German Field Communication Point in 1:35 von MiniArt # 53002

Mit dem „German Field Communication Point“ hat sich MiniArt wieder einmal einem Thema gewidmet, das ansonsten eher stiefmütterlich behandelt wird.
Eine schöne Idee von MiniArt …
Der gleiche Bausatz (für die Funkgeräte und das Radio), wurde auch beim Bausatz 35488 German Radio Kfz.2 als Ausstattung für das Fahrzeug verwendet.

Dort wurde, bis auf die knappe Bezeichnung (Torn. Fu,f Zubehör) auf dem Decalbogen, nicht näher auf das Funkgerät eingegangen.
Das setzt sich bei diesem Bausatz leider fort.

Einzig die Bezeichnung auf dem Decalbogen gibt auch hier, einen kleinen Hinweis (Torn. Fu.f) auf das Tornisterfunkgerät „Friedrich“ Torn.Fu.f LSE1/24b-211, das allerdings schon ab 1937 durch neuere Modelle ergänzt wurde:
MiniArt-53002-Field-Communications-Point-4 German Field Communication Point in 1:35 von MiniArt # 53002
Bei der Recherche für den Bausatz, wie die einzelnen Geräte auszusehen haben, wäre es doch bestimmt ein Leichtes gewesen, einen kurzen Text auf den zwei Seiten des Bauplans unterzubringen. Oder sogar eine dritte Seite mit etwas Hintergrundwissen in schwarzweiß zu drucken.
Ob sich ein kurzer geschichtlicher Abriss nur bei den Fahrzeugbausätzen lohnt?
Schade.

Nach meiner eigenen Recherche – die nicht sehr zeitaufwendig war – bin ich auf der Seite www.der-fernmelder.de sehr schnell mit wirklich sehr umfangreichem Bildmaterial und technischen Details fündig geworden.

Die Bilder helfen bei der wirklich sehr aufwendigen Verkabelung, die nur auf der Rückseite der Verpackung gezeigt wird:
MiniArt-53002-Field-Communications-Point-2 German Field Communication Point in 1:35 von MiniArt # 53002
Ein paar Bemerkungen zu den baubaren Funkgeräten
Das Funkgerät Torn.Fu.f wurde 1936 eingeführt. Es zählt zu den ersten Modellen der „neuen Generation“ militärischer Funkgeräte und wurde bis 1945 eingesetzt. Eine Weiterentwicklung der Firma Lorenz war der neue tragbare Transceiver Torn.Fu.b1 (LSE 1/24b-201).
Die beiden Geräte unterscheiden sich äußerlich nicht voneinander.

Das Tornisterfunkgerät b1 (Torn. Fu. b1) war ein tragbares Sende- und Empfangsgerät der deutschen Wehrmacht, das ab 1937 vorrangig für die Kommunikation zwischen Bataillonen und Regimentern eingesetzt wurde. Es wog etwa 18–20 kg, deckte einen Frequenzbereich von 3,0 – 6,6 Mhz ab und erreichte Reichweiten von 3 bis 15 Kilometern.
Es war modular aufgebaut und wurde von zwei Soldaten als „Tornisterfunktrupp“ im Gelände transportiert:

1 – Gerätetornister (Torn. Fu. b1 S/E): Enthielt das eigentliche Sende- und Empfangsgerät.

2 – Zubehörtornister: Beinhaltete das gesamte Zubehör wie Stromquellen, Steckquarze, Kopfhörer, Hand- oder Kehlkopfmikrofone sowie Ersatzröhren.

3 – Antennenmaterial: Je nach Einsatz wurde es mit einer Steckantenne (bis zu 2 Meter Höhe), einer Rahmenantenne oder einer (17-Meter-Dipolantenne) betrieben.

Für die Aufklärung und die Artillerie gab es zwei weitere Varianten dieses Funkgerätes.

