Nach dem Bausatz für die die häufigste Einsatzvariante als U-Boot-Jagdflugzeug (ASW), den wir hier vorgestellt hatten, liefert Airfix nun einen Bausatz für die COD-Variante. Also für „Carrier Onboard Delivery“, somit für die Lieferung von Material auf dem Luftwege zu und von Flugzeugträgern …
Die Gannet konnte so etwas nur in kleineren Zusatzbehältern transportieren, was die Möglichkeiten natürlich einschränkte. Hauptsächlich war es wohl überwiegend dienstliche und private Post – noch schön analog auf Papier geschrieben – die hier transportiert wurde.
Die drei möglichen aus dem Bausatz herstellbaren COD-Flugzeuge sind an der Kartonseite abgebildet. Wie zu erkennen, ist hier eine Maschine (die Zweifarbige unten) dabei, die noch das Radom eingebaut hatte und somit unter Erhaltung der U-Boot-Jagdfähigkeit im COD-Dienst eingesetzt wurde. Daher hier die Bezeichnung AS.4/COD:

Der vorbildlich stabile Karton ist wieder reichlich gefüllt mit Spritzästen, dem großen Decalbogen, der Bauanleitung und den farbigen Lackierungs- und Markierungshinweisen für jede der drei möglichen Maschinen:

Von den Spritzästen sind uns schon die Äste A, B, C, D, E, F, G, H und L aus dem ersten Bausatz bekannt, so dass wir sie hier nur kurz abbilden und ansonsten auf die og. Vorstellung verweisen können. Nicht mehr enthalten ist der Spritzast J mit der Bewaffnung, der er hier für die COD.4 nicht benötigt wird.









Neu ist der Spritzast K mit spezifischen Zusatzteilen für die COD-Variante. Die Ausführung entspricht dem exzellenten Niveau, das wir schon aus der Startausgabe dieses Bausatzes kennen So sieht Spritzast K dann aus:

Enthalten sind hier die besonders prägenden Außenbordbehälter und ihre Aufhängungen. Die Behälter sind sehr sauber ausgeführt und lassen eine Konstruktion mit an- und abnehmbaren Vorderteilen und Enden erkennen:
Die Aufhängungen fallen etwas schlanker aus als die Waffenträger, die vorher an ihrer Stelle angebracht waren:

Es gibt auch neue Abdeckungen für den Waffenschacht, die sich durch das kreuzförmige Aufbauteil von den Teilen der Erstausgabe unterscheiden. Auch hier haben wir wieder eine geschlossene Abdeckung…
… und eine die zweiteilige Ausführung für die geöffnete Darstellung:

Weiterhin gibt es eine Abdeckung für den unteren Hinterrumpf ohne das eingebaute Radom:

Auch ein paar Kleinteile für die spezifische Ausrüstung der COD-Version sind hier vorhanden. Wie zu erwarten ist auch hier die Spritzqualität hervorragend:
Der Decalbogen liefert eine umfangreiche Ausstattung in sehr guter Druckqualität. An der Kartonseite ist Cartograf als Hersteller als Hersteller angegeben, was für hervorragende Qualität steht.
Die individuellen Kennzeichen für die drei Markierungsmögiichkeiten sind jeweils für sich gruppiert. Dazu kommen dann Decals für die Instrumentenbretter und die Seitenkonsolen, die mit kräftiger Settingflüssigkeit auf die vorbereiteten Plastikteile aufzubringen sind und so einen guten Eindruck erzielen. Die weiteren Decals machen dann umfangreiche Hinweis- und Wartungsmarkierungen aus, die jeweils für alle drei Markierungsmöglichkeiten oder auch nur für die ersten beiden Verwendung finden
Der Decalbogen ist außergewöhnlich groß und ließ sich mit meinen Möglichkeiten komplett nur fotografieren:

