinzip später auf.

Leider steuerte das Konzept in die – meines Erachtens – schlimmste Zeitperiode bei GM: nicht nur wurde auf sparsame Motoren gesetzt und bedingt durch die verschärften Abgasregelungen zogen fortan geregelte Katalysatoren ihren Siegeszug an. Um dem die Krone aufzusetzen, nutzte GM bei dem Fiero Achsen oder Motoren aus dem gesamten GM-Regal, um die Produktionskosten geringer zu halten. Dem allem geschuldet ging der Fiero 1983 mit einem 2,5 Liter (rund 90 PS) an den Start. Mit dem Abklingen der Ölkrise packte GM einen 2,8 Liter V6 (rund 137 PS) in das Heck, was der Idee des kleinen Sportwagens doch sehr entgegen kam. Gleichzeitig kämpfte der kleine Wagen leider auch mit Defekten, welche häufig in Brandschaden resultierten. Dem Ruf des feurigen Sportwagens schadete dies definitiv und er konnte sich auch nicht vollständig davon erholen obwohl Pontiac vieles zur Rettung versuchte.

Später wurde der Fiero durch diese besondere Konstruktion sehr bei Replikaherstellern beliebt. Für mich persönlich „damals“ schon eine Schande. Wirkten doch die vielen verschiedenen nachgebauten Ferrari und Lamborghini doch sehr unschön aus um das nicht beleidigend auszudrücken. Glückwunsch den Enthusiasten, die sich ihr Original bis heute gut auf die Seite gestellt hatten. Gut erhaltene, originale Exemplare sind inzwischen rar und sicherlich wertvoll für Fans. In seiner Produktionszeit von 1984 bis 1988 liefen 370.168 Exemplare vom Band. Eine besondere Ehre widerfuhr dem kleinen Sportwagen, als er 1984 die Indianapolis 500 als Pace Car anführen durfte. Eine kleine Sonderserie von ca. 2000 Fahrzeugen wurden verkauft. Kleiner Spoiler: siehe das Kartonbild.

Ich meine, Pontiac hätte gleich auf den V6 gehen sollen oder zumindest die Option des Pace Car in Betracht ziehen sollen. In diesem 1984 Indy Fiero Pace Car kam ein Superduty Motor zum Einsatz, der hervorragende 232 PS leistete und den Fiero bis zu 222 Km/h beschleunigte. Dazu gesellte sich ebenfalls ein einmaliges Fahrzeug mit 3,2 Liter und 330 PS. Vielleicht hätten genau diese Motorisierungen den Fiero als erschwinglichen Mittelmotorsportwagens überleben lassen. Zumindest, bis Pontiac komplett von der Bildfläche genommen wurde.

Leider mehr geworden. Aber ich finde, es ist dem besonderen Wagen gerechtfertigt.

Los geht es endlich mit dem Modellbausatz. Wie immer schaue ich mir den Karton an. Ich mag die für den amerikanischen Markt gestalteten Kartons mit ihrem einheitlichen Look sehr. Auf den langen Seiten haben wir wieder Angaben wie die Teileanzahl (79), die benötigten Farben (12 und diesmal sind es gleich viele in der Bauanleitung) und Werkzeuge:
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Auf der gegenüberliegenden Seite zeigt und Revell ein fertiges Modell und den Ausblick auf den Decalbogen:
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Schütten wir ihn also auch gleich auf den Tisch. Wir nehmen wieder den oberen Karton ab, wie es bei den durchaus praktischen Kartons der US-Bausätze schon immer üblich ist. So kommen 5 weiße Spritzlinge, die Karosserie, klare Teile, die Vollgummireifen, die Decals und die Bauanleitung ans Tageslicht:
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Schauen wir uns die Spritzlinge mal an. Durch die Bank sind die wirklich gut gespritzt. Ich sehe keine Fischhäute oder Auswerfermarken an sichtbaren Stellen. Die Formen haben sich gut gehalten. Ist für mich auch kein Wunder: Wurde der Bausatz doch quasi alle 20 Jahre wieder aufgelegt Die Erstausgabe datiert von 1984 unter der Nummer 2242 und nur noch 2004 mit der Nummer 85-2242. Beide von Monogram. Es ist auch genau diese Nummer 2242, die auf den Spritzlingen zu finden ist. Letztendlich liegt uns nun diese 3. Ausgabe von Revell vor.
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Es fällt auf, dass im Bausatz keine Chromteile dabei sind. Der Bogen mit den Felgen war ursprünglich versilbert – mag ich es nennen. Richtig Chrom hatten Monogrambausätze in den 1980er praktisch nicht. Das Chrom war eher wie Aluminium anzusehen, was durchaus gut war.

Die Karosserie ist kompakt gegossen und überzeugt mich persönlich von den scharfen Details rundum. Auch, wenn man sich den zu ergänzenden Heckbumper anschaut: scharfe Kanten, gut lesbar gravierter Pontiac-Schriftzug. Die seitlichen Lufteinlässe, Außenspiegel, Motorhaube, Heckspoiler und oberen Kühlergrill hinten liegen separat bei und vervollständigen die Karosserie. Und ja, der dreiteilige Heckspoiler sollte definitiv montiert werden, weil er das Unterscheidungsmerkmal vom I4 zum V6 ausmacht. Wer das nicht mag, muss die Bohrungen auf der Heckklappe verschließen.