Zum Set gehören auch noch zwei kleine Fernbesprechgeräte bf (Fbg.bf) zur Fernbesprechung von Tornisterfunkgeräten b1, c und f mit entsprechenden Transportbehältern:
MiniArt-53002-Field-Communications-Point-8 German Field Communication Point in 1:35 von MiniArt # 53002

Bildmaterial zum kleinen Kofferradio habe ich auf der Seite www.philipp-militaria.com gefunden.

Als „Kofferempfänger“ (oft mit Kö.W.e abgekürzt, was für Koffer-Wehrmachtsempfänger steht) bezeichnete man tragbare Rundfunkempfänger, die von der deutschen Wehrmacht für die Truppenbetreuung an der Front und in Lazaretten beschafft und eingesetzt wurden.

Die Bezeichnung Kö.W.e ist dabei eine etwas veraltete, umgangssprachliche oder herstellerspezifische Abkürzung, die meist für die als Truppenbetreuungsempfänger bekannten Geräte verwendet wurde.
Da es sich nicht um eine strikte militärische Eigenentwicklung handelte, griff die Wehrmacht auf zivile, aber modifizierte Modelle großer deutscher Radiohersteller zurück.

Die bekanntesten Typen waren:

AEG Kofferempfänger (u.a. Modell LG 38 / BKV): Weit verbreitet im militärischen Gebrauch.

Blaupunkt Kofferempfänger: Bekannt für robuste Kofferradios, die sich durch besondere Röhrentechnik für den mobilen Einsatz eigneten.

Braun ER 3 (Truppenbetreuungsempfänger): Dieses ab 1941/42 gebaute Gerät war baugleich mit dem zivilen Kofferradio BKS 441 und speziell für den Einsatz unter Feldbedingungen vorgesehen.

Soviel zum geschichtlichen Hintergrund.

Der Bausatz ist, wie üblich bei MiniArt, sehr fein ausgearbeitet und ist eine feine Ergänzung für jedes Diorama zu diesem Thema:
MiniArt-53002-Field-Communications-Point-6 German Field Communication Point in 1:35 von MiniArt # 53002
Der Bau der Tische, Stühle und Hocker sowie der Funkgeräte ist einfach zu bewerkstelligen.

Die PE-Teile sind wie immer bei PE, eine kleine Herausforderung, die aber zur Wertigkeit der Modelle beiträgt:
MiniArt-53002-Field-Communications-Point-4 German Field Communication Point in 1:35 von MiniArt # 53002Die Ätzteile sind beidseitig in einer Art Folie verpüackt, die sich leicht ablösen lässt:MiniArt-53002-Field-Communications-Point-5 German Field Communication Point in 1:35 von MiniArt # 53002

Das Teil 18 am Spritzling Ce (eine Bodenplatte für Funkgerät und Batteriekoffer) ist fast identisch mit dem Teil 27 am Spritzling Bc für das Kfz.2 (MiniArt Bausatz 35488):
MiniArt-53002-Field-Communications-Point-7 German Field Communication Point in 1:35 von MiniArt # 53002Teil 18 wird jedoch nicht benötigt, da die Geräte direkt auf den Tischen platziert werden.

Leider gibt es keinen Hinweis dazu in der Bauanleitung – auch nicht als optionales Teil:
MiniArt-53002-Field-Communications-Point-3 German Field Communication Point in 1:35 von MiniArt # 53002

Bei der Verkabelung der Geräte dann, muss jeder nach „Kabeln“ in den passenden Stärken in den unergründlichen Tiefen seiner Reservoire suchen.

Fazit
Die größte Herausforderung bei diesem Bausatz, finde ich, sind die notwendige Eigenrecherche sowie das Fehlen von geeignetem Verkabelungsmaterial.
Auf der Plusseite stehen die Decals (sogar mit Reserven) sowie die Ätzteile und natürlich insgesamt die sehr gute Spritzgussqualität!

Alles in allem, ein gelungener Bausatz, der gerne noch etwas Hintergrundwissen vertragen hätte.

Erhältlich bei Modellbau Universe.

Helmut Brehmer, Modellbaufreunde Lingen