Mit der neuen Painta Professional Serie bringt Revell eine neue Generation von Modellbaupinseln auf den Markt, die sich vor allem durch ihre synthetischen Fasern von den bisherigen klassischen Pinseln unterscheiden soll …
Ich finde gerade im Modellbau ist die Wahl des richtigen Pinsels unheimlich wichtig und neben der Airbrush eines der wichtigsten Werkzeuge. Eine gute Spitze, eine kontrollierte Farbabgabe und eine ausreichende Farbaufnahme können darüber entscheiden, ob ein kleines Detail sauber bemalt wird oder ob Farbe danebenläuft.
Revell setzt bei den neuen Pinseln auf hochwertige Synthetikfasern und möchte damit die Vorteile von Kunst- und Naturhaar miteinander verbinden. Wollen wir doch mal schauen, ob ihnen das gelungen ist…
In jeder der beiden Sets befinden sich je vier Pinsel:
Verarbeitung und erster Eindruck
Schon beim ersten Blick fällt der etwas anders gestaltete Griff auf. Die neuen Painta Professional Pinsel besitzen einen dreieckigen Stiel mit einer „Verdickung“ zur Zwinge hin, der verhindern soll, dass der Pinsel vom Tisch rollt und gleichzeitig liegt der Griff angenehm in der Hand. Gerade bei längeren Bemalungsarbeiten kann das ein Vorteil sein, weil man den Pinsel nicht ständig neu ausrichten muss. Ich persönlich bevorzuge allerdings die klassischen runden Griffe, da ich den Pinsel oft in alle Richtungen drehe:

Die Pinselspitzen sind durch Schutzkappen vor Beschädigung gut geschützt und sie sitzen auch fest auf der Zwinge.
Hier die Spitzen im Detail und aus jedem Set…
DETAIL-Set von links nach Rechts 5/0 4/0 3/0 und 0:

BASIC-Set – von links nach Rechts 00 1 2 und 3:

Stärken der Pinsel
Eine der Stärken der neuen Pinsel ist die Farbaufnahme und Farbabgabe, auch bei den kleinen Pinsel war ich positiv überrascht. Ein guter Pinsel sollte nicht nur möglichst viel Farbe aufnehmen, sondern sie anschließend auch gleichmäßig wieder abgeben, das gelingt hier relativ gut. Gerade bei Acrylfarben ist das wichtig, da diese relativ schnell antrocknen können.
Ein weiterer Vorteil von Synthetikpinseln ist ihre vergleichsweise unkomplizierte Pflege. Moderne Kunstfasern sind weniger empfindlich als viele Naturhaare und vertragen häufiges Reinigen mit „aggressiveren“ Reinigern sehr gut.
Die Zwingen machen einen guten Eindruck, sind ordentlich verarbeitet und sitzen gut auf dem Pinselstiel – da wackelt nichts.
Schwächen der Pinsel
Interessant sind jedoch die synthetischen Fasern. Bei günstigen Kunsthaarpinseln besteht häufig das Problem, dass die Spitze relativ schnell ihre Form verliert oder einzelne Fasern abstehen. Revell hebt ausdrücklich hervor, dass die speziell gehärteten Spitzen auch nach längerem Gebrauch ihre Form behalten sollen. Leider kann ich das nicht bestätigen. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich der Nachteil der Syntetikfasern, dass sie anfangen sich in eine Richtung zu biegen und einen „Haken“ bilden.
Hier sieht man das bei dem Pinsel Größe 1. Sehr lange wurde damit nicht gepinselt, wir reden hier von ein paar wenigen Stunden, wenn überhaupt:
Im Vergleich dazu meine Echthaarpinsel von Rafael (unten) und Windsor&Newton (mittig). Die sehen aus, wie am ersten Tag, und das obwohl sie schon einiges auf dem Buckel haben. Der Windsor&Newton Pinsel bestimmt schon weit über 100 Stunden:

