Trailer 3to in 1:24 von Heller # 81410

Nach dem ich von Heller den kleinen grauen Traktor (Ferguson Petit Gris) mal gebaut habe, erweitert Heller das Sortiment durch einen passenden Anhänger. Also schauen wir uns diesen Bausatz doch mal an. Ich stelle vor: den 3to Anhänger von Heller in 1/24 mit der Bausatznummer 81410 …
Zur Geschichte des Originals

Viel gibt es da nicht zu berichten, was Heller nicht schon aufgeschrieben hätte. Dieser Anhänger wurde etwa 1940 erstmals auf den Markt gebracht. Es ist schlicht ein handelsüblicher, einfach konstruierter Anhänger mit Drehschemellenkung, wie er viel in der Landwirtschaft benutzt wurde und bestimmt noch wird. Er ist so ausgelegt, dass man an ihn selbst noch einen weiteren Anhänger anhängen kann.

Los geht es mit dem Modellbausatz. Auf den Karton geschaut, …

Wie immer starte ich meine Bausatzvorstellung mit einem Rundumblick des Kartons, den wir uns auch im Geschäft anschauen können. Welche Informationen werden uns denn mitgegeben, die die Kaufentscheidung beeinflussen? Ich mag die ansprechenden Kartonbilder, wie es Heller derzeit präsentiert. Alle Bausätze sind zeichnerisch schön präsentiert. Ohne viel Schnickschnack. Wir wissen auf Anhieb, dass der Anhänger aus 89 Teilen besteht. Im Maßstab 1/24 wird er ca. 240 mm lang und 76 mm breit sein:
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Auf der langen Kartonseite und hauptsächlich auf der Rückseite bekommen wir mehr Informationen zum Bausatz, dem Original und eine Abbildung des Decalbogen zu sehen.

Zur Fertigstellung werden 7 Farben benötigt, wobei ich schon vorgreife: zwei Farben sind optional und wenn man für die Beleuchtung die Decals benutzen mag, obsolet. Unten rechts auf der Rückseite finde ich persönlich eine wichtige Information: das Ausgabejahr des Bausatzes. Der geneigte Modellbauende kann hier schon grob einschätzen, wie denn wohl die Qualität sein wird. In diesem Falle liegt uns eine Neuentwicklung vor.

Klappen wir uns den Karton nach oben auf und breiten den Inhalt vor uns aus. Neben den 4 grauen Spritzrahme, den Gummireifen, der Aufbauanleitung und den Decals, liegen auch dieser berühmte Türanhänger für die Bastelhöhle sowie ein kleiner Katalog mit einem Auszug aus dem aktuellen Programm von Heller im Karton. Die Spritzrahmen waren allesamt in einer Tüte verschweißt. Warum diese doch ungewöhnliche Art der Verpackung diesmal gewählt wurde, kann mir an dieser Stelle niemand beantworten. Das kenne ich von Heller inzwischen lediglich von den Klarsichtteilen:
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Die Spritzrahmen sind hervorragend gegossen. Sehr gut detailliert und scharf. Hinweis: ich habe den Bogen mit der Ladefläche von der Ober- wie auch der Unterseite abgelichtet, um auch die Details an der Unterseite zu zeigen. Darauf komme ich noch im Detailabschnitt zurück:
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Zu den Details.

Bei manchen Spritzlingen scheint es, als ob ein Versatz gegossen wurde. Schwer zu sagen. Die Bauteile sind mit Masse frei von eben solchen Trennnähten. Die Angüsse in den Felgennaben sind mit ein wenig mehr Aufwand zu beseitigen bedingt durch den kleinen Durchmesser der Nabe. Das Versäubern dauert hier ein wenig länger. Aber sonst sind die Details sehr gut zu erkennen. Selbst das Ersatzrad glänzt mit fehlenden Radschrauben. Bei der Ladefläche zeigt sich komplett eine Vertiefung im Bereich, wo die Längsrahmen an der Unterseite vorbefestigt sind. Um ehrlich zu sein, finde ich das an dieser Stelle überhaupt nicht schlimm. Macht mir die große Oberfläche glaubwürdiger:

Die Reifen sind unspektakulär gut. Sie haben ein sehr schönes Profil ganz ohne einer Trennnaht. Reifenaufschriften sind nicht vorhanden:
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Zu den Decals und damit immer gerne zu meinem persönlichen Highlight. Auf dem Bogen finden wir neben den Rückleuchten (4), Reflektoren (3), Geschwindigkeits- und Lastkennzeichnungen (1, 2) auch ein hervorragendes Typenschild (5). Richtig gut. Fein, klar und scharf gedruckt:
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Weiter natürlich auch einige Nationalitätskennzeichen nebst den eigentlichen Kennzeichen. Hier liegt ganz klar das Maximum an Optionen. Wir finden zeitgenössische Kennzeichen aus Mitteleuropa wie auch eines der DDR (11). Wenn man so mag, ist das Kennzeichen aus Fulda (6) das Modernste. Aber WÜM (Waldmünchen, heute Cham – 9) und Stockach (7) finden wir ebenfalls. War Stockach doch bis zur Kreisreform in 1973 eigenständig, wurde dann in den Landkreis Sigmaringen einverleibt, werden die Kennzeichen heute wieder herausgegeben. Also können wir unseren Anhänger alt oder sogar moderner kleben. Sehr schön! Dann finden wir ein weiters STO-Kennzeichen, das ganz ohne Zulassungsstempel daherkommt (27). Das ist insofern korrekt dargestellt, da der Anhänger nur in Land- und forstwirtschaftlichen Betrieb eingesetzt ist.

Aber aufgepasst: wer kennt aus seiner Jugend und auf dem Land aufwachsend nicht den einen Landwirten, der stumpf sein Kennzeichen (aus welchem Grund auch immer) auf Pappe gemalt und am Anhänger angebracht hatte? Es gab von diesen Schlitzohren immer einen im Dorf. Das hat Heller für den Landkreis Erbach (14) mit aufgedruckt. Richtig nette Idee!
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Als Letztes schauen wir in die Bauanleitung.

Aufgeschlagen finden wir wieder Angaben zum Original und den zu verwendeten Farben. Wie eingangs geschrieben, sind die Farben 321 und 322 optional, wenn man für die Beleuchtung auf Decals setzt anstatt diese zu bemalen. Die Bauanleitung ist hellertypisch mit den zu verwendenden Farben bunt angeglichen. Hat vor und Nachteile. Bei dunklen Farben verschwinden so manchmal die kleinen aber auch manchmal entscheidenden Details. Auf 17 teils herausfordernden Bauabschnitten wird der Zusammenbau gemeistert sein. Die Bauabschnitte sind teilweise echt schwer zu lesen und ich sehe auch das erste Mal, dass auf Grund der besseren Lesbarkeit / Klarheit in den Folgebauabschnitten nicht alle Teile dargestellt sind. Ich empfehle nicht nur deswegen, sondern auch durch eigene Erfahrung beim Bau dieses Anhängers, sich mit der Bauanleitung und den Bauteilen gut auseinander zu setzen. Eine genaue Betrachtung der Bauteile sehe ich an manchen Stellen als unabdingbar:

Am Ende gibt es noch eine Übersicht der Spritzrahmen und einen Hinweis auf mögliche Kombinationen mit Traktoren oder einem weiteren Anhänger aus dem Hellersortiment:

Eingelegt hat Heller auch schon eine Bauplankorrektur des Abschnitt 14. Eine Bauteilekorrektur ist hier vorgenommen worden: nicht A33 sondern B33 und nicht A35 sondern B35. Vielleicht wurde das gemacht, weil die Teile dicke Sinkstellen auf der Nabenkappe haben?

An dieser Stelle möchte und muss ich noch vor dem Fazit auf ein paar Stolpersteine hinweisen. Wie zur Bauanleitung weiter oben geschrieben, sind einige Bauabschnitte doch in der Ansicht herausfordernd. Darauf möchte ich eingehen.