In zwei Teilen gescannt sind die Einzelheiten hier besser erkennbar:
Die Anleitung beginnt mit einer sehr kurzen historisch-technischen Einführung in fünf Sprachen und allgemeinen Hinweisen:
Die Zusammenbauanleitung erstreckt sich über 149 Baustufen unter Berücksichtigung der vielfältigen beschriebenen Alternativen bei 245 Bauteilen. Airfix ist auch hier also sehr kleinteilig vorgegangen, was den Zusammenbau aber wirksam unterstützt.
Hier sind alle Baualternativen mit Ausnahme der Bewaffnung möglich geblieben.
- Gefaltete oder gestreckte Tragflächen
- Landeklappen ein- oder ausgefahren
- Realisierung als Standmodell auf dem Fahrwerk oder in fliegender Darstellung ohne Fahrwerk (es ist aber kein Ständer im Bausatz enthalten)
- offener oder geschlossener Waffenschacht, hier ohne Bewaffnung oder andere Einbauten
- Cockpits geöffnet oder geschlossen / mit oder ohne Besatzung
- Landehaken aus- oder eingefahren
Die Anleitung beginnt mit den Einbauten für den Rumpf und führt in Baustufe 24 nach der Komplettierung des Rumpfes zum Einbau der alternativen unteren Abdeckung hinter dem Waffen- bzw. hier wohl eher Transportschacht:
Weiter geht es mit dem Zusammenbau der Tragflächen in der gestreckten Ausführung:
Gefolgt von der alternativen Möglichkeit zum Bau der gefalteten Tragflächen. Hier zunächst mit vorbereitenden Arbeiten:
Das Heckleitwerk und die Landklappen stehen dann im Mittelpunkt der nächsten Montagen:
Propeller mit Haube, die Fahrwerke mit den Klappen, die Darstellung des geschlossenen oder offenen (ehemaligen) Waffenschachts sind dann die nächsten Bauschritte:
Der Vollendung entgegen geht es dann mit der Bearbeitung der Lastträger unter den Tragflächen, der Rumpfoberseite mit den Cockpitverglasungen, dem Einbau der Triebwerkauslässe und dem Anbau der Transportbehälter unter den Tragflächen. Bei der Variante mit getreckten Tragflächen ist der Zusammenbau dann hiermit abgeschlossen:
Wenn es doch die gefalteten Tragflächen sein sollen folgt hier noch der Anbau der mittleren und äußeren Tragflächenteile und der Stütz- und Haltemechaník:
Die Lackierungs- und Markierungshinweise liegen einzeln bei und sind mit den Vier-Seiten-Ansichten auf jeweils einer DIN-A4-Seite hochwertig farbig gedruckt. Alle drei Maschinen führen sehr großformatige Kennzeichen und Nummerierungen. Die ersten beiden Möglichkeiten sind in der etwas späteren blaugrauen Lackierung über Alles vorgesehen. Diese Farbe fällt je nach Hersteller durchaus etwas unterschiedlich aus. In den beiliegenden Ansichten hat sich Airfix für eine eher ins Graue gehende Farbe entschieden. Auf dem Deckelbild ist der Eindruck etwas stärker ins Blaue gehend. Da ausufernde Farbdiskussionen nicht mein Thema sind, würde ich die konkrete Farbauswahl dem Ersteller überlassen, zumal sich die Farbe im Laufe der Einsatzzeit durchaus verändert.
Die erst Möglichkeit ist dann vom Flugzeugträger HMS Hermes in 1969 mit schwarzer Propellerhaube mit roten Ringen:

Weiter geht es mit einer Maschine ein Jahr später vom Flugzeugträger Ark Royal, hier mit dünnen schwarz-gelben Streifenmarkierungen an der Propellerhaube und außen an den Leitflächen an den Höhenleitwerken:

Die dritte Möglichkeit ist aus dem Jahre 1965 und zeigt die Standardlackierung des AS-Varianten mit oberseitigem Grau und darunter einem Grüngelb, das häufig als Sky (Typ S) angesprochen wird. Das Besondere sind hier die Markierungen. Wieder gibt es Streifen auf der Propellerhaube und den Höhenrudern – diesmal in Schwarz-Weiß. Das eigentlich Besondere sind jedoch die Markierungen am Seitenruder mit der Abkürzung der Dienstbeschreibung F.O.A.C., der Flagge eines Rearadmirals und dem Wappen der Dienstelle. Weiterhin das Känguru (das von einer Staffel der RAAF „draufgezappt“ wurde) und die Aufschrift „COURIER“ für die Haupttätigkeit der COD-Flugzeuge. Hier handelt es sich wohl um eine Art persönliches Flugzeug eines Rearadmirals der Royal Navy, der als Kommandeur der Flugzeugträger der Flotte ein Reise- und Besuchsflugzeug benötigte, das in diesem Falle auf dem Flugplatz Changi der RAF in Singapur stationiert war. Nach dem Zeitpunkt müsste es sich um Sir Hugh Richard Benest Janvrin handeln, der später noch Kommandeur aller Marineflieger wurde. Also hier mal wieder ein Modell mit einer besonderen Hintergrundgeschichte:

Schlussendlich gibt es noch eine umfangreiche, aber auch gut nachvollziehbare Darstellung für die Anbringung der vielen kleinen Decals (der Stencils):

Fazit
Airfix ergänzt die Erstausgabe des hervorragenden Gannetbausatzes hiermit durch eine meist wenig beachtetet Dienstvariante, bei der sich attraktive Lackierungs- und Markierungsmöglichkeiten ergeben. Damit ist die COD-Variante eine sehr eindrucksvolle Möglichkeit, um auch ein schon vorhandenes U-Jagd-Modell zu ergänzen. Für Freunde der britischen Nachkriegsträgerluftwaffe ist auch sie schlichtweg eine Pflichtübung.
Wir dürfen uns bestimmt auch schon auf eine zukünftige AEW-Variante von Airfix freuen, die mit dem großen Radom unter dem Vorderrumpf nochmals einen besonderen Anblick bieten wird.
Erhältlich bei Modellbau Universe.
Hermann Geers, Wietmarschen



