Nass sieht man das Verbiegen der Pinselspitze noch viel stärker:


Bei der Größe 0 hat das verbiegen der Pinselspitze bereits nach einer halben Stunde angefangen, dabei habe ich lediglich kleine Kreise und Wellen gepinselt. Ich kann mir gut vorstellen, dass nach längerer Zeit der Effekt schlimmer wird:

Der Vergleich mit Echthaarpinseln
Es stellt sich die Frage, ob die neuen synthetischen Pinsel tatsächlich besser sind als hochwertige Echthaarpinsel und die Antwort darauf ist eindeutig ein Nein!
Hochwertige Echthaarpinsel, beispielsweise aus Rotmarder- oder Kolinskyhaar, gelten im Modellbau nach wie vor als besonders hochwertig. Naturhaar besitzt eine hervorragende Elastizität und kann eine relativ große Menge Farbe aufnehmen, während die Spitze gleichzeitig sehr fein bleibt. Gerade bei extrem feinen Linien und Detailarbeiten kann ein guter Echthaarpinsel deshalb nach wie vor einen Vorteil gegenüber den Syntetikfaserpinseln bieten.
Synthetik hat dagegen andere Vorteile. Die Fasern sind gleichmäßiger, feiner und können wesentlich unkomplizierter gereinigt werden. Außerdem muss man weniger Angst haben, einen hochwertigen Naturhaarpinsel durch etwas aggressivere Reinigung zu beschädigen. Für den alltäglichen Modellbau ist das ein wichtiger Punkt. Wer gerne Washings aus Ölfarben aufträgt und viel mit White Spirit arbeitet, der sollte lieber zu den synthetischen Pinsel greifen.
Allerdings haben auch die synthetischen Fasern eine große Schwachstelle, wie oben schon erwähnt verlieren sie mit zunehmender Nutzung ihre ursprüngliche Form.
Fazit
Einen hochwertigen Echthaarpinsel ersetzen die neuen Pinsel von Revell meiner Meinung nach nicht. Wer ausschließlich auf maximale Präzision bei feinsten Details setzt und bereit ist, etwas mehr Aufwand in die Pflege zu investieren, kann mit einem guten Kolinsky- oder Rotmarderpinsel weiterhin Vorteile haben.
Für den normalen Modellbauer bieten die neuen Revell-Synthetikpinsel dagegen einen guten Kompromiss zwischen Pflegeleichtigkeit und Alltagstauglichkeit, auch wenn man wahrscheinlich nicht besonders lange Spaß an ihnen haben wird, da die Spitzen dazu neigen, sich in eine Richtung zu biegen.
Ein weiterer Punkt ist der Preis. Die neuen Professional-Pinsel sind zwar nicht mit einfachen Billigpinseln vergleichbar, bewegen sich aber in einem Bereich, in dem man bereits verschiedene hochwertige Pinsel anderer Hersteller findet, z.b. das Goldserie-Set von Green Stuff World, das 4 Echthaarpinsel enthält und in etwa das gleiche kostet.
Auch kann ich die Pinsel von Windsor&Newton Serie 7 in den Größen 0,1 und 2 empfehlen, leider sind diese etwas teurer und schwer zu beschaffen. Alternativ gibt es noch die Pinsel von der Marke Rafael aus der Serie 8404. Die Größen 0 und 1 sind hier vollkommen ausreichend. Mit diesen Pinseln wird man die nächsten Jahre sein Freude haben, wenn man diese auch entsprechend pflegt.
Eine Kaufempfehlung kann ich zu dem Preis für die Revell Painta-Professionial nicht geben, da sie mir etwas zu teuer erscheinen. Hier sehe ich eine realistische Preis/Leistung bei 15-18€ pro Set.
Wer sich selbst ein Bild von den neuen Revell-Pinseln machen möchte – erhältlich bei Modellbau König als BASIC- und als DETAIL-Set.
Stammtisch Recklinghausen
Gregor Francikowski
