Mercedes Benz 190E 2.3-16V in 1:24 von Italeri #3624

Recht aktuell beschert uns Italeri wieder den Mercedes 190E in seiner sportlichen Ausführung als 2.3-16V, den ich als Kind schon sehr gemocht habe. Wer wie ich „damals“ den optisch wunderschönen „Berlin 2000“ Evo Mercedes von Fujimi (#06135) gebaut hatte, ist diesem 190er etwas skeptisch gegenüber. Vor allem, wenn man auch noch den (Entschuldigung) grottigen Ableger von Revell (#7258) kennt …
Bevor ich zum Bausatz komme, noch etwas über das Original – das Italeri in vorbildlicher Weise in seiner Bauanleitung sehr gut auf den Punkt bringt(!):

1982 eingeführt, markierte er einen Wendepunkt in der Produktion des renommierten Stuttgarter Automobilherstellers. Obwohl der „190“ die Einstiegsversion der Mercedes-Produktpalette war, enthielt er dennoch wichtige stilistische und technische Neuerungen. Das Design mit einem gelungenen Mix aus Stil und Eleganz wird später die Autos der höheren Segmente der zukünftigen Mercedes-Produktion beeinflussen. Aus technischer Sicht übernahm das Auto einen Längsfrontmotor, Hinterradantrieb und Scheibenbremsen an allen vier Rädern, McPherson-Frontend und „Multilink“-Hinterradaufhängung. Die ersten produzierten Versionen waren mit zwei Benzinmotoren von 1998 ccm mit Vergaser oder, in der Version 190E mit Einspritzung ausgestattet. Kurz darauf wurde die Sportversion 2.3-16V vorgestellt, die auch bei sportlichen Markenwettbewerben wie dem „Nürburgring Champions Race Cup“ 1984 zum Einsatz kann, an dem berühmte Fahrer der damaligen Zeit einige „alte Erfolge“ der Formel 1 teilnahmen.

Dem möchte ich nicht viel hinzufügen, beschreibt es doch den wegweisenden Erfolg des „Baby-Benz“ und ebnete den Weg von Mercedes in der (quasi) Kompaktklasse.

Die Geschichte des Bausatz lässt sich auch bis in das Jahr 1984 zurückverfolgen. Basierend auf dem ESCI-Bausatz (#3050) erschien auch gleich darauf das 16V-Modell (#3053). Er wechselte mal in das Haus von GunzeSanyo, ESCI/ERTL und es wurde nach gerade mal fünf Jahren ruhig um den Bausatz.

Nun ist verständlich, das die fast 40-jährigen, ersten Ausgaben von ESCI heute für einen recht sportlichen Betrag im hohen zweistelligen Bereich auf dem Markt zu finden sind. Gerade einmal fünf Auflagen erfuhr der Bausatz und ist letztendlich 2022 von Italeri wieder auf den Markt gebracht worden.

Der Vollständigkeitshalber erwähne ich noch Fujimi, die annähernd zeitgleich ihr Pendant des 190er (# ID-23) auf den Markt brachten. Er ist jedoch nicht mit diesem zu vergleichen. Fujimi entwickelte seinen Bausatz in die Motorsportrichtung bis in seine höchste Evolution – dem EVO-II.

Die erste „zivilere“ Form übernahm letztlich noch Revell, die ihn ebenfalls 1985 auf den Markt brachten. Hier schaffte er es mit drei Auflagen als AMG und 16V. Eine Sonderstellung hat Revells 190er mit Kamei-Kit (#7266) – der reiht sich in italeris Stammbaum ein. Interessant, dass sie da zwei vermischten.

Jetzt aber zum Bausatz.

Das Schachtelbild weiß zu gefallen. Schicht und elegant. Auf der Seite sieht man die zwei Varianten (zivil oder Rennausführung) nebst den Decals abgebildet:

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Was erwartet uns, wenn wir den Bausatz ausschütteln?
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Die Spitzlinge wirken sehr übersichtlich. Auf zwei schwarzen, einem silbernen und einem durchsichtigen Spritzling finden sich alle Bauteile, nachgezählt knapp unter 100. Karosserie, Gummireifen, Bauanleitung und Decals machen den Bausatz komplett.