Im Bauabschnitt 3 ist beim Versäubern des Bauteil B1 besonders zu beachten, dass nicht alles, was nach Gießgrat ausschaut auch einer ist. Hier sind bewusst Zapfen innen angebracht, die später den Drehkranz „in der Spur halten“ (einrasten – im Bauabschnitt 13 durchgeführt). Weiter sind an der Ladefläche die beiden Nuten zu verbreitern. Hier kommt man um ein ordentliches Arbeiten nicht umher, möchten die ganzen anzubauenden Teile auch ordentlich optisch befestigen:

Im Bauabschnitt 5 wird im kleinen Kasten gezeigt, wie die Bauteile seitlich betrachtet angebaut werden sollen und wie es am Ende ausschauen soll. Als kleiner Hinweis ist das völlig ok:
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Im Bauabschnitt 7 ist die korrekte Ausrichtung der Nuten in Ober- und Unterteil (A8 / A25) zu beachten. Im zusammen gebauten Zustand im Bauabschnitt 8 ist das besser erkennbar – wo die 7 steht. Weiter ist an Bauteil A30 zu beachten, dass das so winzig kleine Zapfen zur Fixierung auf A31 hat, dass man da auch ein wenig mehr Geduld aufbringen sollte, damit es ordentlich sitzt und der Drehschemel letztendlich im Bauabschnitt 13 richtig passt:

Generell sind die Bauabschnitte 9 bis 12 tricky. Hier ist Fingerspitzengefühl und vor allem Geduld notwendig bei so vielen kleinen Teilen, die mit Masse beweglich gehalten werden sollen.

Der Bauabschnitt 9 wirkt sehr überfrachtet. Bei den Bauteilen A19 und A22 ist die Passung am Drehschemel wichtig, weil davon die ganze Passung und Optik der beweglichen Dreiecksdeichsel abhängt. Hier empfehle ich, dass man die Bauteile quasi von links (starte mit A19 an den Rahmen) nach rechts über alle Bauteile hinweg hin zu Bauteil A22, welches als letztes an den Rahmen befestigt wird.

Im Bauabschnitt 10 ist der Austausch des Zugmauls für den „Petit Gris“ fehlerhaft. Das vorhandene Zugmaul wird an A2 abgeschnitten und mit A36 ausgetauscht. Dabei wird A36 definitiv unter der Deichsel befestigt und von der Seite gesehen, tiefer liegen. Hier ist es aus meiner Sicht klüger, wenn man die vorhandene Öse einfach aufbohrt und anpasst, um sie an den Abschlepphaken des „Petit Gris“ zu bekommen. Dieselbe Anpassung muss ich eh für den „Landini“ durchführen. Dessen Abschleppzapfen ist ebenfalls größer als die vorhandene Öse:
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Aufgemerkt: im Bauabschnitt 12 sind die Bauteile A3 und A9 seitenverkehrt eingezeichnet:
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Das war es dann auch schon. Mein Fazit?

Na, wenn man sich die Nerven geschont hat und mit Geduld und Spucke die 17 Bauabschnitte gemeistert hat, steht ein toller Anhänger vor einem auf dem Tisch. Am Ende sieht man doch immer nur das Resultat und kann auch mal über Ärgernisse hinwegsehen. Belohnt wird der Spieltrieb im Manne (oder der Frau) damit, dass die Deichsel voll beweglich, der Drehschemel drehbar ist und der kleine Agrarwissenschaftler den Anhänger an seine Traktoren an- und abhängen kann, wie er bzw. sie das wünscht. Du hast noch keinen Traktor? Dafür kann der Anhänger jetzt aber mal gar nichts. Kaufen!

Ein guter Bausatz, der vielleicht nur ein wenig an der Komplexität der Bauabschnitte Charm einbüßt. Aber stelle ich mir die Frage: wie würde ich das darstellen? Was könnte man besser machen? Darüber denke ich noch nach.

Erhältlich bei Mode3llbau Universe.

Christian Weitzer, Modellbaustammtisch Recklinghausen