Zu den Details

Das Chassis ist schön detailliert gegossen. Hier gibt es nicht viel zu schreiben. Die Innenausstattung ist hier als komplette Wanne gegossen, was die Detaillierung der Seitenverkleidungen erschweren mag:

Es werden lediglich die Armlehnen, die Instrumente und die Sitze ergänzt. Aber mal ehrlich: damals waren die Innenausstattungen in der Masser grau in grau. Also stellt dies auch keine hohe Hürde dar. Die Oberflächen sind schön dargestellt und die beiden Auswerfermarken sind geschickt unter den Vordersitzen platziert. Das Armaturenbrett zeigt das „boxy“ Design der 1980er Jahre hervorragend:
Revell-14573-Pontiac-Fiero-GT-21 1985 Pontiac Fiero GT in 1:24 von Revell #14753Ich war nie ein Fan davon aber man kann sich das nicht aussuchen. War so. Die zweiteiligen Felgen sind super scharf und komplett originalgetreu wiedergegeben:
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Die Pontiac-Schriftzüge sind wie auch an der Karosserie gut erkennbar. An dem Bogen mit den Felgen finden wir auch die Rückspiegelgläser und den Innenrückspiegel:
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Grundlegend sind alle Teile sehr fein detailliert und weisen realistisch gesehen eine Menge verschiedener Oberflächenstrukturen auf. An der Karosserie habe ich nur einen leichten Gießgrat an der Front entdecken können, in Verlängerung der Kofferraumklappenkante zum Blinker hinab. Das war es auch schon mit den weißen Teilen:
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Schauen wir uns die Verglasung an. Frontscheibe, Glasdach und Heckscheibe bilden eine Einheit, Seitenscheiben gibt es nicht und das durchgehende Lichterband für hinten vervollständigen die klaren Teile:
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Die Reifen haben ein ordentliches Profil und sind nicht hohl. Ein typisches Indiz für Monogrambausätze. Eine Beschriftung auf den Flanken gibt es (wie üblich) nicht. Aufgepasst! Auch die Erstausgabe hatte keine Aufschrift auf den Reifenflanken. Also ist das ja mal kein Kritikpunkt:
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Zu den Decals

Das mag ich bei den aktuellen Auflagen: hier ist Revell stets bemüht, einiges zu bieten. Die Instrumente sind hier getrennt von dem Gehäuse. So kann der Modellbauende entscheiden, das Gehäuse zu bemalen oder einfach das graue Decals drauf zu legen:
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Gut. Wir finden realistisch wirkende Blinker, Sidemarker und Rückleuchten, Schriftzüge und verschiedene Streifen. Alle scharf gedruckt sehe ich keinen Versatz. Gute Arbeit:
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Was mir am besten gefällt: Dadurch, dass der Bausatz für den US-Markt vorgesehen ist, sind keine dusseligen Fantasiekennzeichen aufgedruckt. Keine 1000 Kennzeichen, die mit Gewalt irgendeine Beziehung zum Auto haben müssen. Ungeachtet davon, ob diese überhaupt machbar wären. Es findet sich lediglich zwei verschiedene Kennzeichen darauf. Holla! Zwei verschiedene? Michigan und Illinois. Jeweils eins. Illinois hat vorne leider auch Kennzeichenpflicht:
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Als Letztes schauen wir in die schwarz-weiß gehaltene Bauanleitung. Ebenfalls typisch für den US-Bausatz und vor allem erfreulich, dass auf der ersten Seite auf das Original eingegangen wird, welches hier zum Bau vorliegt:
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Ich mag das noch immer! Dieselben Farbangaben wie auf dem Karton kommen ganz ohne Mischungen aus und für Technikbegeisterte finden wir wie immer eine Liste mit allen Bezeichnungen der Bauteile, die verbaut werden möchten:
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Klar und ohne Fragen hangelt man sich an der Bauanleitung entlang, bis der Fiero schließlich in 28 Schritten auf dem Tisch steht und ins Regal rollen darf. Schwierigkeiten sollten dabei nicht auftreten. Es sei nur darauf hingewiesen, dass der hintere Bumper definitiv am Ende angebracht werden muss (Schritt 23). Eine Vormontage macht es unmöglich, das Chassis einzubauen. 100% unmöglich:

Zwei Anmerkungen. In Schritt 23 können die Seiteneinlässe ausgewählt werden. Die bauchige Variante (22 / 23) gehört zu dem Lufteinlass („Schnorchel“), welcher im Bauschritt 24 ausgewählt werden kann. Diese Teile kamen am Original nie zum Einsatz, sondern wurden beim Pace Car benutzt welches ich am Anfang beschrieben habe.

Mein Fazit

Von meiner gebauten Erstausgabe kann ich den Bausatz ohne Bedenken empfehlen. Durch nur zwei Auflagen sind die Formen quasi taufrisch. Die Teile passen problemlos zusammen und deuten darauf hin, dass hier praktisch keine Nacharbeiten durchgeführt werden müssen. Es müssen nicht immer weit über 100 Teile sein um ein schönes Modell auf dem Tisch stehen zu haben. Ich habe mich gefreut, dass Revell den Fiero wieder bringt und noch mehr, dass es möglich wäre / ist, das Pace Car zu bauen. Muss man sich nur die Decals für die Seite besorgen und die Innenausstattung in weiß-grau-rot gestalten. Ansonsten bringt der Bausatz alles mit:
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Erhältlich bei Modellbau Universe.

Christian Weitzer, Modellbaustammtisch Recklinghausen