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Die Bauteile sehen in Anbetracht ihres Alters noch recht gut aus. Sind in den Details o.k., zeigen gelegentlich schwächen anhand von Fischhäuten. Das hält sich aber im Rahmen.

Die Auswerfermarken, gerade auf dem letzten Bild zu sehen, sind jedoch sehr ungeschickt. Das bedarf Nacharbeit:

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An den Anbauteilen für den 16V in silber gespritzt gefällt mir die sehr glatte Oberfläche – aber auch an den „Saccobrettern“, den Seitenverkleidungen, sind ebenfalls Auswerfermarken zu sehen. Interessanterweise liegen hier ein zweites Set Federbeine bei:
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Die Klarteile. Sie sind wie alle Bauteile separat verpackt ohne Kratzer und ohne Fehl und Tadel. Sehr dünn und ohne irgendwelchen Verzug:
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Die Reifen wiederum haben an ihrer Attraktivität nichts eingebüßt. Sehr schönes Profil mit Reifenaufschrift auf den Flanken. Das gefällt mir!
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Die Karosserie ist wie die Anbauteile in silber gespritzt und hat auch die sehr schöne und glatte Oberfläche. Sicken sind wie bei Italeri überwiegend breit ausgeprägt. Was bei der Draufsicht zu erkenne ist, sieht man auf dem Dach sehr deutlich einen Auswerfer. Meine Karosserie ist etwas verformt, vorne mehr verdreht als hinten.

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Die Decals sind sehr gut in der Qualität. Scharf gedruckt und hat alles was man benötigt. Schriftzüge und Amaturen sind lesbar, eine sehr große Auswahl an Kennzeichen sind dabei. Zwei Decalvarianten der Rennversion für Senna oder Lauda mit ihren Startnummern.

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Die Bauanleitung:

Die Bauanleitung startet mit Wissenswerten über den Mercedes und eine Übersicht der Bauteile. Die angegebenen Farben werden so wie sie sind verwendet und man muss hier keine 5%-Mischorgien starten. Sehr schön!

Dann geht’s schon mit dem Bauen los und nach 8 Baustufen kommen wir zum fertigen Modell – in Farbe abgedruckt. Die Bauschritte geben mir keine Rätsel auf und sind übersichtlich und einfach gestaltet. Die Bauteile des Unterbodens erinnern sehr stark an den W124 von Revell. Sehr ähnliche Konstruktion der Achsen, die ich mal vergleichen würde:

Mein Fazit und abschließende Worte

Der Bausatz hat schon fast 40 Jahre auf dem Buckel und ist dafür noch gut in Form. Leider ist meine Karosserie etwas verformt und ich bin gespannt, ob sie sich bei der Montage in Form bringen lässt.

Das tolle an ihm ist, man kann die zivile- oder 16V-Version wählen, auch wenn das in der Bauanleitung „nicht zur Option“ steht. Man muss ja die silbernen Karosserieanbauteile nicht unbedingt verbauen 😉

Nicht so schön finde ich die deutlich sichtbaren Auswerfermarken, die sich auf die „Sichtflächen“ der Sitzrückseiten, Seitenverkleidungen innen und außen abheben. Hier ist Nacharbeit angesagt.

Will man den Motor zeigen, dann muss die Haube ausgeschnitten werden und der Motorraum ist sehr simpel und dürftig dargestellt. Möchte ich den Spoiler montieren, existieren keine Pins oder vorbereiteten Löcher auf dem Kofferaumdeckel, an dem man ihn montiert. Ein Bauteil auf die lackierte Karosserie aufkleben ist schon immer die „perfekte“ Möglichkeit, das Modell final zu versauen.

Eine Kleinigkeit ist mir bei der bunten Darstellung auf den letzten beiden Seiten aufgefallen: mal hat er zwei Außenspiegel gezeichnet, mal nur den Linken. Das Modell hat nur den Linken, nicht beide!

Es gibt für den 190er aus meiner Sicht keine bessere Alternative und ich bin nicht unglücklich darüber, dass ihn Italeri wieder auf den Markt gebracht hat. Von dem Fujimi habe ich immer Abstand genommen und stellt für mich kein „must have“ dar.

Diesen Bausatz kann ich ohne Zweifel empfehlen.

Erhältlich bei Modellbau König.

Dominik Weitzer, Modellbaustammtisch Recklinghausen